Baden
Chat-Gespielin droht Geri Müller mit belastendem Material

Josef Bollag, Präsident der jüdischen Gemeinde, wusste um die Nackt-Selfies von Geri Müller. Ob die Affäre wegen ihm aufflog, ist unklar. Nun entlastet die Chat-Gespielin Bollag und behauptet, weiteres belastendes Material gegen Müller zu besitzen.

Thomas Röthlin und Roman Huber
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Gerhard Pfister, Zuger CVP-Nationalrat gab der «Weltwoche» eine Einschätzung der Frau ab. Bollag hatte ihn gebeten, ihr bei der Stellensuche behilflich zu sein.
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Josef Bollag, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Baden und Müller-Gegner. Er kannte die Geschichte, sagt aber, er sei damit nicht an die Medien gelangt.
Eine 33-jährige Lehrerin aus dem Kanton Bern war Chat-Partnerin von Nationalrat Geri Müller. Er habe sie unter Druck gesetzt, seine Selfies zu löschen.
Chat-Gespielin droht Geri Müller mit weiterem belastenden Material

Gerhard Pfister, Zuger CVP-Nationalrat gab der «Weltwoche» eine Einschätzung der Frau ab. Bollag hatte ihn gebeten, ihr bei der Stellensuche behilflich zu sein.

AZ

Die Glaubwürdigkeit der ehemaligen Sex-Chat-Partnerin von Geri Müller ist infrage gestellt. In einem Gespräch mit der az am Dienstagabend sagte sie noch, «ein Kollege» habe die Medienkontakte vermittelt. Am Donnerstag war dann plötzlich ein «ganzes Netzwerk» schuld, das sie unter Druck gesetzt habe. Doch die Affäre wird noch wirrer. Josef Bollag, Gegenspieler von Stadtammann Geri Müller und Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Baden, wusste über das belastende Material Bescheid. Wie passt das alles zusammen?

Die Frau nahm am Donnerstagabend telefonisch Stellung. Der «Kollege» und Bollag seien zwei verschiedene Personen, sagt sie gegenüber der Aargauer Zeitung. Er habe nur den Kontakt zu Josef Bollag hergestellt. Das war möglicherweise tatsächlich mit der Absicht, dass die Geschichte über diesen Kanal an die Öffentlichkeit gelange. Sie könne sich aber nicht vorstellen, dass Bollag sein Wissen verbreitet habe; auch habe sie ihm nie ein SMS geschickt, um ihn von der Weitergabe von Daten abzuhalten. Ob Bollag eine Verbindung zum «Netzwerk» hat, diese Frage lässt die Frau unbeantwortet.

Dass es sich bei diesem «Geri-Kritiker» um Bollag und bei der Affäre Geri Müller gewissermassen um eine jüdische Verschwörung – inklusive des bekannten PR-Beraters Sacha Wigdorovits – handle, weisen allerdings die Frau und auch Bollag selbst zurück. Ein SMS, welches Bollag als Informanten outen soll, sei gefälscht, sagen beide.

Die Frau gibt aber Auskunft über ihre Einvernahme, die am Donnerstag aufgrund der Strafanzeige stattgefunden habe. Dabei sei viel belastendes Material zusammengekommen – nicht gegen sie notabene, sondern gegen Geri Müller.

Zwischen Bollag und der Frau existiert also eine Verbindung. Und er hatte, wie er auch anderen Medien gegenüber einräumte, Kenntnis von ihrem belastenden Material. Ob er auch im Besitz von heiklen Daten war, wollte Bollag auf Anfrage der az weder bestätigen noch dementieren. Schon gar nicht habe er die Medien selbst bedient, bekräftigte er seine bisherigen Aussagen.

Der Mann, der die Bekanntschaft mit Bollag am Donnerstag publik machte, ist der Zuger CVP-Nationalrat Gerhard Pfister. Bollag habe ihm die Frau geschickt, damit er ihr bei der Jobsuche helfen möge. Bei diesem Gespräch sei es aber bald nicht mehr um eine Stelle als Lehrerin gegangen, sondern um ihr «besonderes Verhältnis» zu Geri Müller. Josef Bollag hatte Pfister vorgängig darüber ins Bild gesetzt «und auch das Thema Sexting erwähnt», wie Pfister sagt.

Pfister nimmt Josef Bollag in Schutz. Er sagt, er habe den Eindruck gehabt, «eventuell instrumentalisiert» zu werden – allerdings nicht von Bollag, sondern von der Frau selbst. Er habe zwar Kontakt zu einem Journalisten der «Weltwoche» gehabt, aber erst auf dessen Anfrage – und ihm eine Einschätzung der Frau gegeben.

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