Baden
Cédric Wermuth wird Vater und will sich einen zusätzlichen Job suchen

Im Leben des Aargauer SP-Nationalrats Cédric Wermuth ändert sich in den nächsten Monaten im privaten wie auch im beruflichen Leben einiges: Er wird zum ersten Mal Vater, zügelt von Baden in den Raum Zofingen und will nicht mehr Berufspolitiker sein.

Mathias Küng
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Cédric Wermuth will bald in den Raum Zofingen zügeln (hier vom dem Thut-Brunnen in der Zofinger Altstadt).

Cédric Wermuth will bald in den Raum Zofingen zügeln (hier vom dem Thut-Brunnen in der Zofinger Altstadt).

Alex Spichale

Cédric Wermuth (28) ist national als streitbarer und pointiert links politisierender Juso-Präsident bekannt geworden. Seit 2011 vertritt er die Aargauer SP als Nationalrat in Bern. Wie so viele national tätige Aargauer Politiker kommt er aus dem Ostaargau. Doch bald wird sich dieses geografische Ungleichgewicht etwas mildern.

Cédric Wermuth verlässt nämlich im Frühling/Anfang Sommer Baden und zügelt Richtung Westen in den Bezirk Zofingen. Es ist allerdings nicht eine Flucht aus Baden. Wermuth wird im April nämlich Vater und zieht mit seiner Partnerin zusammen. Weil sie aus der Innerschweiz kommt und ihre beiden Familien im Kanton Luzern daheim sind, hat sich das junge Paar auf Zofingen als neuen Lebensmittelpunkt geeinigt. Wermuths Partnerin wird man aber nicht oft öffentlich sehen, sie sucht das Scheinwerferlicht nicht.

Am liebsten wäre Wermuth eine Wohnung in Zofingen selbst, möglich wäre aber auch Oftringen oder eine andere Ortschaft. Zofingen würde ihm aber sehr zusagen. Zum einen gefalle ihm die Altstadt sehr, zum andern sind dort die Verbindungen nach Luzern und nach Bern hervorragend. Klar ist für das Paar: Es muss ein Ort mit gutem Anschluss an den öffentlichen Verkehr sein.

Baden wird er «mit einem lachenden und einem weinenden Auge verlassen, habe ich hier doch meine grössten politischen Hochs und Tiefs erlebt», sagt Wermuth zur az. Der Entscheid sei ihm nicht leicht gefallen. Er bleibe der Limmatstadt sehr verbunden, hat er dort doch auch weiterhin nicht nur politische Gegner, sondern auch Freunde.

Bub oder Mädchen?

Ob es ein Bub oder ein Mädchen wird, wissen die beiden noch nicht. Eine Präferenz haben sie nicht. Sie freuen sich jetzt einfach auf das Kind. Dann kommt es bald zu einer ganz bürgerlichen Hochzeit? Wermuth lacht: «Das hat nicht Priorität.»

Oder will er in Zofingen auch in die Lokalpolitik? Er habe sich in Bern nie als Badener Vertreter gefühlt und werde künftig auch kein Zofinger, sondern wie bisher ein Aargauer Vertreter in Bern sein, sagt er dazu. Genauso wie er sich als Co-Präsident der SP Aargau dem ganzen Kanton verpflichtet fühle. Ein lokales politisches Mandat strebe er nicht an. Wermuth: «Das liegt bei meiner aktuellen zeitlichen Belastung gar nicht drin.» Wichtig ist ihm aber die Verbindung zur lokalen SP-Sektion.

Vor dem Studienabschluss

In Internetforen konnte man schon viel über den «ewigen Studenten Wermuth» nachlesen. Das soll bald vorbei sein. Wermuths Lizentiatsarbeit ist nämlich inzwischen fertiggestellt und eingereicht. Und wie Wermuth erst seit Samstag weiss, ist sie auch angenommen. Er schliesst noch nach dem alten System ab und bekommt deshalb keinen Master, sondern wie Hunderttausende vor ihm noch das Lizenziat. Die Schlussprüfungen sind von Januar bis März. Wenn bei den Prüfungen alles gut geht, wird das Kind also gewissermassen das Geschenk zum Studienabschluss.

In einem az-Interview im März, in dem er sein Interesse am kantonalen SP-Präsidium angekündigt hatte, hatte Wermuth gesagt, mit dem Nationalratsmandat und dem SP-Präsidium zusammen (inzwischen sind er und Grossrätin Elisabeth Burgener Co-Präsidenten) wolle er Berufspolitiker bleiben. Das Geld, das er als Nationalrat bekommt, reiche gut für ihn. Wie viel ist es denn? Wermuth ist für volle Lohntransparenz und legt seine Daten auf seiner Homepage offen. 2012 versteuerte er ein Nettoeinkommen von knapp 58'000 Franken.

Fertig reiner Berufspolitiker

Doch mit dem reinen Berufspolitiker wird es bald vorbei sein. Wermuth: «Politik ist ein Hochrisikogeschäft. Als Nationalrat kann ich alle vier Jahre abgewählt werden oder mein Mandat verlieren. Zudem hat man als Nationalrat keine Pensionskasse.» Für sich selbst würde er diese Risiken weiterhin eingehen, sagt er, aber: «Aber jetzt werde ich Vater. Das bedeutet mehr Verantwortung. Da brauche ich eine gewisse Absicherung. Deshalb will ich nach dem Studienabschluss im Berufsleben ausserhalb der Politik wieder Fuss fassen.» Genauere Details kann er noch nicht angeben.

In diesen Tagen nominieren die Bezirksparteien der SP im Aargau ihre Favoriten für die Nationalratsliste 2015. Da Wermuth erst im Frühling/Frühsommer zügelt, wird die Sektion Baden an ihrer Versammlung vom 22. November also ein letztes Mal für ihn zuständig sein.

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