SP Aargau

Cédric Wermuth wird aus den eigenen Reihen scharf kritisiert

Cédric Wermuth

Cédric Wermuth

Die Kandidatur von Cédric Wermuth als Präsident der SP Aargau wird von den Chefs der Regierungsparteien entsetzt zur Kenntnis genommen oder heruntergespielt. Strafrechtsprofessor Martin Killias rügt die Kandidatur als «Egotrip».

Die Wahl des neuen SP-Aargau-Präsidenten ist erst im Juni, doch die am Samstag in der az angekündigte Kandidatur von Cédric Wermuth hat ein Echo sondergleichen ausgelöst.

Die meisten Online-Kommentare sind alles andere als schmeichelhaft. Dass der ehemalige Präsident der Jungsozialisten nach dem Ende seines Studiums Berufspolitiker werden will, wird ihm besonders angekreidet.

Für die anderen Aargauer Regierungsparteien stellt sich eher die Frage, ob der bekannte und wortgewandte, aber auch pointiert links stehende Wermuth den eigenen Interessen schadet oder nützt. Mobilisiert ein Präsident Wermuth besser als die Bürgerlichen, oder verprellt er mit seinen Provokationen die gemässigte Fraktion der SP-Basis?

Burgherr prophezeit Verluste

SVP-Präsident Thomas Burgherr frohlockt: «Strategisch gesehen wäre ein Präsident Wermuth für meine Partei sicher gut.» Er könne sich allerdings nicht vorstellen, «dass sich die SP ein solch ideologisches Experiment leisten kann». Er prophezeit den Sozialdemokraten geradezu eine «Zerreissprobe» – und minus zwei Wählerprozentpunkte bei den eidgenössischen Wahlen 2015.

Auf die persönliche Auseinandersetzung mit Cédric Wermuth angesprochen, windet der SVP-Präsident seinem jetzigen Antipoden Marco Hardmeier sogar ein Kränzchen.

Der scheidende SP-Präsident sei «eine sympathische Persönlichkeit, die grosse berufliche und politische Erfahrung hat und mit beiden Beinen auf dem Boden steht». Das könne man von Wermuth «wirklich nicht behaupten». Seine Ankündigung, keinen «bürgerlichen» Beruf ergreifen zu wollen, hat Burgherr «besonders schockiert».

«Wenig Respekt für die Partei»

Strafrechtsprofessor Martin Killias, Mitglied der siebenköpfigen Findungskommission, spricht derweil von einem «Egotrip» und «wenig Respekt für die Partei». Diese habe für die Nachfolge von Marco Hardmeier sorgfältig ein Verfahren geplant. Bis heute Montag sollte nur die Kommission über Kandidaturen informiert werden.

Wermuth entgegnet, er habe die Kommission am Freitag über seinen Gang an die Öffentlichkeit orientiert. Ihm seien mehrere Medienanfragen vorgelegen, die er wahrheitsgemäss beantwortet habe. Zudem hätten schon vor ihm andere ihr Interesse kundgetan, namentlich Grossrätin Elisabeth Burgener. 

Versöhnlicher tönt es erwartungsgemäss bei den Grünen. Wermuth sei «konstruktiv im Umgang und hart in der Sache», sagt Präsident Jonas Fricker, der ihn aus dem Einwohnerrat Baden kennt und gut mit ihm zusammenarbeiten könne.

Fricker rät seinem Weggefährten allerdings zu einer gewissen Zurückhaltung: «Ich kann nicht immer zu 100 Prozent meine eigene Meinung vertreten, da ich als Präsident die Aufgabe habe, möglichst die Meinung der Partei wiederzugeben.» Wermuth sagt, er werde sich «nicht verbiegen». Dieser Vorsatz entspreche «nicht der von mir erfahrenen Realität», entgegnet Fricker.

Jauslin: «Sympathischer Kerl»

Die Mitteparteien messen der Kandidatur Wermuths keine grosse Bedeutung bei. FDP-Präsident Matthias Jauslin glaubt, der zusätzliche Sitz, der dem Aargau im Nationalrat zusteht, gehe unabhängig vom SP-Präsidium an die Bürgerlichen. «Aufgrund einer einzelnen Person werden sich keine erdrutschartigen Verschiebungen ergeben», so Jauslin. Wermuth, den Jauslin als «jungen, sympathischen Kerl» kennt, sei noch kein Parteiprogramm. Mit ihm als Präsidenten müsse sich aber, wenn schon, die SP-Basis warm anziehen.

Markus Zemp schliesslich, den Präsidenten der CVP Aargau, «interessiert nicht, wer die SP führt». Auch kenne er Wermuth nicht persönlich. Als dieser Ende 2011 sein Nationalratsamt antrat, war Zemp gerade zurückgetreten.

Cédric Wermuth nimmt die Kritik an seinem Lebensentwurf gelassen. Den Vorwurf, als Berufspolitiker dem Steuerzahler auf der Tasche zu liegen, höre er immer wieder – «es ist wie ein Mantra». In seinem az-Interview sagte er, falls die SP-Basis ihm das Vertrauen ausspreche, dürfe sie mit seinem vollen Einsatz rechnen.

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