Abgang

Campi-Kündigung: Wie freiwillig ging Roths Stabschef?

Die Kündigung von Stephan Campi, Generalsekretär von Regierungsrätin Franziska Roth, hinterlässt Fragen. Seine Partei, die FDP, ging von einer Freistellung aus, zwei unabhängige Quellen reden von einem Zerwürfnis.

In einer kurzen Mitteilung gab der Kanton am Montag um 13.30 Uhr bekannt, dass Generalsekretär Stephan Campi das Departement Gesundheit und Soziales per Ende Januar 2018 verlässt (AZ vom 5. Dezember). Gut drei Stunden später folgte eine Mitteilung der FDP. Die Freisinnigen zeigten sich besorgt über den erneuten personellen Wechsel bei SVP-Regierungsrätin Franziska Roth. In der ersten Version dieser Mitteilung der FDP hiess es, man sei überrascht, dass «Stephan Campi per Ende Januar 2018 das Departement verlässt und per sofort freigestellt wird». Inzwischen hat die Partei die Mitteilung angepasst, auf der Website der FDP ist eine Version ohne Verweis auf die angebliche Freistellung von Campi zu finden.

FDP ging von Freistellung aus

Doch wie kamen die Freisinnigen zur Annahme, dass Campi freigestellt worden sein soll? FDP-Fraktionschefin Sabina Freiermuth erklärt auf Anfrage der AZ: «In der Mitteilung des Kantons heisst es, bis zur Regelung der Nachfolge werde das Generalsekretariat interimistisch von seiner Stellvertreterin geleitet.» Dies hätten die Freisinnigen so verstanden, dass Stephan Campi frei-gestellt werde – was dieser aber danach dementiert habe. Freiermuth ergänzt: «Ob aus eigenem Antrieb oder nicht, uns beunruhigt, dass dem Departement mit diesem Weggang erneut enormes Fachwissen verloren geht.»

Die AZ hat indes konkrete Hinweise, dass sich Campi mit Regierungsrätin Franziska Roth überworfen hat und das Vertrauensverhältnis der beiden nicht mehr intakt war. Dies bestätigen zwei voneinander unabhängige Quellen am Tag, nach dem Campis Abgang publik wurde. Roth, die am Montag gegenüber der AZ sagte, die Erfahrung und Unterstützung ihres Generalsekretärs habe ihr im ersten Jahr als Regierungsrätin geholfen, soll sich zunehmend bevormundet gefühlt haben. Auffallend war in Roths bisheriger Amtszeit, dass die Regierungsrätin – mit Ausnahme von Militäranlässen – öffentlich wenig präsent war und sich oft von Campi vertreten liess. Laut der FDP-Mitteilung war dies auch an Sitzungen der Fall, dort habe Campi bisweilen «die Gespräche und auch die Geschäfte» geführt.

Fraktionschefin Freiermuth sagt auf Nachfrage, Campi wolle sich offenbar beruflich neu orientieren, sein Abgang erfolge freiwillig. «Ich kenne die Motive nicht, weshalb er als Generalsekretär seinen Job in einer derart interessanten Phase aufgibt, immerhin stehen wegweisende Entscheide im Asyl- und Spitalbereich an.» Freiermuth hält fest, ihr Parteikollege Campi sei ein sehr loyaler Mensch und werde wohl gute Gründe für seine Entscheidung haben.

Mit den AZ-Informationen konfrontiert, hält Campi fest: «Ich habe gekündigt. Mein Abgang erfolgt somit freiwillig.» Zu seinem künftigen Job sagt der abtretende Generalsekretär hingegen weiterhin nichts – auch nicht zur Frage, ob die neue Stelle bei der Verwaltung oder in einer privaten Firma ist.

Campis Abgang dürfte indes nicht der letzte Wechsel einer Führungsperson im Departement von Franziska Roth sein. Nach dem Austausch der Kommunikationschefin sowie der beiden Abteilungsleiter Militär und Bevölkerungsschutz im Frühling soll nun ein Abgang im Asylbereich bevorstehen.

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