Autobahn
Burkart will nicht bis 2040 mit A1-Ausbau warten

Das Parlament will die A1 im Aargau nicht rascher ausbauen als geplant. TCS-Präsident und FDP-Nationalrat Thierry Burkart will im April einen neuen Anlauf für eine Priorisierung nehmen.

Mathias Küng
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Hinweis vor der Ausfahrt Aarau-Ost, wonach Autofahrer bei Stau für die Ausfahrt den Pannenstreifen nutzen können. Chris Iseli

Hinweis vor der Ausfahrt Aarau-Ost, wonach Autofahrer bei Stau für die Ausfahrt den Pannenstreifen nutzen können. Chris Iseli

Chris Iseli

Als eins der letzten Geschäfte hat der Nationalrat in der eben beendeten Frühlingssession die Aargauer Standesinitiative für einen rascheren Ausbau der A 1 im Aargau auf sechs Spuren behandelt. Bekanntlich will der Bundesrat diesen Ausbau erst bis 2040 realisieren, der Aargau will dies schon bis 2030. Der Bundesrat setzte sich aber nach dem Ständerat auch im Nationalrat durch, die Standesinitiative unterlag mit 69 : 93. Für einen rascheren Ausbau stimmte vorab die SVP. SP, Grüne und GLP lehnten dies ab, FDP, CVP und BDP mehrheitlich.

Attiger: Rasch baureif machen

Wie geht es weiter? Der Aargauer Landstatthalter und Baudirektor Stephan Attiger ist aufgrund der vorangegangenen Diskussionen zwar enttäuscht, aber nicht überrascht. Attiger: «Wichtiger ist aber, dass der Bund die Projektierung für den Ausbau der A 1 gestartet hat. Wir unterstützen das Bundesamt für Strassen darin, das Projekt möglichst rasch baureif zu machen, denn baureife Projekte sollen unabhängig von ihrer Priorisierung vorgezogen werden können.»

So stimmten die Aargauer

Der Standesinitiative Folge geben wollten:
Thierry Burkart (FDP), Corina Eichenberger (FDP), Sylvia Flückiger (SVP), Ueli Giezendanner (SVP), Andreas Glarner (SVP), Bernhard Guhl (BDP), Ruth Humbel (CVP), Matthias Jauslin (FDP), Hansjörg Knecht (SVP), Maximilian Reimann (SVP), Luzi Stamm (SVP).
Der Standesinitiative nicht Folge geben wollten:
Yvonne Feri (SP), Beat Flach (GLP), Jonas Fricker (Grüne).
Nicht abgestimmt haben: Thomas Burgherr (SVP), Cédric Wermuth (SP). Sie beide diskutierten zu dem Zeitpunkt als Podiumsteilnehmer vor grossem Publikum an den 8. Demokratietagen in Aarau über das Ausländerstimmrecht. (AZ)

Der Aargauer TCS-Präsident und FDP-Nationalrat Thierry Burkart hatte in der Debatte eindringlich darauf verwiesen, dass der Grossraum Baregg mit 352 Stautagen an dritter Stelle der Schweizer Stauschwerpunkte steht, und dass die A 1 im Aargau bereits die höchste Engpassstufe erreicht. Burkart: «Die Zählstelle Neuenhof misst einen durchschnittlichen Tagesverkehr von rund 130 000 Fahrzeugen und steht somit nach Wallisellen und Muttenz an dritter Stelle.» Die Prognosen zeigten, so Burkart, dass auf diesen Abschnitten auch künftig das grösste Wachstum zu erwarten sei. «Wenn die A 1 erst bis 2040 ausgebaut wird», so der heute 40-Jährige, «werde ich 64-jährig sein und kurz vor der Pensionierung stehen.»

Burkart ist ob des Ergebnisses der Debatte enttäuscht. Und auch darob, «dass meine eigene Fraktion der Standesinitiative, die aus einem FDP-Vorstoss im aargauischen Grossen Rat hervorgegangen ist, die Unterstützung versagt hat». Aller Tage Abend für einen rascheren Ausbau ist aber noch nicht. Anfang April behandelt die nationalrätliche Verkehrskommission den Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrsfonds (NAF). Da will Burkart nochmals einen Anlauf für eine bessere Priorisierung des A 1-Ausbaus im Aargau nehmen: «Auf den Autobahnen, die 2,5 Prozent der Strassen umfassen, finden 43 Prozent des Verkehrs statt. Die A 1 ist unsere Hauptschlagader. Wenn die verstopft ist, weicht der Verkehr auf Kantons- und Gemeindestrassen aus. Das darf nicht geschehen.»

Fricker: Umdenken im Verkehr

Ganz anders beurteilt dies Nationalrat Jonas Fricker (Grüne). Es sei eine der Lobbying-Abstimmungen gewesen, wie es sie bei Infrastrukturprojekten oft gebe, so Fricker. Er hat nicht nur gegen die Standesinitiative gestimmt, weil er gegen eine höhere Priorisierung des Ausbaus im Aargau ist. Er will hier überhaupt keinen Ausbau. Bastien Girod habe ausgerechnet, dass auf zwei Bahnschienen gleich viel Leute transportiert werden können wie auf einer 10-spurigen Autobahn.

Fricker: «Wenn wir die Autobahn ausbauen, müssen auch nachfolgende Strassen ausgebaut werden und wir leiten noch mehr Verkehr in die Städte und Dörfer. Das ist falsch.» Es sei ein anderer Ansatz zu verfolgen, wie er etwa in der Stadt Baden zunehmend komme: «Priorität für Velo- und Fuss- sowie öffentlichen Verkehr, für lange Strecken die Bahn, als Feinzubringer Bus und durchaus auch mal ein Taxi. Das ist viel effizienter und energiesparend.»