Verkehr
Burkart kritisiert VCS-Verkehrspläne: «Alter Wein in neuen Schläuchen»

Thierry Burkart kann dem VCS-Manifest mit dem Titel «Mehr Lebensqualität – weniger Autoverkehr» nichts abgewinnen. Dem TCS-Präsidenten und FDP-Grossrat sind die Vorschläge zu einseitig gegen den Strassenverkehr gerichtet.

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Kämpft für den schnelleren Ausbau im Aargau: Thierry Burkart.

Kämpft für den schnelleren Ausbau im Aargau: Thierry Burkart.

Alex Spichale

Eine Wende in der Aargauer Verkehrspolitik fordert der Verkehrs-Club der Schweiz (VCS). «Mehr Lebensqualität – weniger Autoverkehr» lautet der Titel des Manifests, das Tempo 30 auf Ortsdurchfahrtsstrassen, einen Stopp des Strassenausbaus, eine Bevorzugung des öffentlichenVerkehrs und eine Lenkungsabgabe auf Benzin vorsieht.

Das Manifest des VCS kommt beim Touring Club Schweiz (TCS) schlecht an. «Alter Wein in neuen Schläuchen», lautet der Kommentar von Thierry Burkart. Der FDP-Grossrat und Präsident des Aargauer TCS stört sich insbesondere daran, dass sich die Vorschläge einseitig gegen die Strassen und insbesondere die Autofahrer richten. «Um die aktuellen und künftigen Verkehrsprobleme zu lösen, müssen alle Verkehrsträger berücksichtigt werden.»

Im Manifest wird das Verkehrswachstum im Kanton in erster Linie auf das ausgebaute Strassennetz zurückgeführt. Mit dieser Einschätzung ist Thierry Burkart nicht einverstanden. Die Ursachen für das erhöhte Verkehrsaufkommen seien vielmehr das Bevölkerungs- und Wohlstandswachstum. Das Beispiel der A1 zeige, dass der Ausbau an vielen Orten hinterherhinke. «Oftmals sind zudem Projekte blockiert – nicht zuletzt wegen Einsprachen des VCS.»

Auch den Vorwurf, die Aargauer Verkehrspolitik sei autozentriert, will der TCS-Präsident nicht gelten lassen. Burkart erinnert an die 180 Millionen Franken, die der Grosse Rat jüngst für die Limmattalbahn gesprochen hat. Zur Kostenwahrheit, die der VCS ebenfalls thematisiert, hält Burkart fest: Der motorisierte Individualverkehr sei zu 90 Prozent kostendeckend, auch wenn die externen Kosten wie Unfälle oder Umweltschäden eingerechnet würden, wie die Bundesstatistik zeige. «Beim Schienenverkehr ist der Anteil etwa gleich gross, doch sind mehr als die Hälfte der Kosten durch Subventionen gedeckt.»

Die vorgeschlagenen Massnahmen zur Stärkung des öV hält Burkart für bereits gängige Politik. «Das ist nichts Neues.»
Der VCS fordert zudem 30er-Zonen in Ortszentren auf Kantonsstrassen. Burkart spricht sich gegen diese Pläne aus. Punktuell könne Tempo 30 in Quartieren Sinn machen, aber der Entscheid sei Sache der Gemeinde. «Flächendeckend bringt dieses Mittel nichts. Der Verkehr braucht auch Schlagadern, sonst weicht er auf Quartier- und Nebenstrassen aus.» Burkarts Fazit: «Das Manifest ist nichts Weltbewegendes.» (Mbü)