Wahlen im Aargau

Burgherr: «Würden Sie bei der SP auch so gezielt nachbohren?»

SVP-Präsident Thomas Burgherr erklärt, weshalb er Regierungsrat werden möchte

SVP-Präsident Thomas Burgherr erklärt, weshalb er Regierungsrat werden möchte

Vor Wochenfrist hat die SVP Aargau bekannt gegeben, dass sie nebst Alex Hürzeler mit dem kantonalen Parteipräsidenten Thomas Burgherr zu den Regierungsratswahlen antritt. So will sie einen zweiten Sitz erobern. Die Delegierten nominieren am 30. Mai.

Herr Burgherr, erst wollten Sie nicht kandidieren, jetzt wollen Sie doch. Warum der Meinungsumschwung?

Thomas Burgherr: In der Tat habe ich gesagt, ich stünde «im Moment» nicht zur Verfügung. Es war mir ernst damit. Ich habe mit zwölf potenziellen Kandidaten gesprochen. Vor zwei Wochen sagte dann die letzte - Sylvia Flückiger - definitiv ab. Danach ging ich persönlich nochmals über die Bücher.

Warum?

Viele Kolleginnen und Kollegen baten mich darum. Doch ich habe ein Familienunternehmen mit Mitarbeitenden und Lehrlingen. Da kann man nicht einfach sagen: In einem Jahr bin ich woanders. Schliesslich fand ich mit meinem Betriebsleiter eine Lösung. Zusammen mit meiner Familie habe ich mich dann entschlossen, als Regierungsratskandidat anzutreten.

Würden Sie Ihre Firma verkaufen?

Nein. Ich kann mir aber vorstellen, die Aktien jemandem in meiner Familie zu übergeben. Vielleicht will ja später eins meiner Kinder die Firma in sechster Generation übernehmen, was mich sehr freuen würde. Druck in diese Richtung übe ich aber keinen aus.

Wollen Sie wirklich Regierungsrat werden? Oder steigen Sie aus Pflichtgefühl in die Hosen?

Selbstverständlich will ich! Wir haben immer gesagt, dass wir mit zwei Kandidaten antreten wollen. Ich habe früh signalisiert, dass mich das Amt interessiert. Vor drei Monaten hätte mein berufliches Umfeld das aber noch nicht ermöglicht.

Was macht die SVP falsch, dass sie als grösste Partei mit Müh und Not gerade mal einen einzigen Kandidaten findet?

Wir haben viele Unternehmerinnen und Unternehmer in unserer Partei. Sie tragen für ihre Mitarbeitenden, Lieferanten und Kunden eine grosse Verantwortung und können nicht einfach so in die Politik wechseln.

Liegt es nicht vielmehr daran, dass die Wahlchancen klein sind?

Die Ausgangslage ist ungewiss - aber die Chancen sind intakt. Wir kämpfen mit dem Ziel, als wählerstärkste Partei zwei Regierungssitze zu gewinnen. Wenn mich unsere Delegierten nominieren, werde ich einen engagierten Wahlkampf machen. Ich bin kein Alibikandidat!

Wer soll Sie denn wählen? Ihre Wählerbasis allein reicht ja nicht.

Das gilt für alle Kandidierenden. Alle müssen über ihre Parteigrenzen hinaus Stimmen erringen. Wer mich kennt, weiss, dass ich durch und durch bürgerlich denke und handle. Deshalb hoffe ich, dass auch andere Bürgerliche mich wählen.

Anstelle von Susanne Hochuli?

Wir treten nicht gegen eine Person an.

Sie wollen eine bürgerliche Allianz und eine bürgerliche Regierung. Das richtet sich gegen Frau Hochuli.

In einer Wahl gehen alle Kandidierenden das Risiko ein, nicht gewählt zu werden. Die Bürgerinnen und Bürger entscheiden.

Warum sollen sie sich für Sie entscheiden?

Weil mit mir und mit zwei SVP-Regierungsräten die bürgerliche Politik im Kanton Aargau gestärkt würde.

Also doch auf Kosten der Linken!

Sie bringen mich nicht dazu, eine Person zu nennen, die wir nicht mehr in der Regierung wollen. Wir bieten eine Auswahl, die Bevölkerung soll entscheiden.

Was wir nicht verstehen: Sie wollen die bürgerliche Vertretung im Regierungsrat stärken - aber Sie wollen nicht sagen, wen Sie angreifen.

Würden Sie bei der SP auch so gezielt nachbohren, wenn sie mit zwei Leuten anträte?

Selbstverständlich. Es wäre legitim für Sie, zu argumentieren, die Grünen hätten mit ihrer Stärke keinen Anspruch auf ein Regierungsamt.

Das mache ich aber nicht. Für mich steht nicht die Wählerstärke im Vordergrund, sondern die Persönlichkeit und ihre Leistung.

Was brächten Sie denn in die Regierung mit?

Für mich ist es wichtig, dass ein Unternehmer in der Regierung vertreten ist. Ich bin seit 20 Jahren unternehmerisch tätig. Seit 1993 politisiere ich, unter anderem als Vizeammann von Wiliberg, als Präsident der Bezirkspartei Zofingen, als Vizepräsident und jetzt als Präsident der Kantonalpartei. Seit 1997 bin ich Grossrat. Da leiste ich gute Arbeit, Sie dürfen gern nachfragen. Ich habe auch eine gewisse Lebenserfahrung, nicht zuletzt als Vater von drei Kindern.

Was sagt Ihre Frau zur Kandidatur?

Meine Frau und ich haben das genau angeschaut zusammen. Wenn ich aufzählen würde, was ich jetzt mache und im Fall einer Wahl abgeben würde, sähen Sie, dass sich keine Mehrbelastung ergäbe.

Als Unternehmer können Sie entscheiden. Würden die Mühlen der Verwaltung Sie nicht frustrieren?

Diese Frage kann ich nachvollziehen. Ich bin mit Leib und Seele Unternehmer. Doch ich sehe, wie die Politik die Wirtschaft in vielen Bereichen hemmt. Ich will in der Regierung mithelfen, Hürden für die Wirtschaft abzubauen. Dass die Abläufe in der Regierung komplizierter sind als in meinem KMU, ist klar. Damit kann ich leben.

Was tun Sie, um Ihre tiefe Bekanntheit im Ostaargau zu steigern?

Ich habe nie das Scheinwerferlicht gesucht. In der Partei und im Grossen Rat kennt man mich aber gut. Als Kantonalpräsident werde ich sicher bekannter werden. Warten Sie meinen Wahlkampf ab. Da werden mich die Aargauer schon kennen lernen.

Sind Sie ein SVP-Hardliner?

Ich lasse mich nicht gern schubladisieren. Ich politisiere sogenannt moderat. Mir liegt viel daran, politische Lösungen zu finden. Wenn wir in der Kommission eine Vorlage beraten, vertreten wir von der SVP unsere Lösung vehement, um etwas zu erreichen. Irgendeinmal sieht man aber, dass man mit anderen Parteien reden muss, um einen Kompromiss zu finden, bei dem man sich natürlich keinesfalls selber verleugnen darf. Das verstehe ich unter Politik. So kommen wir weiter.

Sie bezeichnen sich als moderat. Stören Sie sich manchmal am Stil der Hardliner in der Partei?

In jeder grossen Volkspartei gibt es unterschiedliche Ausrichtungen, auch bei uns. Wichtig ist, dass wir in Kernfragen unsere Lösung einheitlich nach aussen vertreten. Es gibt aber immer wieder Sachfragen, wo man unterschiedliche Ansichten haben kann.

Was sagen Sie zum Stil?

Ich politisiere so, dass ich allen Politikern und den Bürgerinnen und Bürgern in die Augen schauen kann. Ich bin anständig auch gegenüber Andersdenkenden. Wenn man sich ständig angreift, findet man keine Lösungen. Ich weiss aber schon, worauf Sie hinauswollen ...

... auf Andreas Glarner.

Ich störe mich nicht am Stil anderer Politiker in der SVP Aargau. Herr Glarner ist ein sehr guter Fraktionspräsident. Ich schätze ihn sehr, wir arbeiten gut zusammen. Unsere Stile sind jedoch unterschiedlich. Das darf aber auch sein.

Erstmals seit Jahrzehnten kommt die SVP ins Schlingern. Was tun, damit es wieder aufwärtsgeht?

Parteien, die so schnell wachsen wie die SVP, gelangen irgendwann an ihren Zenit. Die vergangenen Wahlresultate sehe ich aber eher als Konsolidierung unseres schnellen Wachstums. Als grosse Volkspartei müssen wir eine lösungsorientierte Politik betreiben. Dann werden wir unsere Wähleranteile bestimmt halten, oder erhöhen sie sogar wieder.

Es ist also auch eine Stilfrage?

Ja, es kommt immer auch darauf an, wie man miteinander spricht.

Ein Kernthema der SVP ist das Asylwesen. Nach dem Debakel von Bettwil: Wie müsste sich der Kanton verhalten?

Beim Vollzug muss der Aargau den ganzen Spielraum nutzen. Also abgewiesene Asylbewerber sofort ausschaffen. Und damit die Verfahren viel schneller werden, müssen Kanton und Gemeinden den Druck auf den Bund erhöhen. Sehen Sie Holland an: Da wird in drei, vier Wochen entschieden. Bei uns dauert es Jahre. Bettwil hat sich gewehrt - mit Erfolg! Und die SVP ist die einzige Partei, die von Beginn an auf die Probleme aufmerksam gemacht hat. Die Fakten haben uns jetzt recht gegeben.

Böten Sie als Regierungsrat bei der Suche nach Unterkünften Hand?

Primär ist das Problem an der Wurzel zu packen und künftig innerhalb eines Monats zu entscheiden. Dann braucht es auch weniger Unterkünfte.

Derzeit sucht der Kanton aber verzweifelt Unterkünfte.

Ich kann mir gut zentrale Unterkünfte an abgelegenen Orten als Lösung vorstellen. Auf dem Susten oder auf dem Glaubenberg zum Beispiel. Aber sicher nicht an Orten wie Bettwil. Was dort geplant war, war eine absolute Frechheit.

Bern arbeitet auf eine Energiewende hin. Geht es künftig ohne AKW?

Ich bin gegen einen Schnellschuss, ohne gesicherte Alternativen zu haben. Es wird nicht funktionieren. Und stattdessen Gaskraftwerke zu bauen, wäre darüber hinaus ein ökologischer Blödsinn. Ich stehe für den heutigen Strommix ein, der uns eine verlässliche und kostengünstige Versorgung garantiert. Ich kann mir gut vorstellen, dass künftig viel sicherere Kernkraftwerke gebaut werden. Und ich bin sicher, dass wir auf den Ausstiegsentscheid zurückkommen werden.

Soll die Aargauische Kantonalbank mittelfristig privatisiert werden?

Kurzfristig sicher nicht. Und auch mittelfristig würde ich es im Moment lassen, wie es ist. Ich bin aber klar gegen die SP-Initiative, die den Besitz des Kantons an der AKB in der Verfassung verankern will, nachdem dies ja längst im Gesetz steht. Im Moment hätte die Privatisierung im Volk keine Chance. Es braucht in dieser Frage jedoch zuerst eine genaue Analyse der Vor- und Nachteile.

Die Einwanderung aus der EU hat stark zugenommen. Der Bundesrat ruft jetzt teilweise die Ventilklausel an. Reicht Ihnen das?

Nein. Unser Land ist mit der grossen Zuwanderung überfordert. Das hat natürlich mit der Attraktivität der Schweiz zu tun.

Dann arbeiten in Ihrem Betrieb keine Ausländer?

Doch, ein Deutscher.

Weil Sie keinen genug qualifizierten Schweizer gefunden haben?

Der Markt an Fachleuten ist in der Tat sehr dünn.

Die Wirtschaft profitiert von den Einwanderern.

Das ist so. Wer zum Arbeiten kommt, stört mich nicht - die haben ja wir geholt, etwa Ärzte, Lehrer etc. Auch die Deutschen sind in der Regel nicht das Problem. Es gibt aber zu viele Ausländer, die hier wohnen, nicht arbeiten und von unserem Sozialsystem profitieren. Das darf nicht sein.

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