Reportage

Burgherr fieberte mit seiner Tochter dem Sieg entgegen

Die SVP ist die grosse Wahlsiegerin – und mit ihr SVP-Präsident THomas Burgherr, der als gewählter Nationalrat nach Bundesbern darf. Wir haben ihn am Wahlsonntag begleitet

Der SVP-Triumph zeichnet sich bereits ab, als Thomas Burgherr am gestrigen Wahlsonntag um 14 Uhr im Grossratsgebäude in Aarau eintrifft. Als Erstes zeigt der Aargauer SVP-Präsident und Nationalratskandidat dort seiner vierjährigen Tochter Ladina seinen Sitzplatz im menschenleeren Grossratssaal.

Dass er diesen nach 19 Jahren in der kantonalen Politik möglicherweise bald räumen wird, lässt ihn etwas sentimental werden – wohl zum letzten Mal an diesem Tag, der von ausgezähltem Bezirk zu ausgezähltem Bezirk und von Interviewtermin zu Interviewtermin hektischer wird.

Rückblende: Sieben Uhr morgens im beschaulichen Wiliberg. Burgherr startet seinen Sonntagmorgen wie immer mit der Zeitungslektüre. Auch geschlafen habe er gut, versichert er.

Die Stimmungslage beim Aufwachen: Erleichtert, dass der kräftezehrende Wahlkampf endlich vorbei ist und gleichzeitig etwas angespannt, «weil es mich als Parteipräsident natürlich speziell interessiert, wie die Partei abschneidet».

Das Seine zum SVP-Wahlerfolg trägt er mit der Abgabe des Wahlzettels im Gemeindehaus bei. Denjenigen seiner Frau hat er auch gleich dabei, «aus Effizienzgründen».

Danach gönnt er sich eine letzte ruhige Stunde im Büro und fährt nach Hause zurück – nochmals via Wiliberger Stimmlokal. Dort erlebt er, obwohl die Wahlfeier noch weit entfernt ist, «die grösste Freude des Tages»: Mit 121 Stimmen liegt er in seiner Heimatgemeinde sogar vor der SVP-Stimmenlokomotive Ulrich Giezendanner. «Er ist ein sehr guter Freund, und wir haben immer gesagt, es wäre sehr schön, wenn wir mal zusammen in Bern sein könnten.»

Dass ihm das Aargauer Stimmvolk diesen Wunsch erfüllt, zeichnet sich wie gesagt schon am frühen Nachmittag ab. Burgherr, der im Grossratsgebäude eine Hand nach der anderen schüttelt, will von Gratulationen zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nichts wissen. «Sicher ist es erst, wenn der Bezirk Baden ausgezählt ist», sagt er in Mikrofone und Fernsehkameras.

Ein Glas Weisswein liegt trotzdem schon mal drin und auch ein paar nette Worte an Parteikollege Andreas Glarner: «Du würdest die Wahl verdienen», so Thomas Burgherr.

Schliesslich bedeute Glarners Fraktionspräsidenten-Amt einen enormen Zeitaufwand. Glarner gibt die Blumen zurück und kurz darauf ist dann auch der Bezirk Baden ausgezählt: Burgherr und Glarner liegen auf den Plätzen sechs und sieben und somit gemeinsam vor dem Sprung in den Nationalrat. Der Wiliberger bleibt trotzdem vorsichtig: «Jetzt sollte es eigentlich reichen, aber definitiv ist es erst, wenn alle Bezirke ausgezählt sind.»

«Nicht über die Stränge schlagen»

In Jubelstimmung ist Burgherr also höchstens innerlich. Und auch äusserlich wäre er eigentlich lieber schon im nahe gelegenen Restaurant Schützen, wo sich die SVP an diesem Wahlsonntag versammelt hat.

Um kurz vor 16 Uhr und nach mehreren weiteren Medienterminen schafft er es dann auch endlich aus dem Grossratskeller raus. «Jetzt bin ich geschlissen», sagt er, nimmt einen Schluck aus der Mineralwasserflasche eines Wahlkampfhelfers und marschiert los in Richtung SVP-Treffpunkt.

Dort wartet als Erste wieder die jüngste Tochter Ladina. Und dann die definitiven Resultate: Burgherr wird künftig in Bern statt in Aarau politisieren. Applaus brandet durch den «Schützen»-Keller.

Viel Zeit zum Feiern bleibt Burgherr allerdings auch jetzt nicht. Kurz ein Red Bull trinken, dann wieder zurück in den Grossratskeller, wo erneut die TV-Kameras warten, Elefantenrunde auf Tele M1.

Und jetzt kann sich der Parteipräsident auch ganz offiziell gratulieren lassen. Und einmal mehr die Gründe für den Wahlerfolg erläutern. Die SVP habe die Themen, die die Bevölkerung beschäftigten, seit Jahrzehnten bewirtschaftet, erklärt Burgherr über den Nachmittag verteilt in verschiedenste Mikrofone. Etwa die Asylproblematik. «Ob uns die Flüchtlingskrise geholfen hat, wissen wir nicht. Und wir haben diese ja auch nicht verursacht.»

Dann sind die TV-Kameras aus, als künftiger Nationalrat wird er aber wohl noch häufiger als bisher mit ihnen zu tun haben. Erstmals steht aber mal eine Feier im privaten Rahmen im Restaurant Moosersagi in Wiliberg an. «Ich telefoniere ein paar Kollegen und die laden dann ein paar Freunde ein», sagt Burgherr.

Über die Stränge schlagen werde er nicht. Gute Voraussetzungen also, um auch die Nacht nach dem Wahlsonntag gut zu schlafen – und gestärkt in den neuen Lebensabschnitt zu starten.

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