Wehrpflicht
Bürgerdienst: Wenn plötzlich Rekruten für Recht und Ordnung sorgen

Der Genfer Regierungsrat Pierre Maudet will Wehrpflichtige zu Polizisten oder Feuerwehrmänner machen. Im Aargau sieht man wenig Sinn in einem Bürgerdienst und gibt dem Vorhaben von Maudet wenig Chance.

Silvan Hartmann
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Aargauer Kantonspolizisten im Schiesskeller: Erhalten Sie bald Hilfspolizisten, die eigentlich Militärdienst leisten müssten??

Aargauer Kantonspolizisten im Schiesskeller: Erhalten Sie bald Hilfspolizisten, die eigentlich Militärdienst leisten müssten??

Chris Iseli

«Jeder Schweizer ist verpflichtet, Militärdienst zu leisten.» Das steht in der Bundesverfassung. Nun will der Genfer Sicherheitsdirektor Pierre Maudet (FDP) das Wort «Militärdienst» durch «Bürgerdienst» ersetzen.

Damit könnten junge Schweizer nicht nur im Militär Dienst leisten, sondern auch bei der Polizei, im Grenzwachtkorps, bei der Feuerwehr, im Zivilschutz, bei der Sanität oder gar im Strafvollzug. Das berichtet die «SonntagsZeitung».

«Dienst erfordert viel Herzblut»

Im Aargau setzen betroffene Organisationen grosse Fragezeichen hinter das Vorhaben des Genfer Regierungsrats: «Ich kann mir das nur schwer vorstellen», sagt Urs Hofmann, Aargauer Polizeidirektor.

Auch bei der Feuerwehr stösst Maudet eher auf Ablehnung: «Es braucht gewisse Fähigkeiten, den Feuerwehrdienst leisten zu können. Es ist kein Dienst, der nur nach einem Artikel in der Bundesverfassung absolviert werden kann, es erfordert viel Herzblut», gibt Joe Habermacher, Präsident des Aargauer Feuerwehrverbandes, zu bedenken.

Zeitliche Bedenken bei Ausbildung

Konkret stellt sich Maudet vor, dass die jungen Männer statt die Militär-Zeit beim Kartenspielen totzuschlagen, viel eher Personalengpässe in den Polizeikorps ausbügeln könnten.

Ob dies der Aargauer Kantonspolizei bei Personalproblemen zugute kommen würde? Schliesslich wird derzeit fieberhaft das Aargauer Korps aufgestockt. Bis 2017 werden 15 Prozent mehr Polizisten im Einsatz stehen.

«Die Polizei muss hochprofessionell arbeiten können. Ich sehe nur schon zeitliche Schwierigkeiten in der Ausbildung der Dienstleistenden», sagt Hofmann. «Im Aargau werden angehende Polizisten ein Jahr lang mit intensivsten Schulungen auf ihre Einsätze vorbereitet. Nach dieser Ausbildung - auch wenn sie etwas kürzer wäre - hätten Rekruten ihre Dienstpflicht schon nahezu erfüllt, weshalb nicht mehr viel Zeit bliebe, den Polizeiberuf auszuüben.»

Ein neuer Sinn für die Armee

Maudet will mit seinem Vorhaben nicht zuletzt Glaubwürdigkeitsprobleme der Schweizer Armee aus der Welt schaffen: «Die Dienstpflicht an sich hat keinen Zweck mehr, sie muss einen neuen Sinn bekommen.»

Aargauer Nationalräte finden den Ansatz von Maudet gut: «Man muss sogar noch weitergehen und darüber sprechen, ob man auch in der externen Spitalpflege Dienst leisten könnte», sagt GLP-Nationalrat Beat Flach auf Tele M1.

Gleicher Meinung ist Nationalrat Geri Müller (Grüne): «Man muss diskutieren, in welchen Bereichen Bedarf einer solchen Unterstützung besteht. Ich sehe dies eher in der Gesundheit als in der Sicherheit.»

SVP-Nationalrat Ueli Giezendanner findet das Vorhaben von Maudet schlecht und betont, dass bereits heute der Zivildienst für Leute mit Gewissensproblemen gegenüber der Armee zur Verfügung stünde: «Das wäre ein indirekter Abbau der Armee. Weder bei der Polizei noch in einem Spital kann jemand kompetent mitarbeiten.»