Schade, ist die Alte Reithalle in Aarau noch nicht umgebaut. Sie wäre die perfekte Location gewesen für die 150-Jahr-Feier der Offiziersgesellschaft (OG) Aarau. «Die wohl einzige Offiziersgesellschaft, die mit Hans Herzog einen General zu ihren Gründungsmitgliedern zählen darf», sagte Bundesrat Guy Parmelin in seiner Rede im Kultur- und Kongresshaus. Der Verteidigungsminister hatte «meine spontane Einladung ebenso spontan und unkompliziert angenommen», wie Ruedi Suter, OK-Präsident der Jubiläumsfeier, erfreut feststellte. Der Bundesrat seinerseits befand, es sei ihm ein Vergnügen: «Sie sind gelebte Miliz!»

Die Gästeschar, die von einem Soldatenspiel unter Leutnant Tobias Vogt musikalisch empfangen wurde, wäre auch ohne bundesrätliche Beteiligung hochkarätig gewesen. National-, Gross-, Regierungs-, Stadt- und Einwohnerräte, hochrangige Militärangehörige von inner- und ausserhalb des Kantons kamen.

Der Präsident der OG Aarau, Reto Berli, deutete die grosse Zahl der Anwesenden als «Zeichen der Verbundenheit» gegenüber der Offiziersgesellschaft. «Es ist nicht selbstverständlich, dass es Offiziersgesellschaften noch heute in dieser Form und mit dieser stolzen Zahl an Mitgliedern gibt.» Er betonte: «Es ist mehr als ein Dabeisein – es ist ein Dazugehören.»

Roth: «Auf gutem Boden»

Die kantonale Militärdirektorin, Regierungsrätin Franziska Roth, befand in ihrer Rede, die Jubilarin wirke für ihre 150 Jahre «ausgesprochen frisch und vital». Weshalb? Erstens sei die Offiziersgesellschaft Aarau «auf gutem Boden gewachsen», denn: «Wer hat diesen Kanton gegründet? Ein Soldat. Vielleicht der grösste, den es je gegeben hat.» Diesem napoleonischen Erbe sei man treu geblieben. Ausserdem wisse die OG, wofür sie stehe; nämlich für «Kameradschaft und militärische Sachkunde» sowie «vernünftiger und freiheitlicher Fortschritt».

Warum es die Offiziersgesellschaften braucht, erklärte Kantonalpräsident Ulrich Price: 1833 habe man die Schweizer Offiziersgesellschaft gegründet; dies mit der Idee, ausserdienstliche Fortbildung zu betreiben. «Damals gab es nur alle drei Jahre einen dreitägigen Wiederholungskurs. Die Vergessensquote war entsprechend enorm», sagte Price.

Divisionär Hans-Peter Walser, Kommandant der seit Kurzem in Aarau ansässigen Territorialdivision 2, überbrachte «die besten Wünsche der Armee» und blickte auf Aaraus Tradition als Garnisonsstadt zurück. Walser äusserte aber Bedauern darüber, dass das Ansehen und der Rückhalt der Armee in der Gesellschaft nicht mehr ganz so stark seien wie früher. Stichwort: Milizsystem. «Die personelle Alimentierung der Armee ist im heutigen Umfeld eine Herausforderung», so Walser. Es müsse wieder selbstverständlich werden, dass die verfassungsmässige Wehrpflicht gelebt werde, dass «junge Schweizer Militärdienst leisten» und «einstehen für eine sichere Schweiz, in der wir in Freiheit leben können».

Parmelin: «Kritische Phase»

Auch Bundesrat Guy Parmelin betonte, man befinde sich diesbezüglich in einer «kritischen Phase». Der Verteidigungsminister bemängelte: «Es gelingt zu vielen Leuten, den Militärdienst zu umgehen.» Das gefährde nicht nur den Personalbestand, sondern auch das Dienstpflichtprinzip und die Solidarität. Er erwarte, dass sich die jungen Schweizer «in den Dienst unseres Landes stellen» und zwar «wann nötig und so lange wie nötig», notfalls auch unter Einsatz ihres Lebens. Die Gesellschaft müsse dieses Engagement aber auch unterstützen und wertschätzen. Die wichtigste Voraussetzung für die Armee und das Milizsystem sei, dass die Bürger dahinterstehen: «Nicht nur bei Volksabstimmungen, sondern auch mit ihrem persönlichen Engagement.»

Parmelin sprach ausserdem über die allgemeine Lage: Sie sei «von Unsicherheit geprägt: Wir spüren, dass gewisse Entwicklungen falsch laufen, aber wir wissen noch nicht genau, wie wir ihnen begegnen können». Und er stellte klar, was er als Departementsvorsteher von der Armee erwarte: «Dass sie zum richtigen Zeitpunkt mit den richtigen Mitteln die erforderlichen Leistungen erbringen kann. Ich lege auf die Verfügbarkeit von Mitteln gleich viel Wert wie auf die Leistungen selber.» Und er nahm die Anwesenden in die Pflicht: Man müsse «gemeinsam dem Bürger vermitteln, dass die Armee zu unserem Schutz da ist», mahnte Parmelin.

Festschrift präsentiert

Die Redner erhielten nicht nur eine Rüeblitorte, sondern auch ein druckfrisches Exemplar der Festschrift als Dank. Diese wurde von Projektleiter Dieter Wicki mit Witz und Leidenschaft vorgestellt, indem er das Publikum mitnahm auf eine etappenweise Zeitreise zurück ins Gründungsjahr 1868.