Aarau
Bundesrat Berset erklärt, wie die Renten sicher bleiben sollen

Alain Berset, Pascale Bruderer und Christine Egerszegi informierten in Aarau über die Reform der Altersvorsorge. Berset verneinte, dass diese die junge Generation noch mehr belasten werde.

Jörg Meier
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Bundesrat Alain Berset: «Wir brauchen in der Altersvorsorge eine Politik der Sicherheit.»
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«Altersvorsorge 2020» mit Bundesrat Alain Berset
Bei dem Referat «Altersvorsorge 2020» ist der Saal bis auf den letzten Platz besetzt.
In der ersten Reihe: SP-Ständerätin Pascale Bruderer im Gespräch mit Bundesrat Alain Berset, links daneben FDP-Ständerätin Christine Egerszegi.

Bundesrat Alain Berset: «Wir brauchen in der Altersvorsorge eine Politik der Sicherheit.»

Chris Iseli

Das nennt man wohl perfektes Timing. Einen Tag nachdem die ständerätliche Kommission für soziale Sicherheit und Gesundheit (SGK) ihr Reformprojekt zur AHV vorgestellt hatte, luden Pro Senectute Aargau, der Aargauische Seniorenverband und die Fachstelle Alter gemeinsam zum Informationsanlass ins Kultur- und Kongresshaus (KuK) nach Aarau ein. Und mit Bundesrat Alain Berset und den beiden Aargauer Ständerätinnen Pascale Bruderer und Christine Egerszegi stand ein äusserst kompetentes und gut gelauntes Expertenteam Red und Antwort. Kein Wunder also, dass so viele Interessierte aus dem ganzen Kanton ins KuK kamen, dass auch der grosse Saal samt Estrade noch zu klein war und den Letzten nur noch Stehplätze blieben.

Grosser Applaus für Alain Berset

Stadtpräsidentin Jolanda Urech begrüsste und ermunterte, den demografischen Wandel auch als Chance zu sehen. Dann übernahm Bundesrat Alain Berset. Er rühmte den Aargau, nannte ihn einen «heimlichen Riesen» und «spektakulär unspektakulär». Mit seinen launigen Worten gewann er die Herzen im Sturm und legte so eine gute Basis für seine Erklärungen zur Reform der Altersvorsorge. Er sei sehr zufrieden, sagte Berset. «Wir brauchen in der Altersvorsorge eine Politik der Sicherheit», sagte Berset. Und die von der Ständeratskommission verabschiedete Altersreform garantiere diese Sicherheit. Mit den vorgeschlagenen Massnahmen könne das Rentenniveau auch in einer alternden Gesellschaft erhalten werden. Und das sei erfreulich. «Wer fast ein Leben lang arbeitet, soll auch künftig im Alter eine ausreichende und sichere Rente erhalten.»

Jetzt gelte es, die ausgewogene Reform transparent zu kommunizieren. Dann stellte er sich den Fragen aus dem Publikum. Er bestätigte, dass wirtschaftliche Unsicherheit, Frankenstärke und Negativzinsen erste und zweite Säule belasten, aber die Stabilität sei weiterhin gegeben; der Schweiz gehe es gut, auch im Vergleich mit andern Ländern. Er verneinte, dass die Reform die junge Generation noch mehr belaste – das Gegenteil sei der Fall, die Senkung des Umwandlungssatzes bremse die Umverteilung. Und obwohl die «Heiratsstrafe» immer noch nicht abgeschafft wird, riet Berset einem Fragesteller, sich deswegen nicht scheiden zu lassen. Verheiratete hätten andere Vorteile. Unter grossem Applaus verabschiedete sich Berset zum nächsten Termin.

Die Ständerätinnen übernehmen

Er tat dies aber nicht ohne seine beiden Nachreferentinnen in den höchsten Tönen zu loben. Sowohl Christine Egerszegi als auch Pascale Bruderer hätten wesentlich dazu beigetragen, dass die Reform nach 45-stündiger Beratung nun als Kompromiss vorliege.

Die beiden Ständerätinnen praktizierten sogleich aktives und arbeitsteiliges Teamwork: Pascale Bruderer erklärte, wie und warum sich die AHV verändern wird, Christine Egerszegi übernahm das für die 2. Säule. Und gemeinsam stellten sie sich danach den Fragen des Publikums. Sie sei persönlich auch für die Erhöhung des Rentenalters für Frauen von 64 auf 65 Jahre, sagte Bruderer. Eine Erhöhung des Rentenalters für Männer sei unrealistisch; der Arbeitsmarkt sei dazu nicht bereit. Bruderer gab offen zu, dass sie sich gewünscht hätte, dass es bei der AHV eine soziale Abfederung für kleine Einkommen gegeben hätte. Zufrieden ist sie, dass erstmals seit über 20 Jahren die AHV erhöht werden soll; 70 Franken pro Monat sollen es sein.

Christine Egerszegi ist zuversichtlich, dass die schrittweise Reduktion des Umwandlungssatzes von 6,8 auf 6,0 Prozent im Parlament und im Volk eine Chance hat. Denn es werde nicht nur genommen, mit der Erhöhung der AHV werde ein Ausgleich geschaffen. Diese Altersreform sei ein Kompromiss. Und ein Kompromiss sei immer ein Zeichen von Stärke.

«Sind unsere Renten sicher?» hiess der Titel der Veranstaltung. Man hatte den Eindruck, als gingen die vielen Wissbegierigen doch ziemlich beruhigt nach Hause.