Gerichtsentscheid
Bundesgericht stützt Obergericht: Vergewaltiger muss 4,5 Jahre hinter Gitter

Die Aargauer Justiz hat einen Mann zu Recht wegen Vergewaltigung zu 4,5 Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Er bestritt die Tat und behauptete, sein Opfer leide an einer Hirnkrankheit, es sei alles erfunden. Auch das Bundesgericht glaubte ihm nicht.

Urs-Peter Inderbitzin
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Dem Opfer wird geglaubt: Aargauer Vergewaltiger muss 4,5 Jahre hinter Gitter.

Dem Opfer wird geglaubt: Aargauer Vergewaltiger muss 4,5 Jahre hinter Gitter.

Keystone

Viereinhalb Jahre Haft sind gerechtfertigt für einen Aargauer Vergewaltiger. Das entschied nun das Bundesgericht und stützt damit einen Entscheid der Aargauer Obergerichts.

Das Obergericht des Kantons Aargau hatte den Mann anfangs Mai 2013 wegen mehrfachen sexuellen Handlungen mit einem Kind, mehrfacher Vergewaltigung und Hehlerei zu einer Freiheitsstrafe von viereinhalb Jahren verurteilt.

Es bestätigte damit einen Entscheid des Bezirksgerichts Bremgarten. Zudem wurde der Vergewaltiger verpflichtet, seinem Opfer ein Schmerzensgeld von 15 000 Franken zu bezahlen.

Eine gegen diese Verurteilung eingereichte Beschwerde des Mannes hat das Bundesgericht nun abgewiesen.

Der Mann hatte den Richtern in Lausanne weismachen wollen, das angebliche Vergewaltigungsopfer leide seit mehreren Jahren an einer degenerativen Hirnerkrankung.

Es sei deshalb unzulässig, ihn zu verurteilen, ohne die Aussagen des Opfers auf seine Glaubhaftigkeit zu überprüfen und ein entsprechendes Gutachten erstellen zu lassen.

Nach den Aussagen des heute 23-jährigen Vergewaltigungsopfers war die erste Vergewaltigung vor acht Jahren auf einer Damentoilette in einem Coop-Einkaufszentrum erfolgt.

Die zweite Vergewaltigung musste die Frau drei Jahre später im Alter von 18 Jahren in einem Motelzimmer über sich ergehen lassen.

Wie das Aargauer Obergericht in seinem Urteil festgestellt hat, sind die Schilderungen der Frau äusserst detailliert, in sich schlüssig und nachvollziehbar.

Der Tatablauf sei bei allen Einvernahmen beinahe identisch und stringent geschildert worden, ohne die Situation zu überzeichnen, das Geschehen zu dramatisieren oder den Täter unnötig zu belasten.

Den Vorfall in der Damentoilette frei zu erfinden, so das Aargauer Obergericht, setze eine erhebliche intellektuelle Leistung voraus, was angesichts der Hirnkrankheit der Frau kaum denkbar sei.

Für das Bundesgericht fallen diese Beweiswürdigungen und insbesondere die Analyse der Zeugenaussagen „umfassend und sorgfältig" sowie „authentisch und überzeugend" aus.

Auch die übrigen Einwendungen des Vergewaltigers, wie etwa die Behauptung, sein amtlicher Verteidiger sei offensichtlich überfordert gewesen, nützten nichts.

Das Bundesgericht konnte keine erheblichen Pflichtverletzungen des Verteidigers erkennen; vielmehr sei der Täter sachgemäss vertreten gewesen, heisst es im Urteil aus Lausanne.