Die Waadtländer Sektion der Studentenverbindung Zofingia ist im Jahre 1994 von der Universität Lausanne als universitäre Vereinigung anerkannt worden.

Eine Studentenverbindung ist ein Verband von Studenten, die Brauchtüme und Traditionen pflegt.

Die nur Männern zugängliche Studentenverbindung Zofingia behält ihre Anerkennung als universitäre Vereinigung der Universität Lausanne. Das Bundesgericht wies die Beschwerde der Universität am Freitag ab. Gemäss dem Urteil muss die verfassungsmässig garantierte Gleichberechtigung von Frau und Mann in den Hintergrund treten.

Die 1820 gegründete Studentenvereinigung Zofingia ist bis heute ein ausschliesslicher Männerklub. 1994 wurde die Waadtländer Sektion des Schweizerischen Zofingervereins von der Universität Lausanne zunächst trotzdem als universitäre Vereinigung anerkannt.

Dieser Status ist mit gewissen Privilegien verbunden. Anerkannte Gruppierungen dürfen Räumlichkeiten der Universität für Versammlungen nutzen und können sich auf der Internetseite der Universität präsentieren.

Anerkennung wurde 2011 entzogen

2011 entschied die Universität, der Zofingia die Anerkennung zu entziehen. Sie begründete dies im Wesentlichen damit, dass die Studentenverbindung nur Männer als Mitglieder aufnimmt, die Universität gemäss ihrer Charta aber verpflichtet sei, die Gleichheit von Frau und Mann zu fördern.

Das Kantonsgericht des Kantons Waadt hob den Ausschluss 2013 auf. Die Universität gelangte darauf ans Bundesgericht. Die II. öffentlich-rechtliche Abteilung des Bundesgerichts wies die Beschwerde der Universität in ihrer öffentlichen Beratung vom Freitag im Verhältnis von drei zu zwei ab.

Zofingia kann selber bestimmen

Gemäss dem Urteil hat die Zofingia als privater Verein das Recht, frei darüber zu bestimmen, wer bei ihr Mitglied sein darf. Ihr Entscheid, Frauen nicht aufzunehmen, könne sich auf das Grundrecht der Vereinigungsfreiheit stützen.

Gleichzeitig garantiert zwar Artikel 8 der Bundesverfassung die Gleichberechtigung von Frau und Mann. In der konkret vorliegenden Kollision von Grundrechten muss laut Bundesgericht aber die Garantie der Gleichberechtigung in den Hintergrund treten.

"Wenig fortschrittliches" Bild gezeigt

Es sei berechtigt, der Vereinigungsfreiheit den Vorzug zu geben, seien doch die Vorteile, welche die Universität den Vereinsmitgliedern bieten würden, sehr gering, sagte einer der Richter. Ausserdem existierten zahlreiche Vereine, die nicht beiden Geschlechtern offen stünden, seien es Männerchöre oder Organisationen von lesbischen Frauen, wurde weiter argumentiert.

Nicht einverstanden mit diesen Argumenten zeigten sich die beiden unterlegenen Richter, darunter die Bundesrichterin Florence Aubry Girardin. In ihren Augen muss eine Universität die Freiheit haben, eine Vereinigung nicht zu anerkennen, welche Frauen den Zugang verweigert.

Die Ablehnung des Rekurses verletzte die Autonomie der Universität Lausanne. "Mit diesem Entscheid zeigt man ein wenig fortschrittliches Bild des Bundesgerichts", bedauerte Aubry Girardin. (sda)