Bundesgericht
Bundesgericht bestätigt Haft: «Charmante» Frau knöpfte Rentner 400000 Franken ab

Mit ihrem österreichischen Charme hat eine heute 41-jährige Frau einem Rentner aus dem Aargau mehr als 400 000 Franken abgeknöpft. Jetzt muss die Österreicherin definitiv 18 Monate hinter Gitter. Dies geht aus einem Urteil des Bundesgerichts hervor.

Urs-Peter Inderbitzin
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Bundesgericht bestätigt Haftstrafe von 18 Monaten

Bundesgericht bestätigt Haftstrafe von 18 Monaten

Keystone

Mit ihrem österreichischen Charme hat eine heute 41-jährige Frau einem Rentner aus dem Aargau mehr als 400 000 Franken abgeknöpft. Jetzt muss die Österreicherin definitiv 18 Monate hinter Gitter.

Vor bald 14 Jahren, im April 2000, sprach eine damals 27-jährige Österreicherin in einem Restaurant einen ihr unbekannten Rentner an.

Der betagte, gutmütige Senior und die Österreicherin blieben während Jahren in Kontakt, nicht zum Nachteil der Frau.

Die Österreicherin erzählte dem Rentner wahrheitswidrig, sie brauche für bevorstehende Operationen, Mietvertragsabschlüssen, Versicherungsprämien Geld.

Ferner spielte sie ihm Zuneigung vor und erweckte wiederholt den Eindruck, zwischen ihnen bestehe eine tiefgründige Freundschaft, die sich weiter entwickeln könnte. Zweimal war das Paar auch intim.

Rentner ausgenommen

Das Obergericht des Kantons Aargau befand, die Österreicherin sei an der Bekanntschaft nur interessiert gewesen, weil ihr der Rentner relativ unkritisch mehrfach hohe Geldbeträge übergeben habe.

Der Rentner bezahlte auch Rechnungen der Frau oder kaufte ihr Kleider und andere Gegenstände. Insgesamt luchste die Frau dem Rentner zwischen 2004 und 2009 mehr als 400 000 Franken ab.

Für das Obergericht war klar: Die Österreicherin hatte ein Lügengebäude aufgebaut, um den Rentner auszunehmen.

Es verurteilte die Österreicherin im letzten Sommer wegen gewerbsmässigen Betrugs - und weiterer Delikte - zu einer Freiheitsstrafe von 3 Jahren. Es schob den Vollzug der Strafe im Umfange von 18 Monaten auf, so dass die Frau 18 Monate abzusitzen hat.

Bloss einfache Lügen

In ihrer Beschwerde ans Bundesgericht warf die Österreicherin dem Obergericht vor, sie zu Unrecht wegen Betruges verurteilt zu haben.

Sie habe keine arglistige Täuschung begannen; vielmehr seien die falschen Angaben zum Verwendungszweck der Gelder als einfache Lüge zu qualifizieren.

Zudem habe ihr der Rentner, mit dem sie ein freundschaftliches Verhältnis verbunden habe, das Geld freiwillig gegeben.

Und das selbst dann noch, als er gewusst habe, dass sie sie ihn bei früheren Zuwendungen belogen habe. Schliesslich habe der Rentner gar keinen Vermögensschaden erlitten, da er auf die Rückgabe des Geldes verzichtet habe; er habe immer gewusst, dass sie das Geld nicht zurückzahlen könne.

Fragwürdiges Lebenshaltungskonzept

Das Bundesgericht hat die Verurteilung wegen gewerbsmässigen Betruges geschützt. Das Lebenshaltungskonzept der Österreicherin habe darin bestanden, systematisch das Vermögen von betagten Personen zu plündern.

Mit einem Netz von Unwahrheiten, welches der Rentner nicht zu durchschauen vermochte, habe die Österreicherin ihr Opfer arglistig getäuscht und damit durchaus den Betrugstatbestand erfüllt.

Auch die Verurteilung zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren, wovon 18 Monate teilbedingt, erachtete das Bundesgericht als angemessen.