Vor zwei Jahren beschloss der Grosse Rat, ein Standortkonzept für regionale Grossunterkünfte zu erarbeiten. Geplant waren vier bis fünf Objekte, die bis ins Jahr 2026 realisiert werden sollten. 

Wie die Staatskanzlei am Dienstagmorgen bekannt gab, soll jetzt jedoch nur eine Unterkunft realisiert werden. Der Grund: "Ausschlaggebend für diese Anpassung ist eine markante Reduktion der vom Bund in Aussicht gestellte Mittel."

Ursprünglich habe der Bund Gelder in der Höhe von 49,5 Millionen Franken zur Verfügung gestellt, mit einer Amortisationsdauer von 30 Jahren. Im Mai 2017 wurden diese Investitionsmittel gekürzt, auf 12 Millionen Franken mit einer Amortisationsdauer von 20 Jahren.

Ist eine Asyl-Grossunterkunft im Aargau genug?

Ist eine Asyl-Grossunterkunft im Aargau genug?

Die Aargauer Regierung plant anstelle von vier bis fünf Asyl-Grossunterkünften nur noch eine. Das, weil der Bund die finanzielle Unterstützung kürze.

Von fünf auf eine Grossunterkunft zu reduzieren, ist für die zuständige Regierungsrätin Franziska Roth (Departement Gesundheit und Soziales) eine "pragmatische Lösung", wie es in der Mitteilung heisst. "Auf diese Weise können wir Erfahrungen sammeln, zum Beispiel in den Bereichen Betrieb, Betreuung oder Immobilienstandards." Die Standortsuche für die Pilotunterkunft soll durch den Kanton erfolgen.

Renate Gautschy, Präsidentin der Aargauer Gemeindeammänner-Vereinigung, betont auf Anfrage der az die Vorteile einer Pilot-Grossunterkunft: "Korrekturen müssen nur an einem Ort gemacht werden und nicht an fünf." Auch dass der Kanton den Standort des Heims evaluiert, ist für Gautschy kein Problem: "Das Konzept wird vom Kanton eröffnet. Wir haben aber eine gute Diskussionsbasis und können mitreden." 

Grösstes Zentrum des Kantons in Planung

Laut Regierungssprecher Peter Buri hält der Regierungsrat weiterhin am ursprünglichen Konzept von vier bis fünf Grossunterkünften fest. "Dass vorerst nur eine Unterkunft realisiert wird, hat den Vorteil, dass man Erfahrungen sammeln kann. Permanente Grossunterkünfte mit einer Kapazität von 150 bis 300 Plätzen gibt es im Aargau bisher nicht", so Buri. " Mit der Pilotunterkunft können zum Beispiel Erkenntnisse zu Sicherheitsmassnahmen, Betriebs - und Betreuungskonzepten sowie zu schulischen Themen gewonnen werden."

Momentan wird diskutiert, wie man die Suche nach einem geeigneten Standort für die Grossunterkunft durchführen soll. Standortvorschläge gibt es laut Buri noch keine. 

Neues Bundesasylzentrum in Abklärung

Bis Ende November sollen dem Regierungsrat zudem die nötigen Abklärungen für ein mögliches Bundesasylzentrum zur Verfügung stehen. Es soll geprüft werden, welche Auswirkungen das Schaffen eines Ausreisezentrums für Asylsuchende haben würde. Bei einer Kapazität von 250 Plätzen würden dem Kanton 166 Plätze an die Aufnahmepflicht angerechnet werden.

Zudem müssten die Bewohner die Schweiz rasch wieder verlassen, würden also keine Sozialkosten verursachen. Andererseits wäre der Aargau für die Ausschaffungen zuständig und kantonale Gerichte müssten Beschwerden gegen negative Asylentscheide behandeln. Deshalb lässt der Regierungsrats untersuchen, ob ein Bundesasylzentrum im Aargau für den Kanton unter dem Strich mehr Vor- oder mehr Nachteile bringt

Normalerweise werden Flüchtlinge mit Status N (Asylverfahren) in kantonalen Unterkünften untergebracht und vorläufig Aufgenommene (Status F) in Gemeinden aufgenommen. Um ihre vorhandenen Unterkünfte besser auszulasten, sind viele Gemeinden jedoch daran interessiert, auch Personen mit Status N aufzunehmen.

Für junge Asylsuchende habe man ausserdem neue Integrationsprogramme erarbeitet. Für 16- bis 21-Jährige seien Vorbereitungsmöglichkeiten auf die berufliche Grundausbildung geschaffen worden. 22- bis 25-Jährige können eine einjährige Integrationsvorlehre absolvieren, sofern sie bereits über eine Vorbildung verfügen.