Sorgenbarometer

Bürokratie bereitet Aargauer Unternehmen am meisten Sorgen

Aargauer Unternehmer beklagen sich über zu viele Vorschriften und zu wenig günstige Bankkredite. Das ergibt eine Umfrage des Aargauischen Gewerbeverbandes, die am Neujahrsapéro in Aarau vorgestellt wurde.

Wissenschaftliche Kriterien erfüllt die Umfrage nicht, die der Aargauische Gewerbeverband (AGV) halbjährlich via seine Sektionen bei den Unternehmen des Kantons durchführt. «Diesen Anspruch haben wir auch nicht», sagt AGV-Geschäftsführer Peter Fröhlich. Die Umfrage sei lediglich «ein Temperaturmesser».

Am Mittwoch präsentierte Verbandspräsident Kurt Schmid die aktuellsten Zahlen vor über 700 Gästen am Neujahrsapéro im Aarauer Kultur- und Kongresshaus. Und so viel vorneweg: fiebrig fühlt sich die Aargauer Wirtschaft nicht. Trotz anhaltender Euroschwäche scheint sie auf Normaltemperatur zu laufen. Die aktuelle Auftragslage etwa wird von den Unternehmen als fast gleich gut beurteilt wie kurz vor der Aufhebung der Euro-Untergrenze Anfang 2015. Und für das kommende Jahr rechnen sie mit einer unveränderten Auftragslage: Note 3,7 auf einer Skala von 1 bis 6.

Eine Verschlechterung des wirtschaftlichen Umfelds spiegelt sich jedoch im Sorgenbarometer. 63 Prozent der Befragten beklagen zu hohe Kosten im Vergleich zur internationalen Konkurrenz. Vor einem Jahr teilten diese Sorge nur 39 Prozent der Befragten. Darüber rangieren auf dem Barometer zwei vom Frankenkurs unabhängige Probleme: Zu wenig Fachpersonal, Ende 2014 noch die Sorge Nummer eins, treibt aktuell zwei von drei Unternehmer um. Auf die Spitzenposition ist mit 72 Prozent derweil die Sorge vor zu viel administrativem Aufwand und zu vielen Vorschriften geklettert.

Kredite so günstig wie nie

Auffallend: 28 Prozent der Befragten – und somit 7 Prozent mehr als im Vorjahr – beklagen sich über zu wenig (günstige) Bankkredite. Eine Einschätzung, die von Bankenseite nicht ganz geteilt wird. Peter Bühlmann, CEO des Mit-Veranstalters NAB, bezeichnete das Tiefzinsumfeld als Chance: Noch nie sei es so günstig gewesen, Investitionen mit Fremdkapital zu finanzieren – «aber nur 40 Prozent aller KMU sehen Bankkredite als wichtiges Finanzierungsinstrument». Seit 2009, so Bühlmann, hätten nur zirka 30 Prozent der Schweizer KMU das Tiefzinsumfeld für zusätzliche Investitionen genutzt.

Vielleicht bot sich am anschliessenden Apéro mit Dreikönigskuchen ja die Möglichkeit, diese Zahl etwas nach oben zu schrauben.

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