Fleischskandal

Bündner Fleischhändler Carna Grischa lieferte auch in den Aargau

Das Logo des Bündner Fleischhändlers Carna Grischa

Das Logo des Bündner Fleischhändlers Carna Grischa

Der Bündner Fleischhändler Carna Grischa hat Fleisch falsch deklariert und belieferte auch Kunden im Aargau. Ein Geschäftsführer einer Brugger Trattoria hat die Zusammenarbeit aber vorzeitig beendet – in seinen Augen stimmte was nicht.

«Der Verwaltungsrat hat als sofortige Massnahme entschieden, die Qualitätskontrolle zu verstärken, um ähnliche Vorfälle mit Sicherheit ausschliessen zu können», schreibt Carna Grischa auf ihrer Homepage. Bei einigen Geschäftspartnern kam das Beruhigungsschreiben zu spät. Nicht nur Kunden, auch Lieferanten des Bündner Fleischhändlers sind verärgert.

Bell zum Beispiel hat ein Lieferstopp eingeführt, bis die Vorwürfe geklärt sind. Auch andere Lieferanten aus dem Kanton Bern und der Nordwestschweiz haben sich laut «Tages-Anzeiger» für einen sofortigen Stopp entschieden. Zu gross scheint die Angst vor einem Imageverlust. Die Vorwürfe gegen Carna Grischa sind happig: Verfalldaten gefälscht, Herkunft des Fleisches falsch deklariert.

Beim Berufsverband Gastro Aargau hat man absolut kein Verständnis. Vizepräsident Bruno Lustenberger betont: «Sollte sich der Fall bewahrheiten, wäre der Imageschaden enorm.» 

Vittorio Timpano, Geschäftsführer von der Trattoria in Brugg, war ein Kunde von Carna Grischa. «Ich habe ab und zu Rind und Schwein bei der Firma bestellt. Vor einem Jahr bemerkte ich, dass etwas nicht stimmen könne und beendete die Zusammenarbeit», so Vittorio Timpano rückblickend. Er könne sich gut vorstellen, dass er bei weitem nicht der Einzige in der Region gewesen sei, der bei Carna Grischa Fleisch bestellt habe, so der Wirt.

Auch in der Region Lenzburg hat ein Hotel-Restaurant mit Carna Grischa zusammengearbeitet. Er habe explizit als ausländisches Fleisch deklarierte Lebensmittel bezogen, die Qualität habe immer gestimmt, sagt der Zuständige, der nicht mit Namen hinstehen möchte. Auch bei ihm scheint die Angst vor einem kolateralen Imageschaden zu gross. Auch wenn der Betrieb aus der Region Lenzburg den Bündner Fleischhändler in Schutz nimmt – mittlerweile bestellt auch er nicht mehr bei Carna Grischa. 

Kein Mitglied des SFF

Kunden von Carna Grischa sind unter anderem Zulieferer von Kantinen und Cateringservices. Die bekannte Aargauer Catering-Metzg Rufer dagegen ist definitiv nicht betroffen vom Fleischskandal. Die Metzgerei kennt die Bauern, die ihr das Fleisch liefern. Geschlachtet wird es anschliessend in der eigenen Metzgerei. Metzgermeister Werner Rufer erklärt: «Wir beziehen nur wenig Fleisch von einem Grosslieferanten. Nämlich das Rohmaterial für die Würste, da wir sonst mit der Produktion nicht nachkommen würden. Ich habe Vertrauen in den Lieferanten, da er Mitglied beim Schweizer Fleisch-Fachverband ist.»

Der Schweizer Fleisch-Fachverband (SFF) betont, wie gross der Imageschaden für die Fleischwirtschaft sei, unabhängig davon, ob sich die Vorfälle gegenüber Carna Grischa bewahrheiten. Der SFF betont aber, dass Carna Grischa kein Mitglied des Verbandes sei. Auf Anfrage, wie man bei Carna Grischa das Vertrauen der Kunden zurückgewinnen wolle, teilt Kommunikationsexperte Jürg Wildberger mit: «Unabhängige Experten werden sich mit der Klärung der Vorfälle beschäftigen.» Der Betrieb laufe in der Zwischenzeit ganz normal weiter.

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