Beschneidung

Bubenbeschneidung ist für die Aargauer Regierung akzeptabel

Die Religionsfreiheit wird bei der Beschneidung nicht über das Recht auf Unversehrtheit gestellt, findet der Regierungsrat.

Die Religionsfreiheit wird bei der Beschneidung nicht über das Recht auf Unversehrtheit gestellt, findet der Regierungsrat.

Die Aargauer Regierung hat nichts gegen die Beschneidung von Knaben aus religiösen Gründen. Sie findet: Die rituelle Beschneidung kann als Teil der Religionsfreiheit akzeptiert werden, weil sie die persönliche Integrität nicht schwer verletze.

Das Thema schwappte im Sommer aus Deutschland auf die Schweiz über, nachdem ein Kölner Gericht die Entfernung der Vorhaut bei Knaben als Körperletzung eingestuft hatte.

Das Zürcher Kinderspital beschloss darauf, vorübergehend keine Beschneidungen aus religiösen Gründen mehr vorzunehmen, und schnell wurde das Thema auch zum Politikum im Aargau. Grossrat René Kunz von den Schweizer Demokraten erhob sich zum Anwalt der Kinderrechte und des Rechts auf Unversehrtheit. Die Beschneidung von gesunden Knaben aus religiösen Gründen sei «ein unhaltbarer Eingriff», so Kunz. Er forderte daher den Regierungsrat auf, sich in aller Form von dieser Praxis zu distanzieren.

Teil der Religionsfreiheit

Der Regierungsrat sieht die Sache aber gelassener. Er vertrete die Auffassung, dass die rituelle Beschneidung von Knaben als Teil der Religionsfreiheit wegen der «sehr geringen» Auswirkungen auf die persönliche Integrität akzeptiert werden kann, hält der Regierungsrat in seiner Stellungnahme zum Vorstoss des Schweizer Demokraten zusammenfassend fest.

Das Zürcher Kinderspital hat seinen Entscheid, den Eingriff aus rein religiösen Gründen ohne weitere Indikationen zu verweigern, inzwischen wieder rückgängig gemacht. Im Aargau ist die religiöse Beschneidung nicht gerade an der Tagesordnung, aber auch keine ausgesprochene Seltenheit: Zwischen 2009 und 2011 wurden in aargauischen Spitälern insgesamt 727 Beschneidungen an Knaben durchgeführt, davon waren nur 40, also 5,5 Prozent, religiös bedingt.

Geringfügige Auswirkungen

Die strafrechtliche Beurteilung des Eingriffs ohne medizinische Notwendigkeit, die Frage, ob die Eltern an Stelle des urteilsunfähigen Kindes in den Eingriff einwilligen können, bleibt umstritten. In seinem Positionsbezug konzentriert sich der Regierungsrat mehr auf die Frage, ob mit der Tolerierung der religiösen Beschneidung das Grundrecht der Religionsfreiheit über das Grundrecht auf Unversehrtheit gestellt wird. Seiner Meinung nach ist dies «angesichts der Geringfügigkeit der Auswirkungen» nicht der Fall.

Von der WHO empfohlen

In der Stellungnahme wird auf die «teilweise positiven gesundheitlichen Auswirkungen» verwiesen. In medizinischer Hinsicht würden beschnittenen Knaben zumindest keine Nachteile erwachsen. Der Regierungsrat weist auf die zum Beispiel in den USA weit verbreitete Beschneidung auch nicht-jüdischer und nicht-muslimischer Knaben aus hygienischen Gründen hin. Und auf die Haltung der Weltgesundheitsorganisation WHO: Sie empfiehlt die Beschneidung sogar zur Aids-Prophylaxe.

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