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Brunnenreinigung mit Nanotechnik? Nach zehn Jahren greift man wieder zu Besen und Bürsteli

Ein Unternehmer versprach vor 10 Jahren, auf Basis der Nanotechnologie könne man Brunnen ohne Chemie und Schadstoffe reinigen. (Symbolbild)

Vor bald zehn Jahren testeten verschiedene Gemeinden ein nanotechnisches Verfahren, um Brunnen sauber zu halten. Der Erfolg blieb aus.

«Darauf haben die Brunnenmeister in den Dörfern und Städten wohl seit Jahrzehnten gewartet: Auf ein Mittel, das ohne Chemie oder andere Schadstoffe das Wasser in öffentlichen Brunnen sauber hält.» Mit diesen Worten beginnt ein AZ-Artikel aus dem Jahr 2010. Ein Unternehmer versprach damals, auf Basis der Nanotechnologie könne man das Problem jetzt lösen. Eine hauchdünne Sprühschicht von acht bis 15 Nanometer Titandioxid genüge, und die Brunnen blieben sauber. Der Unternehmer rechnete damals mit zahllosen Aufträgen, weil die Gemeinden mit der Selbstreinigung viel Aufwand und Geld sparen könnten.

Positive erste Rückmeldungen

Auch verschiedene Aargauer Gemeinden glaubten an den Erfolg der Nanotechnik und liessen die Wände ihrer Brunnen versuchsweise mit Titandioxid besprühen. Beim Stadtbauamt Brugg war die Freude gross: «Das Wasser ist tatsächlich sauber geblieben, seit dem Frühjahr mussten wir die Brunnen nicht reinigen.» Auch in Seon hoffte der damalige Strassenmeister darauf, sich künftig die aufwendigen Reinigungsarbeiten sparen zu können: «Wenn es funktioniert, kommen die anderen Brunnen dazu», stellte er in Aussicht.

Es blieb beim Versuch

Fast zehn Jahre später tönt es aus den angefragten Gemeinden ganz anders: Seon hat sich nach dem Versuch wieder von der Nanotechnik verabschiedet. «Wir reinigen unsere Brunnen von Hand mit Besen und Bürsteli», sagt Michael Würgler, der Leiter des Werkdiensts. Gleich tönt es aus Staufen: Günther Heiniger vom Bauamt sagt, das Mittel sei in Staufen zwar vorgestellt, aber gar nie eingesetzt worden. «Es war viel zu teuer.» Die Brunnen im Dorf würden nach wie vor von Hand gereinigt.

Auch in Brugg kam es nicht zum Durchbruch: «Das Verfahren wird wegen ausbleibendem Langzeiterfolg nicht mehr verwendet», sagt Bernhard Barmet, Projektleiter Umwelt und Energie. Die Brunnen müssten wegen Littering sowieso periodisch gereinigt werden. «Das fällt ungefähr mit dem Wachstumsrhythmus der Algen zusammen», sagt Bernhard Barmet.

Eine E-Mail-Anfrage der AZ an den Unternehmer lief ins Leere.

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