Die Revolution ist nicht mehr ganz druckfrisch: 3-D-Printer haben längst zur Eroberung der Bastelkeller angesetzt. Sogar der Kaffeehändler Tchibo hat neu ein Exemplar im Angebot, für 499 Euro. Mag alles sein — «aber im Prinzip kann man damit nur Spielzeug drucken», sagt Dominik Solenicki. Gemeinsam mit seinen Kollegen Christian von Burg und Joscha Zeltner will er deshalb die zweite Stufe der Revolution zünden: Den SLS-Drucker für den Heimgebrauch.

Während herkömmliche 3-D-Printer einen Gegenstand schichtweise aus einem schmelzfähigen Kunststoff «aufspritzen», wird bei diesem Verfahren mit einem Laserstrahl pulverförmiger Kunststoff geschmolzen. Das Resultat: Stabilere Gegenstände und mehr Gestaltungsfreiheit. Denn mit SLS-Printern können beliebige Formen und auch nicht zusammenhängende Gegenstände gedruckt werden, zum Beispiel aufeinandergeschichtete Becher.

Während im Internet noch darüber diskutiert wurde, ob es in absehbarer Zukunft möglich sein wird, einen SLS-Printer für den Heimgebrauch zu konstruieren, druckten die drei Elektroingenieure an der Hochschule für Technik in Windisch bereits ihre ersten Starwars-Figuren. Ihr Trick: Statt des in industriellen SLS-Printern gängigen CO2-Lasers verwenden sie eine billigere Laser-Diode.

Da diese sichtbares Licht abstrahlt, kann der Drucker kein weisses Pulver schmelzen, da sichtbares Licht von einer weissen Oberfläche reflektiert wird. «Wir greifen aber auch nicht den Markt der industriellen SLS-Printer an», erklärt von Burg. Diese sind erst ab einem sechsstelligen Betrag zu haben — und kommen in Schrankgrösse daher.

Der Sintratec hingegen ähnelt mit seiner Höhe von 55 Zentimetern eher einem Mikrowellenofen. Unterdessen sind die drei Tüftler mit dem Prototypen unter den Geleisen hindurch nach Brugg in den Technopark gezogen — von wo aus sie mit Unterstützung des Technoparkes und des Hightech Zentrums, das die Jungunternehmer unter anderem in Patentfragen beraten hat, die Welt erobern wollen.

40 Exemplare zu einem Preis von ab 4000 Dollar haben sie über die Crowdfunding-Website Indiegogo bereits verkauft. Im nächsten Sommer werden sie ausgeliefert, hauptsächlich in die USA, nach Deutschland und in die Schweiz.

«In fünf Jahren wollen wir Weltmarktführer im professionellen Desktop-3-D-Druck sein», sagt Solenicki. Tönt ambitioniert. Aber zumindest heute ist Sintratec noch ziemlich alleine auf weiter Flur. Nachdem die Patente für das Printverfahren dieses Jahr ausliefen, wurde über einen SLS-Boom spekuliert. «Wir hatten Angst, dass massenhaft Firmen in den Markt drängen würden», sagt Solenicki. «Bis jetzt ist aber nicht viel passiert.»

An der Nachfrage, ist er überzeugt, wird es nicht mangeln. Kurzfristig sei der Drucker vor allem für KMU interessant. So ist unter den Sintratec-Käufern der ersten Stunde ein Optiker, der damit neue Brillenmodelle lancieren will. Damit 3-D-Drucker für den Durchschnittsverbraucher interessant werden braucht es wohl noch eine dritte Revolution, nämlich die Möglichkeit, verschiedene Materialien zu kombinieren.

«Dann könnte man zum Beispiel eine Fernbedienung ausdrucken», so von Burg. Auch wenn sie das «SLS-Rätsel» geknackt haben: Langweilig wird es den Jungingenieuren also auch in Zukunft nicht werden.