Die Schweizer Armee sieht man nicht mehr oft ausserhalb der Kasernen und Truppenübungsplätze. Zu gross ist der Respekt vor Übungen im dicht besiedelten, urbanen Mittelland.

Derzeit allerdings wagt wieder einmal ein grösserer Verband eine Volltruppenübung. Das Panzerbataillon 13 trainiert in der dritten WK-Woche in den Kantonen Aargau, Luzern, Solothurn, Thurgau und Zürich verschiedene Einsätze, darunter den Kampf im urbanen Raum.

Es stehen rund 2500 Wehrmänner mit 60 Raupen- und 400 Pneufahrzeugen im Einsatz. Hauptziel der Übung ist das Trainieren des Zusammenspiels von Einsatz- und Unterstützungstruppen.

Die Schweizer Armee trainiert den Kampf in urbanem Gebiet - mit einer Aarequerung über eine Schwimmbrücke.

Von Luterbach ins Fricktal

Höhepunkt der Verschiebung am Montag von Luterbach SO über die Staffelegg ins Fricktal war eine vorherige Aarequerung in Wildegg über eine Schwimmbrücke. Gesichert wurde das dortige Gelände mit allwettertauglichen, radargesteuerten Fliegerabwehrgeschützen. Diese hatten gegen angreifende Pilatus Porter und Super Pumas einiges zu tun. Sobald der Luftraum als gesichert galt, konnten die Pontoniere die Schwimmbrücke errichten.

Zahlreiche Vertreter von Politik und Militär sowie viele Zaungäste beobachteten am Nachmittag in Wildegg die Vorbereitung der Aarequerung und diese selbst.

Für Grossrats-Vizepräsident Markus Dieth zeigt die Übung: «Ohne Luftschirm bewegt sich nichts.» Dieth zur Übung selbst: «So spürt und sieht auch die Bevölkerung die Armee wieder einmal.»

Letztmals im Jahr 2006

Letztmals war ein Panzerbataillon auf diese Weise 2006 übergesetzt worden. Höchste Zeit also, wieder einmal zu testen, ob das Zusammenspiel funktioniert.

Tatsächlich staunten in Wildegg viele ob der Geschwindigkeit und Präzision, mit der die beiden Schwimmbrückenelemente zusammengefügt wurden. Erst recht angesichts des hohen Wasserstandes und der Fliessgeschwindigkeit von 2,5 Metern pro Sekunde.

Standen da lauter Profis im Einsatz? Ronny Eggenberger, Kommandant des Pontonierbataillons 26, das erst in der zweiten WK-Woche steckt, verneint gegenüber der az: «Wir haben Leute querbeet aus vielen Bereichen wie Strassenbauer, Akademiker, Lastwagenchauffeure usw. Die meisten sind aber in einem Pontonierfahrverein.»

Die frühere Aargauer Grossratspräsidentin Vreni Friker zeigte sich beeindruckt: «Das gute Zusammenspiel zeigt, dass die Wehrmänner in der Armee für ihre Aufgaben gut ausgebildet werden.»

Sie ist überzeugt, dass sie von diesen Kenntnissen selbst auch profitieren. Einen «sehr professionellen Eindruck» hinterliessen die Pontoniere auch beim Aargauer Polizeikommandanten Michael Leupold: «Es ist die Stärke der Miliz, dass es in jedem Verband Spezialisten für alle möglichen Probleme gibt. Sie sind es vom Zivilberuf her zudem gewohnt, Probleme selbstständig anzugehen und zu lösen.»

Dem Aargauer Nationalrat Beat Flach, Mitglied der Sicherheitspolitischen Kommission, gefiel, «wie zielgerichtet, ruhig und besonnen gearbeitet wurde».

Zufrieden zeigte sich in einer Zwischenbilanz gegenüber der az Willy Brülisauer, Übungsleiter und Kommandant der Panzerbrigade 11, deren Bataillon 26 schliesslich mit dem Verkehr im Mittelland geschuldeter Verspätung übersetzte. Weniger Freude hatten wohl etliche Automobilisten im Raum Wildegg, löste die militärische Kolonne doch einen grösseren Rückstau aus.

Gelegenheit zum Üben nutzen

Brülisauer ist überzeugt: Die Wehrmänner von heute sind genauso gut wie früher, aber ihnen fehle Erfahrung. Deshalb nutze man jede Gelegenheit zum Üben. Die Steuerzahler geben jährlich 5 Milliarden Franken für die Armee aus. «Sie haben das Recht», so Brülisauer, «zu sehen, was die Wehrmänner dort lernen und leisten und was die Armee mit dem Geld macht.»