Mehr als sechs Jahre sind seit dem deutlichen Volks-Ja zur Umfahrung Mellingen ins Land gezogen. Kein Bagger ist seither aufgefahren. Die Umweltverbände WWF und VCS wehren sich gegen das Projekt. Aufgrund eines Gerichtsentscheids legt die Regierung dem Grossen Rat jetzt eine Richtplanänderung vor. Die wird nötig, um das Brückenprojekt aufgrund der Einwendungen der Umweltverbände anzupassen. Bekannt ist aber schon, dass diese die Anpassungen als klar ungenügend taxieren.

Sie verlangen die Prüfung einer Tunnelvariante. Im Sommer wurde via AZ bekannt, dass das Baudepartement eine entsprechende Vorstudie hat erarbeiten lassen. Im besten Fall könnte ein Tunnel 2030 in Betrieb gehen. Das schreckte CVP-Grossrätin Marianne Binder auf. Sie fragte die Regierung, wie lange die alte Reussbrücke dem Verkehr noch standhalte: «Sieht die Regierung hier Handlungsbedarf?»

Jetzt wissen wir: Ja, das tut sie. Sie antwortet Binder: «Aufgrund des schadhaften Zustands der Reussbrücke sollte in den nächsten fünf Jahren eine gesamtheitliche Instandsetzung der Brücke vorgenommen werden.» Die Tragsicherheit für aktuelle Verkehrslasten sei gemäss der statischen Nachrechnung aus dem Jahr 2004 gewährleistet.

Die Restnutzungsdauer hänge stark von der Ermüdungssicherheit, dem Zustand des Tragwerks und dem angesetzten Verkehrslastmodell ab. Sie lasse sich erst nach der noch laufenden Überprüfung bestimmen. Generell könne für tiefere Verkehrslasten (zum Beispiel Lastbeschränkung Schwerverkehr) von einer längeren Restnutzungsdauer als für eine Nutzung ohne Einschränkungen ausgegangen werden. Sie stellt aufgrund der laufenden Zustandsuntersuchung in Aussicht, bis Ende Jahr liege ein Massnahmenkonzept vor, welches eine fundierte Beantwortung dieser Frage zulassen werde.

Bedeutet dies bald eine Sperrung?

Doch was bedeutet das? Gibt es womöglich bald eine sanierungsbedingte (Teil-)Sperrung der Brücke, bevor die Umfahrung besteht? Kantonsingenieur Rolf H. Meier winkt ab: «Wir nehmen keine baulichen Sanierungen vor, die eine Verkehrsbeschränkung beinhalten würden, bevor die neue Brücke in Betrieb ist – höchstens kleine betriebliche Massnahmen im normalen Betrieb».

Regierung will jetziges Projekt

Laut Baudepartement wäre eine Tunnellösung unter der Reuss durch technisch machbar, käme aber rund 75 Millionen Franken teurer als die Brücke. Auch dazu wollte Binder mehr wissen. In ihrer Antwort listet die Regierung Nachteile der Tunnelvariante auf. Nötig würden Bauten und Einbauten im Grundwasser. Mit bis 10 Prozent Längsneigung könne man das maximal zulässige Längsgefälle von 5 Prozent gemäss Tunnelnorm nicht einhalten. Es bräuchte zusätzliche Bauten wie Betriebszentrale, Abwasserpumpwerk etc. Die Betriebskosten wären mit einer halben Million Franken pro Jahr deutlich höher als bei einer Brücke.

Die Nachteile bestärkten sie darin, das bestehende Projekt mit seinen beiden Abschnitten möglichst schnell umzusetzen, schreibt sie deshalb. Es habe klar das beste Kosten-Nutzen-Verhältnis. Zudem sei der Volkswille dafür klar ausgewiesen. Das Verfahren mit einem neuen Projekt (der Tunnel wäre so eins) würde sieben bis zehn Jahre dauern.