Die Geschichte des Jugendparlaments beginnt mit einem Erfolg: Über 100 Jugendliche nehmen 1998 an der Jugendsession in Aarau teil. Ein Anlass, aus dem zwei Jahre später das Jugendparlament entstehen sollte. Daran dachten der heutige SP-Grossratsfraktionspräsident Dieter Egli und seine Mitstreiter allerdings nicht, als sie die erste Session für Jugendliche im Aargau organisierten. Geplant war eine einmalige Veranstaltung zum Jubiläum 200 Jahre Helvetische Republik. Doch der Anlass zog so viele Politikinteressierte an, dass schon bald ein anderes Ziel feststand: Die Aargauer Jugend sollte ein eigenes Parlament erhalten.

Für Egli selbst, damals 28 Jahre alt, kam das neue Angebot zu spät. «Hätte es schon früher ein Jugendparlament gegeben, hätte ich mich dort sicher engagiert.» Dieses spiele bis heute eine wichtige Rolle, um bei Jugendlichen das Interesse an kantonalen Politthemen zu wecken. Dieter Egli hat den Einstieg in die Politik trotzdem geschafft – über Jugendverbände und den Einwohnerrat Windisch. Mittlerweile ist er seit zwölf Jahren Mitglied des Grossen Rats. In dieser Funktion sass er bis vor kurzem im Jugendparlament-Beirat, ein beratendes Organ, dessen Mitglieder auch schon Vorstösse der Jugendlichen in den Grossen Rat gebracht haben.

Die erste Sitzung des Jugendparlaments, damals noch als Juvenat, fand im März 2000 statt – unter der Leitung von Thierry Burkart. Der FDP-Nationalrat stand als Gründungspräsident im Einsatz. Die erste Session sei der Höhepunkt von zwei Jahren Arbeit gewesen. Burkart leitete die Arbeitsgruppe zum Aufbau des Jugendparlaments, erarbeitete Statuten, verhandelte mit Regierungsrat und Verwaltung, stellte Gesuche um Gelder aus dem Lotteriefonds – für ihn wertvolle Erfahrungen. Im Rückblick sagt Burkart: «Das war einer der Grundsteine für meine politische Tätigkeit.» Die Institution habe bis heute nichts an Aktualität eingebüsst, umso mehr freut sich Burkart, dass sich noch immer Jugendliche dafür engagieren. «Ich hätte nicht erwartet, dass das Jugendparlament über all die Jahre Bestand hat. Das macht mich stolz.»

«Debatten von hoher Qualität»

Ein anderes Gründungsmitglied legte ebenfalls eine steile politische Karriere hin: SP-Ständerätin Pascale Bruderer. Die damalige Badener Einwohnerrätin wurde vom Gründungsteam angefragt, weil dieses die Erfahrungen der bereits aktiven jungen Parlamentarierinnen einbeziehen wollte. Bruderer ist nach wie vor von der Idee des Jugendparlaments überzeugt. «Ein perfekter Ort, um parlamentarische Luft zu schnuppern: Anderen zuhören, sich eine Meinung bilden und diese engagiert vertreten.» Ihre Erfahrung zeige: Die Debatten seien meist sehr fundiert, sachlich und von hoher Qualität. Bruderer kehrte 2010 zum 10-Jahre-Jubiläum zurück ins Jugendparlament – als Nationalratspräsidentin.