Schafisheim
Brot aus dem Aargau für die ganze Schweiz

Das neue Verteilzentrum in Schafisheim ist für Coop so wichtig, wie der neue Gotthardtunnel für die Schweiz. Das sagt zumindest Coop-Chef Joos Sutter. Bundesrätin Doris Leuthard mochte nicht widersprechen.

Peter Brühwiler
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37 Bilder
Daniel Hintermann, Chef Logistik Coop Nordwestschweiz
Eindrücke von aussen.
Eindrücke von aussen.
Impressionen aus der modernen Backstube. Hier wird Ruchbrot hergestellt.
Impressionen aus der modernen Backstube. Hier wird Ruchbrot hergestellt.
Impressionen aus der modernen Backstube. Hier wird Ruchbrot hergestellt.
Hier wird Ruchbrot hergestellt.
Impressionen aus der modernen Backstube. Hier wird Ruchbrot hergestellt.
Impressionen aus der modernen Backstube. Hier wird Ruchbrot hergestellt.
Impressionen aus der modernen Backstube. Hier wird Ruchbrot hergestellt.
Das fertig gebackene Brot wird nach dem Abkühlen überprüft und verpackt.
Impressionen aus der modernen Backstube. Hier wird Ruchbrot hergestellt.
Das fertig gebackene Brot wird nach dem Abkühlen überprüft und verpackt.
Impressionen aus der modernen Backstube.
Das fertig gebackene Brot wird nach dem Abkühlen überprüft und verpackt.
Hier findet die Qualitaetskontrolle statt.
Vollkornbrot kurz vor dem Backen.
Vollkornbrot kurz vor dem Backen.
Coop Verteilzentrum in Schafisheim
Die Coop Lastwagen holen die Fracht.
Die Medienschaffenden bereiten sich auf die Führung vor.
Impressionen aus dem Museum in der Traverse.
Impressionen aus dem Museum in der Traverse.
Impressionen aus dem Museum in der Traverse.
Impressionen aus dem Museum in der Traverse.
Impressionen aus dem Museum in der Traverse.
Ein Bild aus dem Kühlzentrum. Hier wird mit Kühlprodukten gearbeitet.
Eindruecke aus der Biomasse Heizzentrale.
Eindruecke aus der Biomasse Heizzentrale.
Eindruecke aus der Biomasse Heizzentrale.
Eindrücke von aussen.
Hier werden Gebinde zurecht gemacht.
Hier wird verladen.
Hier wird verladen.
Auch eine Mülldeponie bzw. Verarbeitungszone gibt es.
Auch eine Mülldeponie bzw. Verarbeitungszone gibt es.

Mario Heller

Vor rund 20 Jahren hat die Coop Gruppe ihre Bäckerei und Konditorei in Schafisheim geschlossen. Die Mitarbeitenden zog es damals nach Basel oder Wallisellen, wo der Schweizer Detailhändler ebenfalls Brötchen backt - respektive gebacken hat. Denn nun schliesst sich für einige von ihnen der Kreis: Sie kehren zurück nach Schafisheim, in die laut Coop «weitaus grösste Bäckerei und Konditorei der Schweiz». Am Mittwoch wurde sie zusammen mit der ebenfalls in Schafisheim gebauten nationalen Tiefkühl-Verteilzentrale und der regionalen Verteilzentrale in Anwesenheit von Bundesrätin Doris Leuthard eingeweiht. Die neue Grossbäckerei beliefert künftig das Gebiet von Basel über Zürich bis und mit der Zentralschweiz, in dem 40 Prozent aller Coop-Supermärkte liegen, mit Frischbrot.

Die Konditoreiprodukte und das Tiefkühlbrot werden von Schafisheim aus gar in die ganze Schweiz verschickt. Die Zahlen sind dementsprechend beeindruckend: Rund 680 Mitarbeitende werden in der neuen Grossbäckerei auf zwei Geschossen mit jeweils rund 20 000 Quadratmetern Fläche jährlich 40 000 Tonnen Mehl zu 60 000 Tonnen Brot und Backwaren verarbeiten. Der Betrieb wurde bereits im März aufgenommen und wird jetzt schrittweise hochgefahren. Momentan werden in Schafisheim laut Daniel Hintermann, Leiter Coop-Logistik Nordostschweiz, 20 Brotsorten produziert. «Und es kommen wöchentlich neue dazu.»

Die beiden bisherigen Standorte werden Ende Jahr geschlossen. Und für die «Rückkehrer» aus Basel und Wallisellen sind nicht nur die Produktionsdimensionen neu, sondern auch die Produktionsmethoden. Vieles läuft in Schafisheim automatisch ab. Die Teigknetmaschine etwa wird per Display gesteuert: Rezept antippen und warten, bis die automatisch zugeführten Zutaten im 400-Liter-Topf geknetet sind, heisst es hier für die Mitarbeitenden eigentlich nur noch. Dann macht sich die mit einem während zwölf Stunden gegärten Vorteig vermischte Teigmasse auf die rund dreistündige Reise durch eine der insgesamt zwölf Produktionslinien. Zwischen 80 und 100 Meter sind diese lang und ganz hinten erscheint es dann: Das bereits auf Raumtemperatur heruntergekühlte im Beutel verpackte Brot.

Handarbeit bei den Zöpfen

Aber auch Handarbeit ist in der neuen Bäckerei noch gefragt. Für die Herstellung der schweizerischsten aller Backprodukte etwa, dem aus zwei Strängen geflochtenen Zopf. «Diese Technik», so Hintermann, «beherrscht noch keine Maschine». Noch höher im Kurs sind die manuellen Anforderungen in der Konditorei. Eine weitere Eigenheit dieses Bereichs: Weil Westschweizer andere Dessert-Vorlieben haben, produziert Coop einige Konditoreiprodukte weiterhin bei Lausanne. Cremschnitten etwa kommen dort in rosaroter Glasur daher. In Schafisheim werden sie natürlich in Weiss produziert.

Nichtsdestotrotz: Coop hat die Zentralisierung mit der neuen Grossbäckerei und -konditorei weit vorangetrieben. Weiter etwa als die Migros-Bäckerei Jowa. Eines haben die beiden Detailhandelsriesen aber gemein: Ihre grössten Bäckereien liegen künftig im Aargau. Voraussichtlich im Frühjahr 2017 wird die Jowa in Gränichen ihren Neubau, das «Werk 2», in Betrieb nehmen. Dieses verfügt über eine jährliche Produktionskapazität von 14 000 Tonnen — zusätzlich zu den 35 000 Tonnen der bestehenden Bäckerei.

Die Coop-Bäckerei in Schafisheim ist laut Hintermann gar eine der zehn grössten Bäckereien Europas. Und dementsprechend hofft man natürlich auf Effizienzgewinne. Der Standort, inklusive Logistik, soll laut Coop jährliche Kosteneinsparungen von 60 Millionen Franken bringen. Wieviel die Bäckerei dazu beisteuert, ist nicht bekannt. Sowieso betont man bei Coop lieber den ökologischen Aspekt: So müssen etwa die tiefgefrorenen Teiglinge künftig nicht mehr von Standort zu Standort transportiert werden. Und die Backöfen werden mit Biomasse geheizt (siehe Kontext links). Auch Bundesrätin Doris Leuthard geizte in ihrer Ansprache nicht mit Lob: Es sei hier gelungen, einen haushälterischen Umgang mit dem Boden zu realisieren, gleichzeitig die Mobilität mitzudenken und auch noch eine effiziente und smarte Energienutzung zu realisieren. Das Beispiel Schafisheim zeige, «dass sich Nachhaltigkeit lohnt wenn man langfristig denkt, auch in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten».

Und einfach sind die Zeiten - Stichwort Frankenstärke - wahrlich nicht. Die Einfuhr von Brot und Backwaren habe sich in den letzten Jahren massiv nach oben entwickelt, sagt Beat Kläy vom Schweizerischen Bäcker-Confiseurmeister-Verband. «Wurden im Jahr 2000 noch rund 40 000 Tonnen importiert, so waren es 2014 bereits 107 000 Tonnen». Ganz auf Importe verzichtet auch die Coop-Gruppe nicht. Das Toast-Brot etwa kommt aus dem Ausland. Denn trotz modernster Produktionsmethoden: Mit den hochspezialisierten Herstellern aus Deutschland kann Schafisheim nicht mithalten.

Coop reduziert CO2-Ausstoss

Coop setzt nach eigenen Angaben mit dem neuen Verteilzentrum im aargauischen Schafisheim auf umweltfreundlichen Energieverbrauch. Alle tiefgekühlten Waren, die weiter als 90 Kilometer unterwegs sind, werden bereits heute per Bahn transportiert. Lastwagen übernehmen lediglich die letzten Kilometer. Zur Flotte von Coop gehören bereits zwei Elektrolastwagen, ab kommenden Herbst nimmt der Grossist zudem eine Wasserstoff-Tankanlage in Betrieb. Auf dem Areal in Schafisheim hat Coop eine Biomasse-Heizzentrale, die die Öfen der Grossbäckerei mit Energie versorgen. Auf dem Dach des Verteilzentrums und der Bahnhalle des Güterbahnhofs ist eine Photovoltaikanlage installiert, die jährlich 250 000 Kilowatt Solarstrom liefert. Mit all diesen Massnahmen reduziert Coop die C02-Emmissionen um 10›000 Tonnen pro Jahr. (giu)