Wahlen AG 2016

Bringt CVP-Geheimplan SVP-Kandidatin Franziska Roth noch mehr in Bedrängnis?

Nationalrätin Ruth Humbel als CVP-Joker für die Regierungsratswahlen.

Nationalrätin Ruth Humbel als CVP-Joker für die Regierungsratswahlen.

Der SVP-Kandidatin Franziska Roth droht neue Konkurrenz aus der CVP. Im zweiten Wahlgang zu den Regierungsratswahlen könnte die Mitte-Partei eine eigene Kandidatin aus dem Hut zaubern. Möglicherweise Ruth Humbel. Grund: Man glaubt nicht, dass sich die SVP-Frau durchsetzt und will den Sieg der SP-Frau Yvonne Feri verhindern.

Als ob es Franziska Roth nicht schon genug schwer hätte: In der repräsentativen Umfrage liegt die SVP-Regierungsratskandidatin hinter den rotgrünen Konkurrenten Yvonne Feri (28,4 Prozent) und Robert Obrist (26,3 Prozent) nur auf Platz 7 mit 23,1 Prozent. Nun macht im Bundeshaus und in der Politszene Baden ein Plan die Runde, der Roth zusätzlich in Bedrängnis bringen könnte.

In der CVP überlegt man sich ernsthaft, im zweiten Wahlgang eine eigene Kandidatin ins Rennen zu schicken, um den fünften Regierungsratssitz zu ergattern. Es fällt der Name von Nationalrätin Ruth Humbel. Tritt sie an, würde sie mit ihrer Bekanntheit und Erfahrung sowohl Quereinsteigerin Roth als auch einer allfälligen FDP-Kandidatin das Leben schwer machen.

«Solche Diskussionen gibt es, wie in der FDP ja auch», bestätigt CVP-Präsidentin Marianne Binder auf Anfrage. «Aber wir konzentrieren uns jetzt ganz auf die Wahl von Markus Dieth. Alles andere ist politisch unklug. Wir sehen dann nach dem ersten Wahlgang, wie die neue Ausgangslage ist und werden das genau analysieren.» Voraussetzung für eine zusätzliche Kandidatur ist, dass Dieth es schon im ersten Wahlgang schafft. Ruth Humbel war gestern für eine Stellungnahme nicht erreichbar.

Franziska Roth: «Das bin ich und das will ich auch bleiben.»

Franziska Roth: «Das bin ich und das will ich auch bleiben.»

Umstrittene Aussage: Das sagt SVP-Regierunsgsratskandidatin Franziska Roth zur integrativen Schulung und zur Ritalin-Abgabe an auffällige Schüler.

Umstrittene Aussage: Das sagt SVP-Regierunsgsratskandidatin Franziska Roth zur integrativen Schulung und zur Ritalin-Abgabe an auffällige Schüler.

Anlässlich der Sendung «TalkTäglich» am 21. September 2016 in Baden.

Die bürgerliche Mitte ist im Dilemma. «Den Anspruch der wählerstärksten Partei SVP auf einen zweiten Sitz kann ich gut nachvollziehen und auch akzeptieren», sagt Binder, «doch ist es für die Wähler schon schwierig, wenn die SVP dann mit einer Kandidatin ins Rennen steigt, welche sie selber offenbar gar nicht richtig will.» Das zeigt sich auch in der Umfrage: In der CVP-Basis hat SVP-Frau Roth viel weniger Unterstützung als SP-Kandidatin Feri. Für CVP-Präsidentin Binder ist Feri allerdings keine Alternative: «Sie fokussiert sich einseitig auf Genderfragen und politisiert fundamental links. Ich wäre über ihre Wahl nicht begeistert.»

Schlussspurt der SVP

Trotz schlechten Umfragewerten zeigt sich SVP-Präsident Thomas Burgherr kämpferisch: «Wir haben mit Franziska Roth eine hervorragende Kandidatin. Ich bin überzeugt, dass sie den Rückstand auf Obrist und Feri – wenn es diesen gibt – aufholen und sie überholen wird. Unser Ziel bleibt, dass sie es im ersten Wahlgang schafft.» Die kurze Zeit bis zu den Wahlen am 23. Oktober will die Partei nutzen. Eben wurde eine Wahlzeitung in alle Haushaltungen in allen Bezirken verteilt. «Das Echo ist sehr gut, das gibt zusätzlich Schub», so Burgherr, «das war schon bei den letzten Wahlen so.» Die Zeitung sei übrigens erst nach der Durchführung der Umfrage verteilt worden.

Burgherr glaubt nicht, dass Roth in der eigenen Partei weniger Rückhalt habe als andere Kandidaten: «Das zeigen alle bisherigen Veranstaltungen mit Franziska Roth. Wer sie kennen lernt, unterstützt sie nachher aus Überzeugung.» Geplant seien aber weitere parteiinterne und externe Veranstaltungen mit Franziska Roth und Alex Hürzeler, Medienauftritte sowie weitere Inserate. Voll am Laufen sei die Plakatierung.

Yvonne Feri: «Auch eine linke Politikerin kann Politik machen, die CVP und FDP anspricht.»

Yvonne Feri: «Auch eine linke Politikerin kann Politik machen, die CVP und FDP anspricht.»

Politologe Mark Balsiger glaubt nicht, dass die SVP in den letzten Wochen mit «Effort und Geld wettmachen kann, was sie über Monate versäumt hat». Laut Balsiger hätte die Partei die bis vor kurzem unbekannte Franziska Roth viel früher und konsequenter als Kandidatin aufbauen müssen.

Umfrage zu den Regierungsratswahlen – das sagt der Politologe Mark Balsiger

Umfrage zu den Regierungsratswahlen – das sagt der Politologe Mark Balsiger

Die Aargauer Regierungsratskandidaten 2016:

«Schwer, an Roth festzuhalten»

Falls Roth in den zweiten Wahlgang muss, käme es der SVP gelegen, wenn auch CVP-Mann Dieth noch nicht gewählt ist. Dann ist es für Burgherr «wichtig, dass sich die Bürgerlichen mit aller Kraft auf diese beiden Kandidaturen konzentrieren, um Susanne Hochulis Sitz ins bürgerliche Lager zu ziehen.» Zu einer möglichen eigenen Kandidatur von FDP oder CVP sagt der SVP-Präsident: «Es wäre falsch, wenn die Bürgerlichen im zweiten Wahlgang mit mehreren Kandidaten kämen – das würde nur Rotgrün helfen.» Der Rückzug der eigenen Kandidatin kommt für Burgherr nicht in Frage: «Ich kann mir nicht vorstellen, dass die SVP als grösste Partei anstelle einer eigenen Kandidatur diejenige einer anderen bürgerlichen Partei unterstützen würde.»

Politologe Balsiger dagegen ist überzeugt: «Wenn Roth im ersten Wahlgang schwach abschneidet, wird es für die SVP ganz schwer, an ihr festzuhalten.»

DEMOSCOPE: Regierungsrat AG Stimmen

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