Defibrillatoren

Braucht der Aargau eine Lösung wie der Kanton Tessin? Das sagen zwei Gesundheitspolitiker

Sowohl Grünen-Grossrat und Hausarzt Severin Lüscher als auch Martina Sigg, FDP-Grossrätin und Apothekerin, glauben, dass der Kanton Aargau sein derzeitiges Rettungskonzept noch optimieren kann.

Sowohl Grünen-Grossrat und Hausarzt Severin Lüscher als auch Martina Sigg, FDP-Grossrätin und Apothekerin, glauben, dass der Kanton Aargau sein derzeitiges Rettungskonzept noch optimieren kann.

Hausarzt und Grünen-Grossrat Severin Lüscher relativiert zwar den Mythos des Defibrillators als Lebensretter, begrüsst allerdings die Schaffung eines kantonalen Standort-Registera. So sieht es auch FDP-Grossrätin und Apothekerin Martina Sigg und verweist wie Lüscher auf das vorbildliche Konzept des Kantons Tessin.

Das Thema Defibrillatoren beschäftigt auch die Aargauer Politik. Grossrat Severin Lüscher (Grüne) fände es «super, wenn die Mitarbeitenden der Notrufzentrale die Standorte der Defibrillatoren kennen würden». Bisher gibt es im Kanton Aargau kein Verzeichnis der Standorte.

Ein solches Verzeichnis zu führen, wäre wohl sehr aufwendig, gibt Severin Lüscher zu bedenken. «Es bringt nur etwas, wenn es jederzeit aktuell ist.» Werde ein Defibrillator abgehängt, gestohlen oder gerade gewartet, müsste dies das System «wissen».

Severin Lüscher befürchtet auch, dass es politisch wohl schwierig wäre, ein solches Projekt national aufzugleisen, weil das Rettungswesen kantonal geregelt ist. «Die Kantone lassen sich vom Bund nicht gerne dreinreden. Und sie wären es ja, die letztlich bezahlen müssten.»

Auch FDP-Grossrätin und Gesundheitspolitikerin Martina Sigg ist überzeugt, dass der Kanton Aargau sein derzeitiges Rettungskonzept noch optimieren kann. Neben der Versorgung mit Notärzten und der Luftrettung mit Helikoptern gehöre zum Rettungskonzept auch die Frage nach den Defibrillatoren, deren Standorten, Verfügbarkeit und Finanzierbarkeit.

«Sowohl Private als auch Gemeinden müssten ja ein Interesse daran haben, dass ein Defibrillator im Notfall gut erreicht und richtig eingesetzt werden kann», sagt Martina Sigg. Das Thema gehört für die FDP-Grossrätin in die gesundheitspolitische Gesamtplanung. Diese steht auf der To-do-Liste des neuen Gesundheitsdirektors Jean-Pierre Gallati (SVP).

Von Kantonen lernen, die es besser machen

Severin Lüscher hat ebenfalls ein Interesse daran, dass die Standorte der Defibrillatoren bekannt sind. Wenn Firmen oder auch Gemeinden einen oder mehrere Defibrillatoren anschafften, müssten sie sich überlegen, wie sie die Standorte kommunizieren und möglicherweise auch kennzeichnen, findet er.

Hier dürfe sich der Aargau durchaus an erfolgreichen Modellen anderer Kantone orientieren, wenn es nach Martina Sigg und Severin Lüscher geht. Beide verweisen auf den Kanton Tessin, der in diesem Bereich vorbildlich sei. Im Südkanton ist die Zahl der Todesfälle aufgrund von Herz-Kreislauf-Versagen dank eines neuen Lebensrettungs-Konzepts zurückgegangen.

Gut möglich also, dass der Grüne Severin Lüscher und die Freisinnige Martina Sigg im Grossen Rat demnächst einen überparteilichen Vorstoss zum Thema einreichen, damit bei der gesundheitspolitischen Gesamtplanung das Thema aufgenommen wird und in einem nächsten Schritt überprüft wird, ob es Sinn macht, das Tessiner Modell auch im Aargau einzuführen.

Severin Lüscher, der als Hausarzt in einer Gemeinschaftspraxis in Schöftland arbeitet, relativiert allerdings den Mythos des Defibrillators als Lebensretter. Defibrillatoren machten zwar durchaus Sinn, gerade an Orten wie Bahnhöfen, wo sich täglich viele Leute aufhalten. «Wirkung und Verfügbarkeit von Defibrillatoren werden aber auch ziemlich überschätzt», sagt der Grossrat. «Es ist oft nicht so, dass jemand stirbt, nur weil kein Defibrillator verfügbar war.» Sehe man die Laienhilfe als erstes Glied in der Rettungskette, dann seien Defibrillatoren nur ein Teil davon.

Severin Lüscher kritisiert auch den hohen Preis der Geräte. Diese gehörten heute zu den am stärksten überteuerten medizinischen Geräten. «Ein Defibrillator kostet um 2500 Franken und kommt sehr selten zur Anwendung.» Es stelle sich daher auch immer die Frage, wo man investieren wolle.

Die Grossrätin hat für Notfälle eine App installiert

Bis es ein nationales oder zumindest kantonales Verzeichnis aller Defibrillatoren-Standorte gibt, setzt Martina Sigg auf die App «Staying Alive». Diese zeigt im Notfall den Standort des nächsten Defibrillators an. «Natürlich sind auch diese eingetragenen Standorte unvollständig», sagt Martina Sigg. «Aber es ist immerhin ein Ansatz.» Sie erinnert auch daran, dass mit einem Defibrillator alleine noch kein Leben gerettet ist. «Wir sollten deshalb auch alle unsere Erste-Hilfe-Ausbildung à jour halten, damit wir in einer Notfallsituation überhaupt handeln können.»

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