Nicht nur Erwachsene, auch Millionen von brasilianischen Kindern fiebern während der WM mit ihrem Nationalteam mit. Doch es gibt auch Kinderherzen, die für die Schweizer Nati schlagen: Es sind über 600 Schüler, die die Schweizerschule in Curitiba, Brasilien, besuchen. «Und hier gilt die Schweizer Mannschaft als ebenso begehrenswert wie die Brasilianische», erzählt Schuldirektor José Oberson.

Während WM-Spielen der Schweiz und Brasilien dürfe er nicht damit rechnen, dass die Kinder die Schulbank drücken. «In dieser Zeit sind die Klassenzimmer gähnend leer, Fussball ist wichtiger», schmunzelt er.

Eine umso grössere Ehre ist es für die Schüler aus Curitiba, dass sie am vergangenen Wochenende nicht nur das WM-Spiel Schweiz – Ecuador live im Stadion anschauen durften, sondern auch Stars wie Xherdan Shaqiri und Stephan Lichtsteiner treffen, mit Trainer Ottmar Hitzfeld über Fussball plaudern, Fifa-Chef Sepp Blatter begegnen – und sogar mit Bundesrat Ueli Maurer sprechen konnten. «Das war eine sehr tolle Erfahrung für die Kinder. Plötzlich lernten sie ihre Stars aus dem Fernsehen hautnah kennen», erzählt Oberson.

Rot-weiss-gelb-grüne Leibchen

Wie kam es dazu, dass die Schüler den Traum vieler anderer Nati-Fans erleben durften? «Alles begann damit, dass wir im August 2013, als es um die Qualifikation für die WM ging, ein Glücksbringer-Buch für die Schweizer Nati bastelten», berichtet der Schuldirektor.

«Denn die Schweiz musste sich gegen Brasilien behaupten.» Im Basler Joggeli durften Vertreter der Schule das Buch schliesslich der Nati überreichen. Schüler sowie Direktor sind sich sicher: Das, was danach passierte, ist auch ihr Verdienst – die Schweiz gewann mit 1:0.

«Der Ausflug in die Hauptstadt Brasília, wo das Spiel vom vergangenen Sonntag stattfand, war der Abschluss des Kontakts mit der Nati», erklärt Oberson.

Auch diesmal begegneten die Schüler den Spielern nicht mit leeren Händen: Im Voraus liessen sie binationale T-Shirts drucken: «Halb gelb-grün für Brasilien, halb rot-weiss für die Schweiz.» Maurer, Shaqiri, Blatter und Co. hätten sich sehr über die originellen Leibchen gefreut, so der Schulleiter.

«Enttäuschte Gesichter haben hingegen die Schüler kurz vor Ende des Spiels gemacht – sie dachten schon, es bleibe beim Unentschieden.» Als dann der Siegestreffer kam, seien sie total ausgeflippt vor Freude, erinnert sich Oberson lachend.

Schweiz gewinnt heute Abend

Vor Ort in Brasilien: Wie äussert sich die WM-Stimmung? «Fussball nimmt hierzulande schon fast religiöse Züge an», erzählt Oberson. «Es gibt momentan nichts Wichtigeres.» Dennoch: «Viele Brasilianer hoffen, dass die Landsmänner nicht Weltmeister werden», verrät er. Denn in einer nationalen Euphorie könne es bei den nächsten Wahlen sein, dass die Regierung wiedergewählt werde. «Davor haben einige grosse Angst.»

Heute Abend, 21 Uhr, findet das Spiel Schweiz – Frankreich statt. José Obersons Tipp: «Ich denke, es wird schwierig für die Schweiz. Ich bin ein wenig skeptisch.»

Und was denken die Schüler? «Für sie ist absolut klar, dass die Schweiz gewinnt», schmunzelt der Schuldirektor.