Bildung
Branchenverbände zieren sich: Zukunft des gestalterischer Vorkurses ist ungewisser denn je

Die Zukunft des gestalterischen Vorkurses an der Schule für Gestaltung ist höchst ungewiss. Doch die Zeit drängt – und jetzt hat der Rektor gekündigt.

Jörg Meier
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22. November 2016: Gabriele Stemmer, Präsidentin des Schulvorstandes, übergibt dem damaligen Grossratspräsidenten Marco Hardmeier eine Petition gegen die Aufhebung des Vorkurses an der Schule für Gestaltung.Mario Heller/Archiv

22. November 2016: Gabriele Stemmer, Präsidentin des Schulvorstandes, übergibt dem damaligen Grossratspräsidenten Marco Hardmeier eine Petition gegen die Aufhebung des Vorkurses an der Schule für Gestaltung.Mario Heller/Archiv

Mario Heller

Der gestalterische Vorkurs, der an der Schule für Gestaltung Aargau (SfGA) angeboten wird, hat zum Ziel, Schulabgängerinnen und Schulabgänger der Volksschule auf eine Berufslehre in den Bereichen Gestaltung und Kunst vorzubereiten. Dieses Angebot passt schlecht ins duale Berufsbildungssystem, wie es in der Schweiz etabliert ist.

Denn das Berufsbildungsgesetz sieht eigentlich vor, dass alle Berufslehren direkt nach dem Abschluss der obligatorischen Schulzeit ergriffen werden können. Die branchenspezifische Vorbereitung auf die Berufslehre, wie sie der gestalterische Vorkurs anbietet, wird damit zum Sonderfall.

Verbände sollen zahlen

Im Rahmen der Sanierungsmassnahmen 2017 hatte der Regierungsrat deshalb beschlossen, dass künftig auf die Subventionierung des einjährigen Kurses verzichtet werden soll. Ersparnis für den Kanton: zwischen 69'000 und 300'000 Franken pro Jahr, je nach Sichtweise. Gegen diese Absicht wehrte sich die Schule. «Der Aargau braucht künftig mehr Medienkompetenz und Design-Know-how und nicht weniger», sagte damals Gabriele Stemmer, die Präsidentin des Schulvorstandes. Innert weniger Tage sammelte die Schule über 7200 Unterschriften für ihre Petition gegen die Streichung des Vorkurses und für die Beibehaltung der Unterstützung durch den Kanton.

Schule für Gestaltung: Rektor hat nach vier Jahren gekündigt

Der Vorstand der Schule für Gestaltung kämpft nicht nur um die Beibehaltung des Vorkurses. Er muss auch einen neuen Rektor oder eine neue Rektorin suchen. Denn Simon Santschi, der bisherige Rektor, wird die Schule nach gut vier Jahren auf Ende Juli 2018 verlassen.

Santschi betont, sein Weggang habe nicht mit den Wirren um den Vorkurs zu tun. Er habe versucht, an der Schule für Gestaltung die Weiterbildungslehrgänge mit eidgenössischer Anerkennung weiter auf-und auszubauen.

Angesichts des schwierigen Markumfeldes und der nationalen Konkurrenz der Hochschulen in Zürich, Bern und Basel sei das nicht befriedigend zu lösen. Deshalb verlässt Santschi die Schule für Gestaltung und sucht sich eine neue Herausforderung im Bereich Weiterbildung. Gabriele Stemmer, Präsidentin des Schulvorstands, sagte, man prüfe im Rahmen der Wiederbesetzung der Rektorenstelle «verschiedene Optionen». (jm)

Bei der Behandlung des regierungsrätlichen Antrags auf Streichung im Grossen Rat am 29. November 2016 plädierte die Bildungskommission dafür, der Vorkurs sei mit weniger Lektionen weiterhin zu subventionieren. Zudem solle ein persönliches Schulgeld von 5000 Franken verlangt werden. Die FDP-Fraktion stellte einen ganz anderen Antrag: Per Ende Schuljahr 2018/19 soll die Mitfinanzierung durch die öffentliche Hand eingestellt werden. Dafür sollten die Branchenverbände, die ja in erster Linie von den gut ausgebildeten Absolventen des Vorkurses profitieren könnten, die Kurskosten übernehmen. Der Grosse Rat fand, das sei eine passable Lösung und hiess sie mit 90 gegen 43 Stimmen gut.

«Sinnvoll und notwendig»

Seit diesem Entscheid im Kantonsparlament sind bald 15 Monate vergangen. Für FDP-Grossrätin Jeanine Glarner Grund genug, um sich in einer Interpellation nach dem Stand der Dinge zu erkundigen. Die Antworten des Regierungsrates sind ziemlich ernüchternd; die Zukunft des Vorkurses ist ungewisser denn je. Die Leitung der Schule für Gestaltung hat demnach praktisch sämtliche Branchenverbände kontaktiert. Alle Organisationen der Arbeitswelt haben zwar die Wichtigkeit des Vorkurses betont.

Aber sie sind nicht bereit, sich an den Kosten zu beteiligen. Andere Partner aus der Wirtschaft konnten bisher nicht gefunden werden. Daher sieht der Regierungsrat nur noch eine geringe Chance, dass der Kurs, wie vom Grossen Rat verlangt, künftig von einer privaten Trägerschaft finanziert wird.

Aber die Schulleitung solle trotzdem noch einmal auf die Organisationen der Arbeitswelt zugehen, um doch noch eine Lösung zu finden, verlangt der Regierungsrat. Der Kanton wird das Ende der Mitfinanzierung auf Ende Schuljahr 2018/19 in die Wege leiten. Er sei das Ziel des dualen Bildungssystems, die nahtlose Anschlussfähigkeit der beruflichen Grundbildungen an die obligatorische Schulbildung ohne weitere Vorbedingungen zu garantieren. Und da liegt der Vorkurs tatsächlich etwas schief in der Bildungslandschaft.

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