Weinbau 2012

Branchenverband befürchtet Frostschäden in den Reben

Die Frostruten zeigen zum Himmel, hier im Rebberg von Peter Wehrli in Küttigen. Emanuel Freudiger

Die Frostruten zeigen zum Himmel, hier im Rebberg von Peter Wehrli in Küttigen. Emanuel Freudiger

Peter Wehrli, Präsident des Branchenverbandes Aargauer Wein, empfiehlt wegen der Kältewelle von Anfang Februar genaue Kontrollen und das Belassen einer so genannten Frostreserve pro Rebstock.

Die seit über zwei Jahrzehnten massivste Kältewelle von Anfang Februar führt zu Folgen in den Aargauer Rebbergen. Je nach Region sind 14 bis 15 Minusgrade erreicht worden, an exponierten Muldenlagen sank die Temperatur aber bis auf 21 Grad unter den Gefrierpunkt. «Die weissen Sorten – RieslingxSylvaner und Kerner – sind empfindlicher als die Blauburgunder», sagt Peter Wehrli, Präsident des Branchenverbandes Aargauer Wein. Weil die Trauben erst Ende April/Anfang Mai spät austreiben, ist für die Frostkontrolle eine spezielle Methode nötig: Durch das Aufschneiden der Knospen (Augen) an den Trieben mit einem scharfen Messer. «Wir haben in unserem Betrieb in Küttigen pro Rute ein bis drei braune und damit erfrorene Knospen entdeckt», schreibt Wehrli in seinem Präsidentenbrief. Bei Frost kann die Rebe auch Nebenknospen und neue Triebe bilden – aber ohne Trauben dran.

Ein Frosttrieb als Sicherheit

Im letzten Jahrhundert waren Frostruten noch gang und gäbe, aber immer mehr Rebbauern verzichteten darauf. Wo der Rückschnitt des alten Holzes noch nicht erfolgte, empfiehlt Wehrli seinen Berufskollegen, eine zusätzliche Frostrute stehen zu lassen. Wenn an der angebundenen Rute zu viele Triebe erfroren sind, kann man im Mai auf die Reserve zurückgreifen. Selbst wenn am Anfang alles gut aussieht, ist Vorsicht geboten, denn die jungen, zarten Schosse können normal austreiben, ein paar Zentimeter wachsen und erst danach plötzlich absterben.

Wer mit Reserven schafft, wie der Familienbetrieb Wehrli in Küttigen, braucht sich um genügend Trauben für 2012 keine Sorgen zu machen. Generelle Aussagen zu den Frostschäden sind allerdings schwierig, denn das ist selbst innerhalb eines Rebberges von Lage zu Lage unterschiedlich. Zudem reagieren die über 50 Traubensorten unterschiedlich empfindlich auf die Kältewelle. Die Folgen zeigen sich so oder so erst im Mai. Insgesamt sind die Weinbauern zufrieden mit dem Winterverlauf, nach viel Trockenheit und Wärme im November gab es im Januar genügend Niederschläge.

Begeistert über Jahrgang 2011

Dank der frühen Ernte und einer hervorragenden Traubenqualität des Jahrgangs 2011 bereiten die Weine entsprechend Freude. Die RieslingxSylvaner und die weissen Spezialitäten werden schon in die Flaschen abgefüllt, «die ersten Rotweine folgen ab Mai/Juni, teils erst nach den Sommerferien», betont der Weinbau-Präsident. Der Alkoholgehalt ist durchwegs um etwa ein halbes Prozent über dem Durchschnitt: «Bei den Weissen beträgt er 12 bis 12,5 Prozent, bei den Roten um die 13,8 Prozent», sagt Peter Wehrli.

Frost, gute Qualität, die bessere Finanzlage und vor allem die Werbung gehörten gestern Abend zu den Themen der GV des Verbandes in Oberflachs. Die Weinbauern sind bereit, um ein unbekanntes Jahr mutvoll anzupacken.

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