Zweimal hat ein Mann seine Partnerin fünf bis sechs Sekunden lang gewürgt. Ob er die Frau damit in Lebensgefahr gebracht hat, ist umstritten und muss durch ein Gutachten geklärt werden, wie das Bundesgericht entschied.

Der Vorfall hatte sich Anfang Juni 2014 zugetragen. Ein Mann würgte im Streit seine Lebenspartnerin, bis sie fast ohnmächtig wurde. Die Frau musste notfallmässig ins Spital eingeliefert werden. Das Strafgericht des Bezirks Kulm verurteilte den Täter wegen einfacher Körperverletzung zu einer bedingten Geldstrafe von 160 Tagen zu je 90 Franken sowie zu einer Busse von 500 Franken. Zudem sprach das Gericht dem Opfer eine Genugtuung von 500 Franken zu.

Sowohl der Würger als auch sein Opfer riefen gegen diesen Entscheid das Obergericht des Kantons Aargau an. Die gewürgte Frau forderte, dass ihr Ex-Freund wegen versuchter vorsätzlicher Tötung oder wegen Gefährdung des Lebens verurteilt wird. Das Obergericht wies die Berufung des Würgers und die Anschlussberufung des Würgeopfers ab. Doch das Gericht erhöhte die vom Täter zu bezahlende Genugtuung an das Opfer auf 1000 Franken. Die Frau akzeptierte dieses Urteil nicht und zog den Fall vors Bundesgericht. Dort verlangte sie, dass ihr Ex-Freund der versuchten Tötung oder der Gefährdung des Lebens schuldig gesprochen wird. Zudem forderte sie eine Genugtuung von 15 000 Franken. Das Bundesgericht hat die Beschwerde gutgeheissen. Nach Meinung der Lausanner Richter hätte das Obergericht abklären müssen, ob der Täter die Frau durch die Würgerei in Lebensgefahr gebracht hat.

Gutachten empfohlen

Der zum Vorfall befragte Oberarzt der Klinik, in welche die Frau eingeliefert worden war, hatte diesbezüglich erklärt, er sei sich nicht sicher, ob eine unmittelbare Lebensgefahr bestanden hat oder nicht. Er empfahl den Richtern, zu dieser Frage ein forensisches Gutachten erstellen zu lassen. Trotz dieser Aussagen verzichtete das Obergericht, ein solches Gutachten anzufordern. Damit hat das Obergericht seine Untersuchungspflicht missachtet und den Anspruch des Würgeopfers auf rechtliches Gehör verletzt. Der Fall geht nun zur weiteren Behandlung nach Aarau zurück. Der Kanton Aargau muss dem Anwalt des Würgeopfers für das Verfahren vor Bundesgericht eine Entschädigung von 3000 Franken bezahlen.