Die Bundesbehörden haben der Nationalen Genossenschaft für die Lagerung radioaktiver Abfälle (Nagra) im Rahmen der Standortsuche für ein Atommüll-Tiefenlager eine erste sogenannte Quartärbohrung in Riniken bewilligt. Die Nagra will mit der Bohrung diese Lockergesteinsschicht genauer untersuchen, wie das Bundesamt für Energie (BFE) am Dienstag mitteilte. Mit den sogenannten Quartärbohrungen würden Bohrkerne gewonnen, die Hinweise zu Erosionsprozessen und zur tektonischen Aktivität in der Vergangenheit liefern könnten.

Das Eidgenössische Departement für Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (Uvek) hatte das Gesuch bereits am 22. Dezember bewilligt, vier weitere Bohrgesuche werden derzeit geprüft. Der Bewilligung vorausgegangen ist ein mehrere Monate dauerndes Verfahren. So sei das Gesuch vom BFE, dem Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat und weiteren Behörden überprüft worden und während 30 Tagen öffentlich aufgelegen. Einsprachen dagegen habe es keine gegeben.

Quartärbohrungen, wie nun in Riniken, sind nicht zu verwechseln mit den Tiefenbohrungen, welche die Nagra am Bözberg plant. Das nun bewilligte Projekt sei von der Technik her vergleichbar mit Bohrungen für Erdwärmesonden, teilt das Bundesamt für Energie mit. Quartärbohrungen erreichen eine Tiefe von ein paar Dutzend Metern, in Ausnahmefällen wenige Hundert Meter. Der mobile Bohrturm hat eine Höhe von 10 bis 20 Metern, die Bohrarbeiten dauern wenige Wochen und werden tagsüber zu normalen Arbeitszeiten durchgeführt. Die Lärmemissionen sind vergleichbar mit Landwirtschafts- oder Forstarbeiten. Nach Abschluss der Bohrung werde die Bohrstelle geräumt und der Ausgangszustand wieder hergestellt, heisst es in der Mitteilung.

Regierung soll Lager bekämpfen

Am gleichen Tag, als das Bundesamt für Energie die Bewilligung für die Bohrung publizierte, hat SP-Grossrätin Elisabeth Burgener einen Vorstoss zu diesem Thema eingereicht. Der Regierungsrat habe mehrfach festgehalten, dass er grundsätzlich kein Tiefenlager im Kanton Aargau wolle, heisst es in der Interpellation, die auch Roland Agustoni (GLP, Rheinfelden), Colette Basler (SP, Zeihen), Max Chopard (SP, Nussbaumen), Gertrud Häseli (Grüne, Wittnau), Robert Obrist (Grüne, Schinznach) und Tanja Primault-Suter (SVP, Gipf-Oberfrick) unterzeichnet haben. Sie wollen wissen, ob der Regierungsrat die bis März laufende Vernehmlassung im Sinne seines Grundsatzentscheides nutze und sich aktiv dafür starkmache, «dass ein Standort im Aargau nicht weiterverfolgt wird».

Die Grossräte weisen darauf hin, dass im Aargau geologische Risiken wie tektonische Störungszonen, Quell- und Thermalwasser gegen ein Tiefenlager für atomare Abfälle sprechen würden. Zudem heisst es im Vorstoss, ein direktdemokratisches Vetorecht für die von einem allfälligen Tiefenlager betroffene Bevölkerung vor Ort sei bisher nicht vorgesehen. «Wie gedenkt der Regierungsrat den Miteinbezug der aargauischen Bevölkerung in dieser zentralen Frage zu gewährleisten?», fragen Burgener und ihre Mitstreiter.

Laut einer Gesellschaftsstudie im Auftrag der Kantone zweifle die Hälfte der Bevölkerung daran, dass das Verfahren für die Suche eines Tiefenlagers «objektiv und fair ist und am Ende der sicherste Standort gefunden wird».

Warnung vor finanziellem Risiko

Bereits im Dezember hat SP-Grossrat Max Chopard einen Vorstoss zu den Kostenrisiken eines möglichen Atomendlagers im Aargau eingereicht. Ein solches Lager am Bözberg berge in der Langzeitbetrachtung neben den geologischen Gefahren allenfalls auch finanzielle Risiken, hält der Atomgegner fest. Chopard, dessen Vorstoss ebenfalls von Grossräten aus diversen Parteien unterzeichnet wurde, will unter anderem wissen, wer die Kosten für die fachliche und technische Überwachung nach dem Verschluss eines Atommülltiefenlagers trage. Heute gehe man davon aus, dass ein Tiefenlager 50 Jahre nach Inbetriebnahme definitiv verschlossen werde. Zudem will Chopard wissen, wer die Sanierungskosten bei Problemen mit einem Atomendlager bezahlen würde. Schliesslich verlangt Chopard, Präsident der Organisation «Kaib – Kein Atommüll am Bözberg», auch Auskunft darüber, wer eine allfällige Rückholung der radioaktiven Abfälle aus dem Tiefenlager finanzieren würde.