Meilenstein

Bözbergtunnel wird zum Vorbild für SBB-Projekte – Konzept sparte 30'000 Lastwagenfahrten

Mit dem Einbau der «Goldenen Schwelle» sind die Gleisarbeiten im neuen Bahntunnel fast abgeschlossen. Als wichtiges Element des 4-Meter-Korridors macht der Bözberg die Schiene attraktiver für den Güterverkehr. Schon während der Bauzeit wurden mit dem Konzept «Rail first» rund 30'000 Lastwagenfahrten eingespart.

Jacques Boschung ist seit Anfang 2019 Leiter Infrastruktur bei den SBB – die erste Baustelle, die er in seinem neuen Job besichtigte, war der Bözbergtunnel. «Damals war der Bau natürlich noch nicht so weit fortgeschritten wie heute, aber ich war sehr beeindruckt von dem, was ich gesehen habe», sagte Boschung am Donnerstag beim Medientermin zum Einbau der sogenannten «Goldenen Schwelle».

Bei diesem symbolischen Akt im Tunnel legte Boschung zusammen mit Anna Barbara Remund, Vizedirektorin des Bundesamts für Verkehr, Hans Ruedi Rihs, Sektionsleiter Öffentlicher Verkehr beim Kanton und Erwin Scherer, Leiter Tunneling beim Bauunternehmen Implenia gleich selber Hand an.

Im Bözberg ist die letzte Schwelle verankert worden – sie ist golden

Im Bözberg ist die letzte Schwelle verankert worden – sie ist golden

Die letzte Schwelle besiegelt die neue Ära des Bözbergtunnels: Die Schienen sind fertiggestellt und im Dezember diesen Jahres geht der Tunnel in Betrieb. Der Verkehr auf Nord-Süd-Achse wird ab dann vermehrt auf der Schiene stattfinden.

Die SBB realisiert im Auftrag des Bundes bis Ende 2020 einen sogenannten 4-Meter-Korridor auf der Gotthard-Achse. So können künftig auch Sattelauflieger mit einer Höhe von vier Metern mit der Bahn transportiert werden. Das grösste Einzelprojekt mit Kosten von rund 350 Millionen Franken ist der Neubau des Bözbergtunnels. Mit der «Goldenen Schwelle» wurde das letzte Teilstück der sogenannten festen Fahrbahn, also der Gleise im Tunnel, eingebaut und betoniert.

SBB will Aushub künftig immer per Bahn abtransportieren

Der neue Bözbergtunnel sei neben dem Ceneri-Basistunnel im Tessin ein Kernstück des 4-Meter-Korridors durch die Schweiz, der Ende Jahr in Betrieb geht, sagte Boschung. Der Tunnel schaffe nicht nur die Voraussetzung für einen umweltfreundlichen Güterverkehr, sondern setze auch Standards beim nachhaltigen Bauen. «Wir haben hier den gesamten Ausbruch, rund 500000 Tonnen Gesteinsmaterial, mit der Bahn abtransportiert», sagte der Infrastrukturleiter der SBB.

Wäre der Transport auf der Strasse erfolgt, hätte dies mehr als 34'000 Lastwagenfahrten verursacht – diese seien am Bözberg vermieden worden. Die SBB will auch bei künftigen Projekten für die Anlieferung und den Abtransport von Material auf das Motto «Rail first» setzen. «Bei der Verlagerungspolitik des Bundes von der Strasse auf die Schiene geht es um den umweltfreundlichen Gütertransport – das werden auch wir bei unseren Baustellen konsequent umsetzen.»

Anna Barbara Remund, die Vizedirektorin des Bundesamts für Verkehr, bezeichnete den Einbau der «Goldenen Schwelle» am Bözberg als historischen und gleichzeitig zukunftsgerichteten Meilenstein. Der symbolische Akt solle nicht den Eindruck erwecken, dass ein vergoldetes Luxusprojekt realisiert worden sei, betonte Remund. Vielmehr sei der Tunnel im vorgegebenen Kostenrahmen rasch und effizient erstellt worden, freute sich die Bundesvertreterin. Die speziellen Schrauben und Schwellen seien goldfarben angemalt und nicht vergoldet, stellte sie klar. Der Brauch stammt laut Remund aus dem Wilden Westen und geht auf das Jahr 1869 zurück. Damals wurde ein goldener Nagel in eine Schwelle der ersten Ost-West- Bahnverbindung der Vereinigten Staaten geschlagen. So epochal wie diese Bahnlinie sei der neue Bözbergtunnel nicht, räumte Remund ein. «Dennoch hat er für einen ganzen Kontinent eine wichtige Bedeutung», fuhr sie fort. Der neue Tunnel sei ein wichtiger Mosaikstein der durchgehenden Güterbahn zwischen Nordsee und Mittelmeer.

Kantonsvertreter pocht auf Lärmschutz für die Bevölkerung

Hans Ruedi Rihs, Sektionsleiter Öffentlicher Verkehr beim Departement Bau, Verkehr und Umwelt des Kantons, hielt fest: «Der Aargau ist ein Logistikkanton, für viele Güter auch ein Durchfahrtskanton, dies insbesondere auf der Nord-Süd-Achse.» Deshalb sei es für den Kanton äusserst wichtig, dass ein möglichst grosser Anteil des Güterverkehrs künftig auf der Schiene abgewickelt werde, sagte Rihs.

Dem Kanton sei es ein grosses Anliegen, dass der durchgehende 4-Meter-Korridor in Betrieb gehe und genutzt werde. Mit dem neuen Bözbergtunnel werde die Eisenbahn für den Gütertransport attraktiver – mit mehr Zügen steige aber auch die Lärmbelastung für die Anwohner im Aargau, mahnte der Kantonsvertreter. «Es ist wichtig, dass man Rücksicht nimmt auf die Bevölkerung und genügend Mittel in den Lärmschutz investiert», sagte Rihs. Hans Ruedi Rihs wies überdies auf mögliche Konflikte zwischen dem geforderten Ausbau des Personenverkehrs und den künftig grösseren Kapazitäten im Güterverkehr hin. Gerade im Freiamt, wo die Zubringerlinie zum Gotthard verläuft, stelle sich dem Kanton die Frage, wie die Prioritäten am besten gesetzt würden.

Ganz fertig ist der neue Bözbergtunnel zwar noch nicht, Gesamtprojektleiter Thomas Zieger ist aber sicher, dass alle Arbeiten bis zur Inbetriebnahme im Dezember termingerecht abgeschlossen werden können. Bisher sei es beim Tunnelbau zu keinem grösseren Unfall gekommen, man habe sogar etwas Vorsprung auf den ursprünglichen Zeitplan, sagte Erwin Scherer, Leiter Tunneling beim Bauunternehmen Implenia.

Insgesamt wurden 13'000 Kubikmeter Beton verbaut, 13'800 Schwellenblöcke und 8,2 Kilometer Schienen verlegt. Nach diversen Prüfungen läuft von Ende Mai bis Ende Oktober der Testbetrieb. Mitte August findet eine Rettungsübung statt, bei der Blaulichtorganisationen für den Ernstfall üben.

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