Tunnelbau

Bözberg ja, aber auch beim Chestenberg solls weitergehen

Der bestehende Bözbergtunnel (Bild) soll zum Sicherheitsstollen ausgebaut werden.Walter Schwager

Der bestehende Bözbergtunnel (Bild) soll zum Sicherheitsstollen ausgebaut werden.Walter Schwager

Derzeit sind viele Schienenausbauprojekte im Gespräch. Die Regierung ist nun mit dem Neubau des Bözbergtunnels einverstanden. Doch soll die Realisierung nicht auf Kosten des Chestenberg- oder Honerettunnels geschehen.

Zu den Projekten gehören zum Beispiel der Nord-Süd-Schienengüterverkehrskorridor, der bis 2020 für Lastwagen mit vier Metern Eckhöhe tauglich gemacht werden soll. Die Aargauer Regierung wurde wie andere auch vom Bund eingeladen, Stellung zu nehmen. Die Aargauer Position dürfte von besonderer Bedeutung sein, führt der grösste Teil des Korridors auf der Alpennordseite doch durch unseren Kanton.

Neue Schienenausbauprojekte

Neue Schienenausbauprojekte

Besonders wichtig ist der vom Bundesrat vorgeschlagene Neubau des 2,5 km langen Bözberg-Doppelspurtunnels für 361 Millionen Franken. Untersucht wurden auch Umbauvarianten. Der Neubau erwies sich aber aus finanzieller und operativer Sicht als die beste. Kommt es so, wird der heutige Tunnel zum Sicherheitsstollen umgebaut. Der 184 m lange Villnacherntunnel soll dagegen unter Betrieb umgebaut werden.

Im Grundsatz einverstanden

Der Regierungsrat erklärt sich jetzt mit der Realisierung des 4-Meter-Korridors im Grundsatz einverstanden. Langfristig sei aber auch die zweite Nord-Süd-Achse durch den Lötschberg entsprechend weiter auszubauen, und die Kapazitäten auf den nördlichen und südlichen Zufahrten zum Lötschberg seien auf die Anzahl Gütertrassen zu erhöhen, die dem Schweizer Volk in der Abstimmung zur Neat-Netzlösung zugesichert wurden, verlangt die Regierung. Insbesondere seien «die Probleme mit dem Wisenbergtunnel, dem Vollausbau des Lötschbergtunnels und den Südzufahrten zum Simplontunnel langfristig zu lösen».

Gleichzeitig sei sicherzustellen, dass mit dem 4-Meter-Korridor die Anzahl der möglichen Gütertrassen auf der Gotthardachse nicht erhöht wird. Der Regierungsrat fordert zudem vom Bund eine vertragliche Zusicherung für eine Begrenzung auf die der Neat und dem Emissionsplan unterstellte Anzahl Gütertrassen.

Kanton direkt einbeziehen

Es geht beim Bözberg nicht nur um den Tunnel selbst, sondern auch um die Ausgestaltung der Zonen im Bereich der Tunnelportale (Lärmschutz, Sichtschutz etc.). Da die Betroffenheit des Kantons Aargau gross ist, fordert der Regierungsrat weiter, dass die zuständige Fachstelle Abteilung Verkehr in das Projekt und die Planung direkt einbezogen ist.

Chestenberg nicht verschieben

Aufgrund der vorgeschlagenen Finanzierung über den FinöV- beziehungsweise Bahninfrastrukturfonds dürfe keine Finanzierungslücke bei der Bahnfinanzierung entstehen, schreibt die Regierung weiter. Und verlangt wörtlich: «Eine weitere Verschiebung der dringlichen Bahnprojekte im Mittelland wie Chestenberg- und Honerettunnel wegen des zusätzlichen Mittelbedarfs für den 4-Meter-Korridor ist für den Regierungsrat des Kantons Aargau inakzeptabel.»

Der Regierung fehlen im erläuternden bundesrätlichen Bericht Aussagen zu den Auswirkungen der Bau- und Betriebsphase auf den Kanton Aargau, wie sie bemängelt. Und bei der Weiterbearbeitung des Projekts Bözbergtunnel erwartet der Aargau «einen frühzeitigen Einbezug der zuständigen Amtsstellen». Bezüglich der Betriebsphase sei darzulegen, wie sich der 4-Meter-Korridor auf die Lärm- und Erschütterungssituation auswirkt.

350 000 Kubikmeter Aushub

Die Kantonsregierung verlangt, dass beim Tunnelbau gleichzeitig die bestehende Lärmschutzwand in Villnachern bis zum Tunnelportal verlängert wird. So kann die Gemeinde vollständig vor Lärm geschützt werden. Beim Tunnelbau sind 350000 Kubikmeter Ausbruchmaterial zu erwarten. Die Regierung schlägt vor, dieses für die Rekultivierung des Steinbruchs Oberegg in Auenstein/Veltheim zu verwenden. Und mit Blick auf den Aushubtransport in diesen Steinbruch würde sie es begrüssen, wenn der Tunnelvortrieb von Südosten erfolgen würde.

Thermalwasser schützen

Mit Blick auf die Berg- und Thermalwasservorkommen verlangt die Aargauer Kantonsregierung schliesslich, dass Beeinträchtigungen des in Schinznach-Bad genutzten Thermalwassers vermieden werden.

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