Nationalratswahlen

Schweizerkreuz oder Irokese? SVP nominiert 16 Kandidaten – ihr Präsident gibt mutiges Versprechen ab

Die SVP Aargau hat am Mittwoch in Rothrist die Liste der Nationalratskandidaten bereinigt. Nicht mehr dabei sind wegen der Altersbeschränkung die langjährigen Nationalräte Ulrich Giezendanner, Sylvia Flückiger, Luzi Stamm und Maximilian Reimann.

«Nur bei der SVP weiss man immer, welchen Hut die Kandidatinnen und Kandidaten anhaben: den mit dem Schweizerkreuz.» Das sagte der kantonale Wahlkampfleiter Werner Laube, nachdem der Parteitag in Rothrist am Mittwochabend die 16er-Liste für den Nationalrat bestimmt hatte. Nominiert wurden die Vertreter der Volkspartei, die mit sieben Sitzen die mit Abstand grösste Aargauer Delegation in Bundesbern stellt, ohne Diskussion und einstimmig.

Das erstaunte sogar Kantonalpräsident Thomas Burgherr, der nach dem Parteitag gegenüber der AZ sagte, er hätte schon mit einigen Wortmeldungen oder Anträgen gerechnet.
Dass die 16 Nominierten kurz nach 21.30 Uhr einträchtig auf der Bühne standen und mit Schweizerkreuz-Kappen für die Fotografen posierten, hatten sich Findungskommmission, Wahlleitung und Parteivorstand mit Sicherheit gewünscht.

16 Kandidaten für Nationalratswahlen gewählt

16 Kandidaten für Nationalratswahlen gewählt

Die Aargauer SVP nominierte die Kandidaten an der gestrigen Versammlung. Was wohl das Schweizer Kreuz und ein Generationswechsel für eine Rolle spielten.

Doch ohne Misstöne war die Auswahl bei der SVP in den letzten Monaten keineswegs verlaufen. Dass mit Ulrich Giezendanner, Sylvia Flückiger, Luzi Stamm und Maximilian Reimann vier bewährte Zugpferde der neuen Alters- und Amtszeitregel zum Opfer fielen, sorgte innerhalb der Partei für heftige Diskussionen.

Erst letzte Woche hatte Stamm definitiv seinen Verzicht auf eine Kandidatur auf der offiziellen SVP-Liste erklärt, dennoch hatten manche Mitglieder mit einem Antrag am Parteitag gerechnet, Stamm doch auf die Liste zu setzen. Auch die regionale Auswahl der Kandidaturen – gleich vier aus dem Bezirk Zofingen, keine aus dem Bezirk Brugg – gab im Vorfeld der Nomination zu reden.

Die Rückkehr der Schweizerkreuze: Die SVP geht mit einer 16er-Liste in die Nationalratswahlen.

Die Rückkehr der Schweizerkreuze: Die SVP geht mit einer 16er-Liste in die Nationalratswahlen.

Sieben Sitze – und ein Ständerat

Doch am Parteitag selber redeten nur die Kandidierenden, die sich jeweils kurz vorstellten und per Videoübertragung auf die Leinwand projiziert wurden. Keine einzige Frage kam von den Delegierten, auch als die Kandidaten den Saal verliessen, gab es keine Wortmeldungen. So dauerte es nur kurz, bis die 16 Nominierten im Gänsemarsch, mit Schweizerkreuz-Kappe und unter Applaus in den Saal zurückkehrten.

Die SVP,  die vor vier Jahren einen Wähleranteil von 38 Prozent und sieben Sitze im Nationalrat erreichte, den Einzug in den Ständerat aber verpasst hatte, setzt sich für den kommenden Wahlherbst hohe Ziele. «Wir wollen die sieben Sitze verteidigen und zusätzlich Hansjörg Knecht in den Ständerat bringen – er ist ein Superkandidat», sagte Kantonalpräsident Thomas Burgherr. Danach begrüsste er Satiriker Andreas Thiel, der bei seinem Auftritt vor den SVP-Mitgliedern über Mehr- und Minderheiten sinnierte. Den Kandidaten gab Thiel den Rat mit auf den Weg, sich selber nicht zu ernst zu nehmen. Derweil versprach Burgherr, er werde sich einen farbigen Irokesen schneiden lassen, wie Thiel ihn trägt, wenn die SVP Aargau im Herbst wieder einen Wähleranteil von 38 Prozent erreiche.

Schmitter und Amstutz mahnen

Doch es gab nicht nur die heiteren Momente mit Thiel und die diskussionslose Nomination. Zu hören waren auch mahnende Worte, so kritisierte Adrian Schmitter, Gemeinderat in Rothrist und Präsident des SVP-nahen Club Bürgerliche 100, manche Politiker würden heute nur Karriereplanung betreiben. Er rief die Kandidaten für Bundesbern auf, die Basis nicht zu vergessen und bei Ortsparteien präsent zu sein.

In einem leidenschaftlichen Referat motivierte der ehemalige Fraktionschef Adrian Amstutz die Aargauer SVP-Basis für den Wahlkampf. Es brauche viel Einsatz, wenn ein Plakat heruntergerissen werde, müsse es ersetzt werden, die Mobilisierung der Wählerschaft sei enorm wichtig. Und den Kandidaten empfahl er: «Redet nicht gescheiter, als ihr seid, das kommt nicht gut an.»

Die Kandidaten in Bildern:

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