Aarau
Blumenläden haben es streng am Valentinstag: «Gefragt ist alles, was rot ist»

Die Nachfrage nach Blumen, besonders nach Rosen ist enorm. Der Valentinstag ist ein Schlüsseltag im Geschäftsleben von Blumenhändlern und Floristinnen. Er fordert von den ihnen einiges ab – vor allem Gelassenheit.

Katja Schlegel
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Die Rosen müssen her, heute am Valentinstag im Blumenladen «Blütentanz».
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Volle Einkaufwagen am Morgen beim Blumen-Grossisten
Die Vorbereitungen für den Valentinstag laufen auf Hochtouren
Mascha Hug bindet ein Valentinstags-Sträusschen
Rote Rosen, frisch aus Holland angeliefert
Rosen, wohin das Auge blickt
Lea Reinhard sucht sich die schönsten Rosen aus
Ein typisches Valentinstags-Sträusschen
Ein Herz mit Liebeserklärung
Ein hübsches Gesteck

Die Rosen müssen her, heute am Valentinstag im Blumenladen «Blütentanz».

Annika Bütschi

Selbst die Vögel hocken matt auf den Ästen, ums Zwitschern ist es in dieser Herrgottsfrühe noch keinem. Es ist stockdunkel, doch beim Aarauer Blumen-Grossisten «Schnittflor» brennen bereits alle Lichter. Hier bleibt keine Zeit für Trägheit. Wer an diesem Morgen zu spät kommt, den bestraft der Kunde. Der Valentinstag steht vor der Tür, Rosen müssen her.

Lea Reinhard steht mit ihrem Einkaufszettel in der Hand in den Räumen des Grossisten. Für die Floristin aus Küttigen ist heute ein spezieller Tag. Für sie und all die anderen Floristinnen, die hier in aller Frühe die Ware für ihre Läden zusammenkaufen. An diesem Morgen ist der Einkauf besonders wichtig.

Im Kühlraum des Grossisten breitet sich das Blütenmeer aus, bunt und duftig. Hier möchte man sich hinlegen, die Nase in die Blütenköpfe stecken und den Duft der Blumen tief einatmen. Doch für solche Träumereien bleibt kaum Zeit. Es eilt.

Die Qualität geht vor

Schritt für Schritt schiebt sich Lea Reinhard durch die Regale, prüft mit kritischem Auge die ausgestellte Ware, die eben direkt aus Holland angeliefert wurde. Was passt und gefällt, nimmt sie in den Arm; Rosen, Ranunkeln, Tulpen, Stielgras und anderes Grünzeug, Hibericum, Astern.

Die Wahl bezüglich Farben fällt deutlich einseitiger aus: «Es müssen nicht immer Rosen sein, gefragt ist alles, was rot ist», sagt Reinhard. Rot und ein bisschen rosa – damit die Sträusse mit all dem tiefen, blutroten Farbton nicht zu düster ausfallen, steckt sie auch mal ein zartrosa Wildröschen oder eine orangefarbige Tulpe mit hinein.

Nach 50 Minuten ist der Einkauf erledigt. «Rot ist heute teuer», sagt Lea Reinhard und zuckt mit den Schultern. «Der Valentinstag wird auf der ganzen Welt gefeiert, jeder will da rote Rosen haben.» Und das treibt den Preis in diesen Tagen in die Höhe.

Was die Rosen kosten und wie viele bestellt werden, darüber spricht man nicht gerne. «Mehr als mancher vermutet», sagt Reinhard nur. Aber das Wichtigste ist ihr, dass die Qualität stimmt, und die hat ihren Preis.

«Das Rüsten ist Knochenarbeit»

Im Hinterzimmer vom Blumenladen «Blütentanz» ist es eng. Auf Hängeregalen stehen Schachteln gefüllt mit Schneckenhäusern, Perlen, Drähten und ausgeblasenen Eiern, von der Wachtel bis zur Gans. Am Boden stehen Vasen voller Blätter, Ästen und Gräser, an einer Stange hängen Geschenkbänder in allen Farben und Beschaffenheiten. Und inmitten all dieser Dinge steht ein riesiger Tisch.

Hier geht es jetzt ans Rüsten. Der Stiel jeder einzelnen Blume wird abgeschnitten, Blätter und Dornen abgeschabt. Das Abgeschnittene segelt zu Boden, wo Hündin Cara auf einer Decke zusammengerollt schläft. Hilfe hat Lea Reinhard dabei von ihren Mitarbeiterinnen, Mutter Denise Frey und Mascha Hug.

«Das Rüsten ist Knochenarbeit», sagt Lea Reinhard und schneidet das nächste Pack Blumen auf. Erst die Arbeit, dann das Vergnügen. Sträusse gebunden und Gestecke gemacht werden am Nachmittag, jetzt wird alles vorbereitet. Das ist Lea Reinhards oberstes Gebot: Ihre Ware muss frisch sein und frisch bleiben. Dafür steht sie am Valentinstag auch um 6 Uhr in der Blumenbörse.

Nicht zu viel und nicht zu wenig

Der Valentinstag fordert Gelassenheit. Werden bereits am Morgen grosse Mengen Rosen gekauft, so führt das schon mal zur Unsicherheit, ob die Rosen bis zum Ladenschluss reichen. «Man muss Ruhe bewahren, auch wenn die Rosen weggehen wie warme Weggli», sagt Lea Reinhard und lacht.

Eine überstürzte Fahrt zur Blumenbörse räche sich meist, dann bleibe man auf der Ware sitzen. Am Tag danach will keiner mehr rote Rosen kaufen. «Es ist eine Lotterie, aber ich kann mich inzwischen gut auf mein Gefühl verlassen.»

Ist der Valentinstag für Blumenläden der strengste Tag im Jahr oder läuft ihm der Muttertag den Rang ab? Lea Reinhard schüttelt den Kopf. «Unglaublich, aber wahr: Der strengste Tag ist Weihnachten.»