Mit 1200 Leuten ist die Zofinger Mehrzweckhalle jeweilen ausverkauft. Am Samstagmittag waren gut 1400 Besucherinnen und Besucher zugegen, um alt Bundesrat Christoph Blochers Würdigung dreier Aargauer Persönlichkeiten zuzuhören. Das Publikum war generationenmässig durchmischt, und es folgte den rhetorisch packend vorgetragenen Ausführungen mit grosser Aufmerksamkeit, unterbrach den Referenten jedoch immer wieder mit Beifall und mit Lachen.

«Kindergarten»: Blocher zum «Weisswein-Vorwurf» und Giezendanners Ausraster.

Blocher zum "Weisswein-Vorwurf"

Zum Zug kamen in der diesjährigen «Bärzelitags-Veranstaltung» drei völlig unterschiedliche Personen, die aber alle dazu beigtragen haben, dass der Aargau, auch wenn sein Gründungsjahr erst auf 1803 fällt, heute kein Durchschnittsstand ist, sondern eine tragende Stimme im Konzert der 26 Kantone und Halbkanone. Christoph Blocher gratulierte der Aargauer Regierung und dem Aargauer Volk, dass die Eroberung vor 600 Jahren 2015 staatsmännisch und würdig gefeiert wurde. «Von euch könnte die Eidgenossenschaft etwas lernen. Dass die Eidgenossen nach der Eroberung des Aargaus freiheitliche und demokratische Herren gewesen waren, kann man freilich nicht behaupten. Aber gerade dadurch ist ein zäher, bescheidener Menschenschlag entstanden.»

Wer auf der A3 von Basel Richtung Zürich fährt und die Augen offen hält, entdeckt ein schmuckes, bescheidenes Landschlösschen. Niemand käme darauf, dass dieses Schloss die Stammburg einer der einst mächtigsten globalen Herrscherfamilien, in deren Reich die Sonne nie unterging, sein soll. «Wir sprechen von der Habsburg, die dem Geschlecht der Habsburger den Namen gegeben hat.» Das immer mächtigere Grafengeschlecht verliess jedoch die offenbar allzu bescheidene Burg schon zu Beginn des 13. Jahrhunderts, und nach der Eroberung des Aargaus 1415 ging die Habsburg an die Eidgenossenschaft über, heute gehört sie dem Kanton Aargau.

Apropos Kanton Aargau: Dieser wollte die Habsburg einmal verkaufen, da sie seine Staatskasse zu stark belaste. Es kam jedoch nicht dazu, und Christoph Blocher meinte: «Sollte so etwas je wieder einmal in Betracht gezogen werden, könne die Aargauer Regierung bei ihm anklopfen.»

Die Zuhörerinnen und Zuhörer würden sich vielleicht fragen, was Johann Heinrich Pestalozzi unter den Aargauern zu suchen habe. Sein bekanntestes Denkmal steht an der Zürcher Bahnhofstrasse, weil er ein Zürcher war. Doch die bedeutendsten 30 Jahre seines Lebens wirkte er auf dem Neuhof in Birr, wo er auch seine weltweit erfolgreichsten Schriften verfasste.

Abgerundet wurde der Anlass mit dem Leben der Schriftstellerin Sophie Haemmerli-Marti.