Statistik

Biss-Attacke auf Unterentfelder Schüler: Kleinere Hunde beissen öfter zu

Der Rottweiler, ein Hund mit «erhöhtem Gefährdungspotenzial»

Der Rottweiler, ein Hund mit «erhöhtem Gefährdungspotenzial»

Der Bullmastiff «Rock» sorgte letzte Woche für Wirbel. Er biss auf dem Pausenplatz der Schule Unterentfelden drei Kinder und zwei Erwachsene. Die Statistik zeigt aber, meist sind es die «nicht potentiell gefährlichen Hunde», die zubeissen.

Der Hund, der in Unterentfelden auf Schulkinder losging, bleibt bis auf weiteres amtlich beschlagnahmt. Die polizeiliche Ermittlungsarbeit sei noch nicht vollständig abgeschlossen, teilt Kantonstierärztin Erika Wunderlin auf Anfrage mit. Bullmastiff «Rock» befindet sich unter Beobachtung in einem Tierheim.

Anders als in Zürich und im Tessin gehört der Bullmastiff im Aargau nicht zu den sogenannten Listenhunden, für die eine Haltebewilligung notwendig ist, weil der Gesetzgeber von einer Rasse mit erhöhtem Gefährdungspotenzial ausgeht. Wie kam diese Liste überhaupt zustande? Dafür gebe es verschiedene Kriterien, so die Kantonstierärztin.

Wichtig für die Zuweisung zur Rasseliste sei das in der Vergangenheit verfolgte Zuchtziel gewesen, geeignete Hunde für Tierkämpfe in der Arena zu züchten. Weiter die Häufigkeit und Verbreitung einer bestimmten Rasse und das Missbrauchspotenzial: Listenhunde würden häufig als Statussymbole im kriminellen Milieu gehalten, wo sie der Machtdemonstration dienten oder als Mittel zur Drohung und Einschüchterung missbraucht würden. Gemäss der Einschätzung der vorbereitenden Kommission für das Hundegesetz habe der Bullmastiff grundsätzlich keine der genannten Kriterien erfüllt, so Wunderlin.

Hunde-Attacke in Unterentfelden

Hunde-Attacke in Unterentfelden

Oft beissen kleine Hunde zu

Die Halter von Bullmastiff «Rock» beteuern denn auch, dass ihr Hund noch nie als aggressiv aufgefallen und überhaupt kein problematischer Hund sei. Dass dies keine Gewähr dafür bietet, dass es nicht zu einem Unfall kommt, zeigt die Statistik: Im vergangenen Jahr wurden dem Veterinärdienst insgesamt 517 Vorfälle mit Hunden gemeldet, bei rund der Hälfte der Vorfälle wurden Personen leicht bis mittelschwer verletzt.

Dabei fällt zweierlei auf: Erstens sind Opfer und Hund oft bekannt, häufig führen Interventionen bei einer Rauferei zwischen Hunden zu einer Bissverletzung. Zweitens sind es meist tatsächlich gerade nicht grosse, starke Hunde wie der Bullmastiff von Unterentfelden oder offiziell als potenziell gefährlich eingestufte Hunde, die zubeissen. Grundsätzlich könne festgehalten werden, dass häufig kleinere Hunde zum Beispiel des Typs Terrier wie Jack Russel in Bissvorfälle verwickelt sind, so Kantonstierärztin Wunderlin.

Anderseits ist dies aber auch kein Indiz, dass die vor der Abstimmung über das neue Hundegesetz Ende 2011 viel kritisierte Rassenliste gar nicht zur Einschätzung des Gefährdungspotenzials taugt. Wohl betrafen nur 33 der im vergangenen Jahr registrierten Beissunfälle sogenannte Listenhunde. Das sind aber immerhin gut 6 Prozent der Vorfälle, während die Listenhunde weniger als 2 Prozent aller rund 39 000 im Aargau registrierten Hunde ausmachen.

Die mit dem neuen Hundegesetz eingeführten, verschärften Voraussetzungen zum Halten etwa eines Rottweilers oder American Pit Bulls scheinen im übrigen nicht besonders abschreckend auf die Liebhaber von oft als Kampfhunde diskriminierten Rassetypen zu wirken. Derzeit sind 716 Halteberechtigungen für Listenhunde ausgestellt, bei Inkrafttreten des Hundegesetzes 2012 waren es 780. Dass Halter von Listenhunden ohne Halteberechtigung angetroffen werden, komme «hin und wieder vor», heisst es beim kantonalen Veterinärdienst.

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