Das kantonale Gesetz über die Berufs- und Weiterbildung sagt es klipp und klar: Die Berufsschulen sind berechtigt, gegenüber den Lernenden Bussen zu verhängen. Die meisten der aargauischen Berufsschulen machen von diesem Recht Gebrauch.

Dies führt dazu, dass für viele Schulen die Bussen zu einer unentwegt sprudelnden Einnahmequelle geworden sind. Deshalb brauchen die Schulen auch ein Konzept, was mit dem Bussgeld geschehen soll. Immerhin kassieren einzelne Schulen in bussenreichen Jahren bis zu 100 000 Franken. Beträge, die bei Aussenstehenden auch immer wieder für Diskussionen sorgen.

Der Umgang mit Bussen wird an den Berufsschulen unterschiedlich gehandhabt. An der Berufsschule Lenzburg etwa werden sie konsequent eingefordert. Rektor Ruedi Suter betont, Bussen seien ein erzieherisches Mittel. Man mache mit dem Motto «Hinschauen und reagieren und nicht wegschauen und schweigen» gute Erfahrungen.

Busse nur eine mögliche Massnahme

«Zum Reagieren gehört auch das konsequente Einschreiten bei Verstössen gegen die Schulregeln», sagt Suter. Dabei sei das Aussprechen von Bussen nur eine von verschiedenen möglichen Massnahmen. «Denn zum Lehrauftrag der Berufsschule gehört nicht nur die Wissensvermittlung, sondern auch der erzieherische Aspekt. Diesen nehmen wir ernst, indem wir die Schüler zu korrektem Verhalten, zu Pünktlichkeit, Zuverlässigkeit und Ordnung erziehen und diese Werte auch konsequent einfordern.»

Konkret bedeutet dies, dass wer als Lernender zu spät kommt, eine Busse von 20 Franken erhält. 20 Franken kostet auch jede unentschuldigt versäumte Lektion. Wer einen ganzen Tag schwänzt, zahlt 185 Franken. Erschwerend kommt hinzu, dass die Berufsschule Lenzburg die Bussen samt Rechnung direkt an den Lehrbetrieb schickt, was die Lernenden dann häufig in einen eher unangenehmen Erklärungsnotstand bringt. Auch für andere disziplinarische Vergehen können Bussen bis maximal 100 Franken ausgesprochen werden. Dazu gehören etwa das Stören des Unterrichts, eingeschaltete Handys zur falschen Zeit am falschen Ort oder auch das Spucken auf den Boden.

Allein an der Berufsschule Lenzburg, wo 2500 Lernende unterrichtet werden, kommen so jedes Jahr mindestens 70 000 Franken an Bussgeldern zusammen. Das Geld fliesst grösstenteils sofort wieder an die Lernenden zurück. So werden damit die Wintersportwoche unterstützt, Exkursionen subventioniert oder eine Kletterwand errichtet. Unterstützt werden auch wohltätige Projekte. Das Äufnen eines Bussenfonds sei nicht vorgesehen, erklärt Rektor Suter.

Dennoch befinden sich in einigen Schulen ordentliche Beträge in den Kassen: Die Handelsschule KV Aarau verfügt inzwischen über eine Reserve von 90 000 Franken, die Berufsschule Aarau über eine solche von 80 000; und einige der befragten Berufsschulen mochten sich zu dieser Frage gar nicht äussern.

Keine Bussen in Brugg

Ein anderes Konzept verfolgt die Berufsfachschule für Gesundheit und Soziales in Brugg. Dort verzichtet man ganz auf Bussen. «Wir können bis dato einen geordneten Schulbetrieb ohne das Verhängen von Bussen sicherstellen», erklärt Rektor Felix Scheidegger.

Sehr moderat werden am landwirtschaftlichen Zentrum Liebegg die Bussen verhängt. «Da wir einen geordneten Schulbetrieb auch ohne Bussen garantieren können, verfügen wir über kein eigentliches Bussenregime», sagt Rektor Hansruedi Häfliger. Einzige Ausnahme: Die Benützung der Handys zur Unzeit wird mit einer Busse von 5 Franken bestraft. Die grosse Disziplin der angehenden Landwirte zeigt sich in der Höhe der kassierten Bussen. Im letzten Jahr gingen nur gerade 150 Franken ein. Und das bei doch immerhin 400 Lernenden. Das Geld wurde an die Berghilfe überwiesen.

Hans Marthaler, Rektor des Bildungszentrums Fricktal, hält Bussen als disziplinarische Sanktionen für sinnvoll. Aber an irgendwelchen pädagogischen Nutzen glaubt er nicht. Er stellt zudem fest, dass relativ wenige Wiederholungstäter unter den 760 Lernenden in Rheinfelden einen grossen Teil des jährlichen Bussgeldes von 30 000 Franken pro Jahr generieren. Auch im Fricktal kommt das Geld den Lernenden zugute, und zwar vorwiegend als Subventionen für Exkursionen; und, so erklärt Marthaler, man sei da auch nicht zimperlich, da werde durchaus auch einmal eine Reise in den Europa-Park unterstützt.

Am Berufsbildungszentrum Freiamt versucht man, möglichst wenig Bussen auszustellen. «Vielmehr erwarten wir, dass die Lernenden über eigenes Reflektieren ihr Verhalten ändern», sagt Rektor Philippe Elsener. Was im Freiamt auffällt: Die Lehrpersonen bezahlen Bussen in gleicher Höhe wie die Lernenden, allerdings direkt in die Klassenkasse.

Die befragten Rektoren und Schulleiter sind sich uneinig, ob die gewerblich- industriellen Berufslernenden mehr Bussen generieren als die eher braveren Kolleginnen und Kollegen vom KV. Einig sind sie sich hingegen, dass die Höhe der erzielten Bussgelder nicht nur von der Grösse der Schule abhängt, sondern auch von der Konsequenz, mit der die Lehrpersonen die Sanktionen durchsetzen.