Einstimmig sprach sich der Grosse Rat für die vom Regierungsrat vorgeschlagene «Entwicklungsstrategie 2045» der Aargauer Mittelschulen aus. Das bedeutet, dass es im Aargau bis im Jahre 2045 zwei neue Mittelschulstandorte geben wird: Das Fricktal erhält eine Mittelschule und eine zweite soll im Raum Lenzburg-Brugg gebaut werden. Zurzeit sind die Aargauer Mittelschule zu 105 Prozent ausgelastet.

Bis ins Jahr 2045 wird die Zahl der Gymnasiastinnen und Gymnasiasten von heute 6000 auf 7500 ansteigen; zudem können die Fricktaler Mittelschüler künftig nicht mehr das Gymnasium in Basel besuchen.

Im umfangreichen Planungsbericht zeigte der Regierungsrat auf, wie er sich die Schulraumplanung der nächsten Jahre für die Mittelschule angehen will und stellte dazu neun Leitsätze auf. Es handelt sich also um keine Finanzvorlage. Sondern mit der Zustimmung zum Planungsbericht, erteilte der Grosse Rat der Regierung den Auftrag, die in den Leitsätzen genannten Bauvorhaben anzugehen.

FDP vermisst Angaben zu den Gesamtkosten und Flexibilität

Es gehe noch nicht um die Standortfrage der beiden neuen Schulen, sagte Tanja Primault-Suter, Präsidentin der Bildungskommission. Die Bildungskommission stimme der Strategie zu, sagte Primault-Suter; aber es gebe auch noch offen Fragen.

So würde nur schon eine leichte Erhöhung der Maturitätsquote von heute 16,4 Prozent im Aarau um ein Prozent zu einer Zunahme von weiteren 350 Schülern führen. Ein Thema sei auch die Erhöhung der Abteilungsgrösse gewesen; heute liegt der Durchschnitt bei 21,4 Schülern.

Die FDP-Fraktion bemängelte, dass in den aufgeführten Kosten von 186 Millionen Franken diverse Aufwendungen fehlen würden. So etwa die Kosten für die Erweiterungen der Schulen in Wettingen und Baden oder auch die Unterhalts- und Betriebskosten der neuen Kantonsschulen.

Fraktionssprecherin Sabina Freiermuth kritisierte, dass die Strategie zu wenig flexibel auf allfällige Veränderungen reagieren könne und keine Varianten aufzeige. Deshalb beantragte sie im Namen der FDP, der Planungsbericht sei nur als Zwischenbericht zu klassieren, der im Sinne einer rollenden Planung ständig aktualisiert werde.

Erstmals habe das zu geschehen, wenn der Bericht über die Verkürzung der Schulzeit bis zur gymnasialen Matura vorliege.

SVP hält neue Kanti im Aargauer Mittelland nicht für zwingend

Die SVP-Fraktion störte sich am Leitsatz 4, der festlegt, dass per 2030 im Aargauer Mittelland eine zusätzliche Kantonsschule entstehen soll. Das sei etwas übereifrig, sagte Michaela Huser. Die SVP verlange, dass der Leitsatz offener formuliert werde. Vielleicht gebe es auch andere Optionen, die einen weiteren Neubau überflüssig machen.Zum Beispiel grössere Klassen, Ausbau an anderen Standorten, Verkürzung der Schuldauer.

Daniel Mosimann (SP) entgegnete, es gehe auch darum, dass man sich jetzt mit dem Landerwerb beschäftigen müsse, wenn man 2030 die neue Kanti eröffnen werde, egal, ob in Lenzburg oder Brugg.

Bildungsdirektor Hürzeler plädierte ebenfalls dafür, den Leitsatz 4 nicht aufzuweichen. Und er lieferte die von der FDP vermisste Angabe zu den Kosten: Der Kanton lässt sich die Mittelschulen bis 2045 rund eine halbe Milliarde Franken kosten. Der Grosse Rat lehnte die Änderungsanträge von FDP und SVP deutlich ab.