Wahlkampf
«Bin keine rote Feministin»: Yvonne Feri kandidiert als Ständerätin

Seit 2011 sitzt Yvonne Feri für die Sozialdemokraten im Nationalrat. Nun will sie für Pascale Bruderer ins «Stöckli». Die erste SP-Anwärterin für den frei werdenden Sitz im Ständerat wehrt sich gegen ihr linkes Image.

Fabian Hägler
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Yvonne Feri will den Aargau als Ständerätin vertreten.

Yvonne Feri will den Aargau als Ständerätin vertreten.

KEYSTONE

Am Donnerstag vor sechs Wochen hat Pascale Bruderer am Parteitag der SP bekannt gegeben, dass sie im Herbst 2019 nicht mehr als Ständerätin kandidiert. Nun ist klar, wer ihre Nachfolgerin werden könnte: Yvonne Feri (51), die seit 2011 für die Sozialdemokraten im Nationalrat sitzt, will ins «Stöckli».

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Feri sagt der AZ: «Ich habe für mich persönlich entschieden, dass ich im Herbst 2019 für den Ständerat kandidieren möchte.» Dies habe sie auch der Parteileitung der SP Aargau so mitgeteilt. Feri erklärt: «Ich fühle mich nach zwei Amtsperioden im Nationalrat bereit und bin motiviert, den Kanton Aargau in der kleinen Kammer zu vertreten.»

Feri, die seit Ende 2011 Nationalrätin ist, kandidierte vor zwei Jahren für den Aargauer Regierungsrat. Damals unterlag sie im zweiten Wahlgang SVP-Vertreterin Franziska Roth.

Die Karriere von Yvonne Feri in Bildern:

Yvonne Feri im März 2001 Sie kandidierte damals wieder für den Grossen Rat. Mitglied in diesem war sie von 1998 bis 2008.
10 Bilder
Yvonne Feri im Jahr 2003 Damals war sie Präsidentin der Stiftung Frauenhaus Aargau, Mitglied des Grossen Rats und Einwohnerrätin in Wettingen.
Yvonne Ferie Ende August 2005 Damals kandidierte die Einwohnerrätin für den Gemeinderat in Wettingen. Sie schaffte die Wahl und begann am 1.1.2006 ihr Amt. Ende 2016 tritt sie aus dem Gemeinderat aus.
Yvonne Feri im Mai 2006. Damals war sie 4 Monate im Amt als Gemeinderätin in Wettingen.
Yvonne Feri gemeinsam mit Markus Dieth im Oktober 2011 Der Wettinger Gemeindeammann und mittlerweile Regierungsrat gratuliert der frisch gewählten Nationalrätin. Yvonne Feri ist bis heute Nationalrätin.
Die Karriere von Yvonne Feri in Bildern
Yvonne Feri (Mitte) wartet auf die Resultate an den Nationalratswahlen im Oktober 2015 Starren auf den Bildschirm: Die beiden wiedergewählten SP-Nationalräte Cédric Wermuth und Yvonne Feri (von links).
Yvonne Feri mit ihrer Tochter Celina im Jahr 2016 Gemeinsam besuchten Mutter und Tochter das Neujahrskonzert und den Neujahrsapero in Wettingen.
2016 kandidiert Yvonne Feri für den Aargauer Regierungsrat. Sie unterliegt im zweiten Wahlgang der SVP-Vertreterin Franziska Roth. SP-Co-Präsidentin Elisabeth Burgener (v.l.), SP-Co-Präsident Cédric Wermuth, Yvonne Feri und Grossrätin Kathrin Scholl warten im Volkshaus in Aarau auf erste Abstimmungsergebnisse des zweiten Wahlgangs.
2018: Yvonne Feri positioniert sich als Nachfolgerin von Ständerätin Pascale Bruderer, die an den nächsten Parlamentswahlen 2019 nicht mehr antritt.

Yvonne Feri im März 2001 Sie kandidierte damals wieder für den Grossen Rat. Mitglied in diesem war sie von 1998 bis 2008.

Aargauer Zeitung

Oft war im Wahlkampf zu hören, Feri politisiere zu weit links und sei für Mitte-Wähler keine Option. Dies würde ihre Chancen für eine Wahl in den Ständerat markant schmälern, zumal Pascale Bruderer bis weit ins bürgerliche Lager hinein Stimmen holte. Für Feri ist dieser Vorwurf nicht neu. «Das höre ich oft, doch sehe ich mich mit anderen Augen», sagt die frühere Präsidentin der SP Frauen.

Mitglied der Reformplattform

Feri betont, sie gehöre, wie Pascale Bruderer auch, der reformorientierten Plattform der SP an. «Ich bin keineswegs die radikale rote Feministin, als die ich manchmal bezeichnet werde», hält sie fest. Sie setze sich für die Anliegen der Frauen und der Männer ein, macht Feri deutlich, denn Gleichstellung sei auch eine Männerangelegenheit.

«Ich werde am Donnerstag in Aarau eine Ansprache an der Demonstration für die Gleichstellung im Aargau halten – aber ich bin kein Typ wie andere fundamentalistische Kräfte, die sehr ideologisch auftreten.» Sie habe vor langer Zeit zum Beispiel bei der Gewerkschaft Unia in der Administration gearbeitet, «aber ich war nicht die Demonstrantin, die an vorderster Front marschiert und Parolen schreit.»

Dass sie feministische Anliegen vertritt, ist bei Feri kein Geheimnis. «Man kann es vielleicht so vergleichen: Pascale Bruderer setzt sich für Benachteiligte mit Handicap ein, ich engagiere mich für die Gleichstellung der Geschlechter, ganz gemäss Verfassungsauftrag», sagt sie dazu. Feri sagt weiter, sie arbeite im Übrigen sehr gerne mit Männern zusammen. «Unter anderem war ich elf Jahre lang mit dem heutigen Aargauer Finanzdirektor Markus Dieth im Gemeinderat Wettingen, und das hat sehr gut funktioniert.»

Im neuen Parlamentarier-Rating der «NZZ» vom Dezember 2017 wird Feri indes weit links eingeordnet. Mit einem Wert von –9,3 gehört sie zu den Nationalratsmitgliedern, die nahe beim Maximalwert von –10 stehen. Laut der Auswertung des Instituts Sotomo von Politologe Michael Hermann steht Yvonne Feri auch innerhalb der SP links der Mitte und hat sich mit ihrer Fraktion in den letzten Jahren nach links bewegt. Feri selber sagt: «Bei meinem Abstimmungsverhalten stehe ich für traditionelle SP-Werte wie soziale Gerechtigkeit ein, aber im Ton und in der Wortwahl bin ich nicht die linke Ideologin.»

Partei reagiert zurückhaltend

Für sie sei klar, dass die linken Kräfte im Aargau angemessen in Bern vertreten sein sollten, sagt Feri. Darum wolle sie den SP-Sitz von Pascale Bruderer verteidigen. «Ich weiss noch nicht, ob es interne Konkurrenz gibt und wie das Feld der Kandidatinnen und Kandidaten der anderen Parteien aussieht. Deshalb kann ich nichts zu meinen Wahlchancen sagen», hält sie fest.

Zurückhaltend äussert sich auch Elisabeth Burgener, die Co-Präsidentin der SP Aargau. «Es ist korrekt, dass Yvonne Feri die Parteileitung über ihre Absicht informiert hat, für den Ständerat kandidieren zu wollen. Ich möchte mich derzeit aber nicht näher zu ihrer Kandidatur äussern, weil wir in der Parteileitung erst noch den Zeitplan für die Nomination festlegen werden.

Es werde eine Ausschreibung geben, Bezirks- oder Ortsparteien könnten der Parteileitung ihre Kandidaturen melden, daraus werde die Parteileitung die Auswahl treffen «und dem Nominationsparteitag dann ein Einer- oder Zweierticket vorschlagen», kündigt Burgener an. Dass die SP antreten werde, um den Sitz von Pascale Bruderer zu verteidigen, stehe fest. Wer für die Aargauer Genossen kandidiert, bestimme aber der Parteitag. «Deshalb möchte ich noch nichts zu den Chancen von Yvonne Feri sagen, als SP-Kandidatin nominiert oder in den Ständerat gewählt zu werden», erklärt Burgener.