Pflegeheime

Billiges Pflegeheim im Ausland: Aargauer Politiker winken ab

Sind Pflegeheime für Schweizer im Ausland der neue Trend? (Symbolbild)

Sind Pflegeheime für Schweizer im Ausland der neue Trend? (Symbolbild)

Die Firma Novacorpus bietet in Kroatien ein Pflegeheim zu besten Konditionen an – mit hoher Qualität und grosser Sicherheit und um einiges billiger als in der Schweiz. Reaktionen aus dem Aargau.

Die Genfer Firma Novacorpus ist auf medizinische Behandlungen im Ausland spezialisiert, nun hat sie vielleicht eine Marktlücke entdeckt. Der Direktor, Stéphane von Büren, will im Pflegeheim in Kroatien eine Deutschschweizer Insel mit hohem medizinischen Standards, deutschsprachigem Personal und einer modernen Infrastruktur schaffen, wie er gegenüber 20 Minuten sagt. Auch an typisch schweizerischem Essen soll es nicht fehlen.

In Kroatien werden Pflegeplätze ab monatlich 2700 Franken angeboten, in der Schweiz kosten Pflegeplätze pro Monat rund 6000 bis 10 000 Franken, wie Novacorpus aufführt.

Experten sind eher skeptisch

Doch was denken Experten dazu? Ruth Humbel, Aargauer CVP-Nationalrätin und selbstständige Beraterin im Gesundheitswesen ist skeptisch: «Menschen an einen anderen Ort zu verpflanzen ist realitätsfremd und unwürdig.» Der Besuch und die Beziehung zu Angehörigen sei sehr wichtig und so nicht gegeben. «Wenn es aber darum geht, Menschen aus dem Balkan wieder in ihre Heimat und zu ihrer Tradition zurückzuführen, wäre das eine gute Idee», sagt Humbel.

Auch Barbara Roth (SP), Präsidentin der Gesundheitskommission des Grossen Rates ist skeptisch: «Es stellt sich die Frage, ob die fachliche Qualität für betagte und bedürftige Menschen wirklich gewährleistet ist.» Die Pflegeleistungen seien nicht kontrollierbar aus der Ferne.

Kurbelt Wettbewerb an

Das Departement Gesundheit und Soziales (DGS) des Kantons Aargau kann sich dazu nicht äussern. «Wir können dies nicht beurteilen, das ist auch nicht unsere Aufgabe», sagt Balz Bruder, Mediensprecher des DGS. Doch einen Rat gibt er trotzdem ab: Man sollte im Voraus abklären, welche Leistungen des Heimatlandes man auch im Ausland beziehen kann und wie die Pflegekosten finanziert werden.

Fredy Böni, Gemeindeammann von Möhlin und SVP-Grossrat begrüsst grundsätzlich den Wettbewerb. Doch «es stellt sich die Frage, ob es Sinn macht, ältere Menschen aus ihrem Umfeld zu reissen», sagt er. Böni ist unter anderem im Verwaltungsrat des Pflegezentrums Barmelweid und er macht sich für einen Ausbau der Spitexleistungen stark. Mit dem Ziel, dass pflegebedürftige Menschen länger in ihrem gewohnten Umfeld bleiben können. Pflegeplätze seien aber trotzdem notwendig. «Ich denke, die Masse wird vom besagten Modell nicht Gebrauch machen. Der Schritt ins Altersheim ist oft schon sehr gross, ein Schritt ins Ausland wäre noch grösser.»

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