Grosser Rat
Bildungskommission fällt einstimmiges Urteil: «Nicht bei den Schülern sparen»

Die Bildungskommission des Grossen Rates und die FDP lehnen weitere Sparmassnahmen in der Bildung ab. In der Primarschule sollen unter anderem weniger Deutsch, Realien und Musik unterrichtet werden. In der Oberstufe soll das Geometrisch-technische Zeichnen wegfallen.

Andreas Fahrländer
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Der Regierungsrat will die Stundentafel und den Halbklassenunterricht reduzieren. (Archiv)

Der Regierungsrat will die Stundentafel und den Halbklassenunterricht reduzieren. (Archiv)

Einstimmig lehnt die Kommission für Bildung, Kultur und Sport die Reduktion der Stundentafel in der Primarschule und der Oberstufe ab. Nach den Plänen des Regierungsrates sollen in der Primarschule unter anderem weniger Deutsch, Realien und Musik unterrichtet werden.

Der Regierungsrat will das Geometrisch-technische Zeichnen als Pflichtfach an den Realschulen und als Wahlfach an den Sekundar- und Bezirksschulen streichen. In der 1. Bez soll es nur noch eine statt zwei Lektionen Musikunterricht geben. In der 3. Sek soll eine Lektion Geschichte/Geografie wegfallen. SP-Grossrat Thomas Leitch-Frey, Präsident der Bildungskommission, sagt: «Die Reduktion der Stundentafel ist eine Sparübung, die direkt die Schüler trifft. Wir lehnen das ganz klar ab.»

Halbklassen sollen bleiben

Auch gegen die Reduktion der sogenannten «ungebundenen Stunden» wehrt sich die Bildungskommission. Ungebundene Stunden werden meistens für den Halbklassenunterricht genutzt. Der Regierungsrat schreibt dazu in einem Papier zu den Sanierungsmassnahmen 2017, kleinere Lerngruppen würden nicht automatisch zu besseren Leistungen der Schülerinnen und Schüler führen. Massgebend seien dafür die methodischen und didaktischen Grundsätze einer Lehrperson.

Leitch sagt allerdings: «Das ist hinten und vorne falsch. Da gibt es ganz klar einen Qualitätsunterschied. Das hat der Regierungsrat schon einmal vorgeschlagen, jetzt kommt er wieder damit.» Bereits beim Sparpaket 2016 wehrten sich sowohl die Bildungskommission als auch die Kommission für Aufgabenplanung und Finanzen (KAPF) dagegen.

Der Grosse Rat beschloss darauf mit 92 zu 40 Stimmen deutlich, auf die Reduktion der ungebundenen Lektionen zu verzichten. Viele Lehrer würden sonst nämlich nicht mehr auf ein 100-Prozent-Pensum kommen, erklärt Leitch. Die Ironie an der Geschichte: Um vielen Lehrerinnen und Lehrern überhaupt ein Vollpensum zu ermöglichen, wurden die ungebundenen Lektionen einst eingeführt.

Auch eine Reduktion der Beiträge an die Sprach- und Bewegungsförderung sowie an die Kinder- und Jugendförderung lehnt die Kommission ab. Sie erachte die präventive Wirkung dieser Beiträge für besonders wichtig. «Das sind mit 110 000 beziehungsweise 160 000 Franken verhältnismässig kleine Beiträge, die man hier spart», sagt Leitch. Mit den beiden Förderprogrammen werden unter anderem Schultheater, Bücherkisten und die ausserschulische Jugendarbeit finanziert.

Vorkurs mit weniger Lektionen

Statt der geplanten vollständigen Streichung des gestalterischen Vorkurses beantragt die Bildungskommission nun, den Kurs mit einer geringeren Anzahl Pflichtlektionen und einem Schulgeld von 5000 Franken weiterzuführen. Der Vorkurs sei für viele Lehrstellen im grafischen Gewerbe eine Grundvoraussetzung.

Die Anträge der Bildungskommission werden an die KAPF weitergeleitet, welche die Sparmassnahmen aus finanzpolitischer Sicht prüfen muss. Leitch hofft, dass dann zumindest die geplante Reduktion der Stundentafel endgültig vom Tisch ist. «Es heisst immer, die Ausgaben für die Bildung würden übermässig stark wachsen. In den Jahren 2014 bis 2019 nehmen die Schülerzahlen aufgrund der geburtenreichen Jahrgänge um 6 Prozent zu. Der Aufwand steigt in derselben Zeit aber nur um 1,3 Prozent.» Viele in der Bildungskommission empfänden es deshalb als unverhältnismässig, wenn man hier noch einmal den Sparhebel ansetzen würde.

Im Budgetjahr 2017 sollen nach den Plänen des Regierungsrates in allen Bereichen des Departements für Bildung, Kultur und Sport rund 15 Millionen Franken gespart werden. Bis zum Jahr 2020 sollen die Einsparungen pro Jahr auf 41 Millionen Franken ansteigen.

Auch die FDP wehrt sich

Auch die FDP-Fraktion im Grossen Rat lehnt die Reduktion der Stundentafel und der ungebundenen Stunden ab. «Das zielt völlig am Ziel vorbei», sagt der freisinnige Grossrat Erwin Baumgartner. «Alles in allem führt die Massnahme zu einem Qualitätsabbau.» Bedenklich sei insbesondere das Wegfallen des Geometrisch-technischen Zeichnens in der Realschule. «Das ist ein Grundfach für das Erlernen eines technischen Berufes.» Allgemein sei es kontraproduktiv, wenn die schwächsten Jugendlichen am wenigsten Pflichtstunden hätten.

Mit dieser deutlichen Haltung der FDP dürfte eine Reduktion der Stundentafel tatsächlich vom Tisch sein – zumal auch CVP, SP und Grüne klar gegen den «Bildungsabbau» sind.

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