Gesundheit
Bildschirmärzte ersetzen den Hausarzt nicht

29 Apotheken bieten im Aargau Arztkonsultationen per Bildschirm an – bei den Patienten ist der virtuelle Doktor beliebt. Doch sie ersetzen Hausärzte nicht.

Sabina Galbiati
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Im Separee wird per Videokonsultation ein Arzt kontaktiert.Sabina GALbiati

Im Separee wird per Videokonsultation ein Arzt kontaktiert.Sabina GALbiati

Fabian Vaucher, Präsident des Aargauischen Apothekerverbandes, zeigt sich erfreut über die Entwicklung des Angebotes namens netCare: Mithilfe eines Bildschirmes können Personen, die keinen Hausarzt haben, direkt in der Apotheke einen Doktor per Videoübertragung konsultieren. Im April dieses Jahres starteten 29 Apotheken im Aargau mit der neuen Dienstleistung.

«Zwar kennen erst gut 10 Prozent unserer Kundschaft das netCare-Konzept, aber die Patienten sind begeistert von der Qualität der Bildübertragung», sagt Vaucher.

50 Prozent der Hausärzte werden dem Aargau in den nächsten fünf Jahren verloren gehen. Es dürfte schwierig sein, sie zu ersetzen. «Junge Ärzte schliessen sich heute in Gruppenpraxen zusammen oder spezialisieren sich. Mit netCare können wir Apotheker diese Lücke teilweise füllen», ist Vaucher überzeugt.

Ob sich netCare tatsächlich durchsetzen kann, wird erst die Studie der Pharmasuisse, der Dachorganisation der Apothekerinnen und Apotheker, zeigen. Sie ist auf zwei Jahre angelegt und sammelt die Daten von 200 Apotheken in der ganzen Schweiz. Nach erst fünf Monaten lassen sich zwar noch keine repräsentativen Zahlen veröffentlichen, doch auch Karl Küenzi, Leiter Kommunikation und Marketing der Pharmasuisse ist zufrieden: «Die bisherigen Rückmeldungen der Patienten sind sehr positiv, was uns natürlich auch zuversichtlich stimmt.»

Fabian Vaucher ist überzeugt: «Die Umbrüche, die sich seit einigen Jahren im Apothekenwesen vollziehen, machen netCare unumgänglich.» Auch wenn sich die Aargauer Apotheken noch am Anfang dieser Entwicklung befänden, zeichne sich deutlich ab, «dass es künftig Billig-Apotheken, Standardapotheken und Apotheken mit hoch qualifiziertem Service geben wird», so Vaucher.

Letztere werden um netCare nicht herumkommen, so die Hoffnung der Anbieter. Bereits heute können
20 Krankheitsbilder mittels einer Checkliste von geschulten Apothekern erfragt werden. Sie schätzen aufgrund der Antworten ein, ob ein Medgate-Arzt zugeschaltet wird, oder ob sie selber eine Medikation durchführen.

«Genial ist, dass sich das System quasi von selbst weiterentwickelt», betont Vaucher. Bereits jetzt nutzen die Aargauer Apotheker, die Möglichkeit, sich über netCare gegenseitig zu kontaktieren und um Rat zu fragen. Künftig sollen auch Schulungen per Videozuschaltung stattfinden.

Trotz der guten Entwicklung betonen Vaucher und Küenzi: «netCare soll keinesfalls die Hausärzte konkurrenzieren.» Ziel sei viel mehr eine Ergänzung derselben, beispielsweise, wenn der eigene Hausarzt in den Ferien ist. Ohnehin sind dem Bildschirmarzt Grenzen gesetzt, «denn ein gebrochenes Bein wird er nicht schienen können», betont Vaucher.