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Kanton Aargau
Auf den 1. Januar hat Aarburg ein neues Spitex-Modell eingeführt. Die erste Zwischenbilanz fällt positiv aus: Die Kunden sind zufrieden, die Kosten tiefer als angenommen.
Per Ende 2017 hat der Gemeinderat Aarburg den Leistungsvertrag mit der öffentlichen Spitex gekündigt. Der Auftrag wurde neu ausgeschrieben, den Zuschlag bekam die Spitex Lindenpark in Oftringen, eine Abteilung des Alterszentrums Lindenhof. Auf einen Schlag – per 1. Januar 2018 – übernahm diese alle Spitex-Leistungen für die Bevölkerung. Klar, dass dieser Entscheid viel Unmut ausgelöst hat.
Klienten befürchteten, bald ohne Betreuung auskommen zu müssen. Andere kritisierten, mit dem Vorgehen des Gemeinderates sei quasi der Untergang der Spitex Aarburg herbeigeführt worden. Inzwischen, nach gut 100 Tagen, sind diese Stimmen verstummt. Das neue Spitex-Modell in Aarburg scheint ein Erfolg zu werden – ein Erfolg, den die zuständige Gemeinderätin Martina Bircher (SVP) für sich verbuchen kann, die in diesem Dossier viel Gegenwind verspürt hat.
Ziel ist es, die Spitex-Kosten von rund 500'000 auf 250'000 Franken pro Jahr zu halbieren. Der Gemeinderat zieht aus den ersten 100 Tagen Spitex Lindenpark eine «äusserst positive Bilanz», wie es in den Ratsnachrichten heisst. Die Rückmeldungen zur Qualität der Pflege und der Hauswirtschaftlichen Leistungen seien durchweg positiv. «Eine erste Hochrechnung zeigt, dass die budgetierten Kosteneinsparungen von 50 Prozent sogar leicht höher ausfallen werden.»
Er fühle sich im Entscheid, die Spitex an einen privaten Anbieter auszulagern und sich gegen die Fusion mehrerer Spitex-Organisationen auszusprechen, «mehr als bestätigt». Mit der Gründung einer regionalen Spitex-AG hätten sich ab 2023 lediglich Einsparungen von 7,5 Prozent ergeben. Zudem hätte die Gemeinde Aarburg noch Aktien- und Betriebskapital einschiessen müssen. Nun seien die Weichen für eine professionelle, effiziente und innovative ambulante Pflege in Aarburg aber rechtzeitig gestellt worden. Man sei für die Umsetzung der Strategie ambulant vor stationär und die Herausforderungen einer älter werdenden Bevölkerung gewappnet.
Lindenpark-Geschäftsführer Ralph Bürge lancierte nach den ersten Monaten eine Umfrage bei sämtlichen Spitex-Klienten, um die Qualität der Dienstleistungen zu messen.
Ralph Bürge: Ja, wir haben die Kunden der Spitex Aarburg per 1. Januar von einem Tag auf den anderen übernommen, das war eine anspruchsvolle Aufgabe. Der ganze Lindenhof half mit, und wir haben es gut gemeistert.
In der Startphase: Das Vertrauen der Kunden zu gewinnen. Im Vorfeld spürten wir ja den Widerstand. Den zu überwinden war nicht einfach.
Ja, die Kunden realisierten, dass bei einem Termin, der um 8 Uhr angesetzt ist, auch um 8 Uhr jemand dasteht und dass es punkto Qualität keine Einbussen gibt.
Wenn wir nach 100 Tagen sagen können, dass die Anforderungen zu 90 Prozent erfüllt sind, so ist das ein sehr hoher Wert. Klar, es gibt noch Luft nach oben – aber das hat man immer.
Punkto Erreichbarkeit bei Fragen zur Pflege beurteilt ein Teil unserer Kunden die Leistungen als «zufriedenstellend». An diesem Punkt können wir sicher noch arbeiten.
Wir sind sogar leicht unter Budget.
Was mich ziemlich überrascht hat, ist die Tatsache, wie schnell die Stimmung in der Aarburger Bevölkerung gedreht hat – sie wechselte von Widerstand zu Wohlwollen. Ich habe mit mehr Widerstand gerechnet. Die Kundinnen und Kunden finden es auch toll, dass wir unsere Dienstleistungen von morgens um 7 Uhr bis nachts um 1 Uhr anbieten. Das gab einen zusätz- lichen positiven Effekt. Für Aarburg ist es unbestritten eine Win-win-Situation: Die Bevölkerung spart Geld, andererseits bekommt sie mehr Leistung.