Eigentlich ging es im TalkTäglich auf TeleZüri am Dienstagabend um Stefan Locher. Der SVP-Vertreter kandidiert für den Zürcher Kantonsrat, kürzlich publizierte das Magazin «Izzy» einen Beitrag, der die Frage aufwirft, ob sich Locher zum Wahlbetrug anstiften liess. In der Sendung diskutierten SVP-Nationalrat Alfred Heer und «Blick»-Chef Christian Dorer über den Fall.

Einig wurden sich die beiden nicht, gelegentlich wurde Heer laut, schliesslich erhob er einen weiteren massiven Vorwurf gegen den «Blick»: Ein Bundeshausredaktor der Boulevardzeitung habe einer jungen SVP-Kandidatin ein fragwürdiges Angebot gemacht. «Wenn er sie im Bikini fotografieren dürfe, dann schaue er im ‹Blick› im Gegenzug dafür, dass sie gewählt werde», soll der Journalist laut Heer gesagt haben. Gemäss einem Bericht von «20 Minuten» handelt es sich bei der SVP-Kandidatin, welche das Angebot erhielt, um die Aargauer Grossrätin Karin Bertschi.

Schwere Vorwürfe gegen "Blick": Bikini-Fotos gegen Wahlversprechen?

Vorwürfe gegen "Blick": Bikini-Fotos gegen Wahlversprechen?

Das Social Magazin «Izzy» führte bei einem Telefonstreich einen SVP-Politiker vor. Im TalkTäglich holte SVP-Wahlkampfleiter Alfred Heer zum Gegenschlag aus. Er erhebt schwere Vorwürfe gegen den «Blick».

Wahlkampfleiter fragte nach

Werner Laube, Wahlkampfleiter der SVP Aargau, bestätigt Heers Aussagen auf Anfrage der AZ: «Ich hatte nach den Aargauer Grossratswahlen im Herbst 2016 davon gehört und deshalb Karin Bertschi persönlich gefragt. Sie hat mir gegenüber dann bestätigt, dass man ihr gegen Bikinifotos grosse Interviews oder Artikel im ‹Blick› angeboten habe, wo sie sagen könne, was sie wolle.»

Karin Bertschi habe sich nicht mit ihm abgesprochen, als der «Blick»-Journalist ihr das Angebot gemacht habe, sagt der SVP-Wahlkampfleiter. «Unser Gespräch war später, sie sagte mir, sie habe keinen Moment daran gedacht, das Blick-Angebot anzunehmen», hält Laube fest. Er ergänzt, die SVP Aargau mache den Umgang mit Medien regelmässig zum Thema. «Das wird an Kandidatentreffen und in Konzepten zu den Wahlen aufgenommen.»

Bertschi hält sich bedeckt

Karin Bertschi selber teilt auf Anfrage der AZ per Mail mit: «Das ist ein Thema zwischen Alfred Heer und dem Chefredaktor des ‹Blick›. Ich halte fest, dass es nie Bikini-Fotos von mir im ‹Blick› oder in anderen Medien gegeben hat.» Privatsphäre sei ihr wichtig, ergänzt Bertschi, deshalb werde sie sich nun wieder «der Politik für den Kanton Aargau und unserem Recyclingunternehmen widmen.» Auch auf Nachfrage nimmt sie nicht konkret Stellung zur Frage, ob es ein Angebot des «Blick»-Reporters gab, sie würde im Gegenzug für Bikini-Fotos einen wohlwollenden Artikel erhalten. «Meine Stellungnahme ist abschliessend», lässt sie die AZ lediglich wissen.

«Blick» äussert sich nicht mehr

«20 Minuten» fragte nach den Aussagen von Alfred Heer beim «Blick» nach, ob es das umstrittene Angebot an Bertschi gegeben habe. Gegenüber der Pendlerzeitung hielt ein Ringier-Sprecher fest, der Vorwurf treffe nicht zu. Als die AZ bei «Blick»-Chef Christian Dorer nachfragt und ihn mit der Bestätigung von SVP-Wahlkampfleiter Werner Laube konfrontiert, lässt dieser über seinen Sprecher ausrichten: «Wir haben gestern gegenüber ‹20 Minuten› ein Statement gegeben und äussern uns nicht weiter zu dieser Angelegenheit.»

Die 28-jährige Unternehmerin aus Leimbach wurde lange als aussichtsreiche SVP-Anwärterin für den Nationalrat gehandelt. Im Oktober 2018 teilte sie aber mit, dass sie auf eine Kandidatur verzichte. Sie habe mit ihrem Unternehmen noch viel vor und wolle sich für soziale Projekte sowie in der Neuapostolischen Kirche engagieren.

Auch ohne Bikinifotos weiss sich Bertschi durchaus zu inszenieren. Schon vor ihrer politischen Karriere posierte die Geschäftsführerin beim

Recycling-Paradies, einer Entsorgungsfirma mit mehreren Standorten, regelmässig als «Müllprinzessin» für Artikel. In der «Schweizer Illustrierten» zeigte sie ihre Lieblingsplätze im Aargau, im «Blick» waren ihre Hochzeitsfotos zu sehen. Und auch auf Facebook postet Karin Bertschi fleissig Bilder, die Einblick in ihr Privatleben geben.