Eine Änderung der eidgenössischen Jagdgesetzgebung sieht vor, dass die Kantone ohne vorherige Zustimmung des Bundesamtes für Umwelt Eingriffe in die Bestände an sich geschützter Tierarten vornehmen können, sprich sie auf die Abschussliste setzen. In ihrer Vernehmlassung verlangt die Aargauer Regierung, dass dies unter anderem auch für den Biber gelten soll.

Dagegen protestiert nun Pro Natura Aargau und spricht von einer Kapitulation des Regierunsrats vor den Bauern. Diese würden behaupten, durch Biberdämme Millionenschäden zu erleiden, aber das sei überhaupt nicht belegt. Damit «solch unsinnige Vorhaben» wie der Abschuss von Bibern nicht zur Wahrheit werden, bräuchten die Umweltorganisationen das Beschwerderecht, heisst es in einem Communiqué von Pro Natura Aargau.

Zum jetzigen Zeitpunkt sei die Jagd auf Biber inakzeptabel, da die Population noch nicht gesichert sei. «Es darf doch nicht sein, dass die Verwaltung über Abschüsse und Biberdämme befinden will und sich niemand für das Recht der Geschädigten einsetzen kann», so die Naturschützer. Man fordere die konsequente Umsetzung der Gewässerschutzverordnung, statt Dämme zu zerstören und Biber zu töten. Das kürzlich revidierte «Konzept Biber» berücksichtige auch Konfliktsituationen. Doch die Vereinfachung des Abschusses verhindere zum Vornherein die Suche nach verträglichen Lösungen.

Holzfäller in privaten Gärten

Das Plädoyer der Naturschützer für den Biber kreuzt sich mit einer Mitteilung der Stadt Zofingen, dass erstmals seit der Ausrottung im 19. Jahrhundert auch hier wieder einer der Nager auf Stadtgebiet aktiv ist: im Altachenbach. Und der Biber hat hier offenbar bereits Bäume in privaten Gärten gefällt. Man zweifelt in der Thut-Stadt, ob die Voraussetzungen für eine langfristige Ansiedlung gegeben sind. Dafür sei der Uferbereich zu wenig breit und es fehlten ein Gehölzsaum und entsprechende Vegetation. Bis sich der Biber allenfalls einen attraktiveren Aufenthaltsort sucht, rät man den Anwohnern am Altachenbach, Massnahmen zum Schutz ihrer wertvollen Einzelbäume zu ergreifen: Den Baumstamm mit einem Drahtgitter ab Boden bis in eine Höhe von mindestens einem Meter umwickeln. Im stark genutzten Siedlungsraum seien Konflikte nicht immer zu vermeiden und es seien Interessenabwägungen vorzunehmen, heisst es aus Zofingen. Es werde sich zeigen, ob und wie hier ein Zusammenleben von Mensch und Biber möglich ist. (mou)