Atomkraftwerk
Beznau reicht Sicherheitsnachweis für stillstehenden Block ein – Greenpeace äussert "grosse Zweifel"

Das Kernkraftwerk Beznau (KKB) hat beim Eidgenössischen Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) den Sicherheitsnachweis für seinen seit März 2015 stillstehenden Block I eingereicht. Gemäss der Betreibergesellschaft Axpo gibt es weiterhin keine sicherheitstechnischen Vorbehalte für den sicheren Weiterbetrieb der Anlage bis gegen 2030. Die Umweltorganisation Greenpeace sieht das jedoch anders.

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AKW Beznau
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Das dienstälteste Atomkraftwerk der Welt: Das AKW Beznau im Kanton Aargau. Klicken Sie sich durch die Bilder.
Immer wieder steht es still.
Das Atomkraftwerk wird von der Axpo betrieben.
Sicht auf das Gelände des AKW.
«Menschenstrom gegen Atom»: Tausende demonstrierten im Frühling 2011 gegen Atomstrom.

AKW Beznau

KEYSTONE/CHRISTIAN BEUTLER

Die Prüfungen und Analysen entlang der vom ENSI akzeptierten Roadmap hätten mit positiven Ergebnissen abgeschlossen werden können, teilte die Axpo am Mittwoch mit.

Sie zeigten, dass die im Frühsommer 2015 detektierten Unregelmässigkeiten keinen sicherheitsrelevanten Einfluss auf die Materialeigenschaften des Reaktordruckbehälters hätten. Die Integritätsnachweise belegten eine ausreichende Sicherheitsmarge für einen Betrieb von 60 Jahren, heisst es weiter.

Das Erbringen des Sicherheitsnachweises sei auf der Grundlage eines nachgebildeten Rings des Reaktordruckbehälters abgeschlossen worden. Dieser sogenannte Safety Case sei nun beim ENSI eingereicht worden und zeige die Resultate aller Untersuchungen auf, die das Kernkraftwerk Beznau in den vergangenen eineinhalb Jahren am Reaktordruckbehälter durchgeführt habe.

Mit dem Safety Case werde gemäss Stand von Wissenschaft und Technik sowie nationalem und internationalem Regelwerk überprüfbar nachgewiesen, dass die Zuverlässigkeit und Sicherheit des Kernkraftwerks gewährleistet sei. Das ENSI werde nun den eingereichten Sicherheitsnachweis prüfen und über die Bewilligung zum Wiederanfahren entscheiden, schreibt die Axpo weiter.

Greenpeace wirft Axpo Zweckoptimismus vor

Ganz anders sieht das Greenpeace Schweiz: Wie die Umweltorganisation in einer Mitteilung vom Mittwochmittag schreibt, betrete die Axpo "absolutes Neuland" mit ihrem Vorgehen beim Sicherheitsnachweis.

«Ich bezweifle stark, dass diese und andere Massnahmen einer kritischen Betrachtung standhalten», sagt Greenpeace-Atomexperte Stefan Flüglister gemäss der Mitteilung. Stattdessen übe sich die Axpo einmal mehr im Zweckoptimismus, wenn sie glaube, dass Beznau bis "ins biblische Alter von 60 Jahren" betrieben werden könne. Die von Greenpeace unterstützte Atomausstiegs-Initiative der Grünen verlangt, die Laufzeiten der Schweizer Atomkraftwerke auf 45 Jahre zu begrenzen.

Desweiteren betont Greenpeace die Wichtigkeit eines transparenten Verfahrens und fordert die Axpo auf, vor einer allfälligen Wiederinbetriebnahme des ausgeschalteten Reaktors sämtliche Unterlagen auch von Experten ausserhalb von ENSI und des Fachgremiums kritisch prüfen zu lassen. (sda/az)