Bezirksgericht Zofingen
Sie versuchte ihren Mann zu vergiften und zu verbrennen: Gericht ordnet «kleine Verwahrung» an

2017 schüttete eine Frau Benzin über ihren schlafenden Mann und zündete ihn an. Es war nicht der erste Mordversuch an ihm. Nun liegt das Urteil des Bezirksgerichts Zofingen vor: Die Frau wird stationär therapiert.

Raphael Karpf
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Die Beschuldigte musste sich am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Zofingen verantworten.

Die Beschuldigte musste sich am Donnerstag vor dem Bezirksgericht Zofingen verantworten.

Alfi Moor

Am Donnerstag musste sich die Frau vor dem Bezirksgericht Zofingen verantworten, die im Sommer 2017 ihren schlafenden Ehemann mit Benzin überschüttet und angezündet hatte. Der Mann überlebte und rettete sowohl die Brandstifterin sowie die beiden gemeinsamen Kinder aus dem brennenden Haus.

Am Freitag gab das Gericht das Urteil bekannt: Sie wird wegen mehrfach versuchten Mordes, qualifizierter Brandstiftung, mehrfachen Pfändungsbetrugs, mehrfacher Urkundenfälschung und Betrug schuldig gesprochen.

Die Strafe: 14 Jahre Gefängnis, die für eine stationäre Massnahme aufgeschoben werden. Diese Massnahme ist auch als «kleine Verwahrung» bekannt. Das heisst, die Frau wird in einer geschlossenen Anstalt fünf Jahre lang therapiert. Sollte die Massnahme nicht den gewünschten Effekt haben, kann sie verlängert werden.

Die Frau leidet unter einer besonders schweren, doppelten Persönlichkeitsstörung. Seit ihrer Kindheit – die geprägt war von alkoholisierten Eltern und Gewalt – hat sie ein sehr geringes Selbstwertgefühl. Dieses versucht sie überzukompensieren, indem sie um jeden Preis das Bild der starken und attraktiven Powerfrau aufrechtzuerhalten versucht, die alles im Griff hat. So stark ist dieser Drang, dass sie lieber versuchte, ihren Mann umzubringen und in Kauf nahm, dass auch die beiden Kinder starben, als dass sie zugelassen hätte, dass dieses Bild bröckelte.

Der Beitrag von Tele M1 zum Thema.

Tele M1

Als das Betreibungsamt Wind bekommt, gerät die Frau in Panik

Die Frau kümmerte sich um die Finanzen der Familie. Sie war damit überfordert und häufte mehrere zehntausend Franken Schulden an, die sie von ihrem Mann und vom Betreibungsamt mit immer kriminelleren Mitteln zu verbergen versuchte. Sogar eine Krebserkrankung täuschte sie vor. Als das Betreibungsamt ihr trotzdem auf die Schliche kam, sah sie den einzigen Ausweg darin, ihren Mann umzubringen und mit einem gefälschten Abschiedsbrief ihm die Schuld an der finanziellen Misere in die Schuhe zu schieben.

Zweimal versuchte sie, ihn umzubringen: Sie vergiftete ein Birchermüesli. Als sie merkte, dass der Mann dieses nicht gegessen hatte, zündete sie ihn in der Nacht an, während die Kinder nebenan schliefen.

Angeklagt waren noch vier weitere Mordversuche gewesen: Sie soll ihn noch ein weiteres Mal zu vergiften versucht haben. Sie soll zwei Mal versucht haben, ihn im Schlaf zu vergasen. Und einmal soll sie einen «Auftragskiller», einen ihr bekannten Hooligan, zu engagieren versucht haben. In all diese Anklagepunkten wurde sie aber freigesprochen.

Trotzdem folgt das Gericht im Strafmass in weiten Zügen der Anklage. Diese hatte 15 Jahre Gefängnis, die für eine stationäre Massnahme aufgeschoben werden, beantragt. Die Verteidigung hatte 8 Jahre Gefängnis und keine stationäre Massnahme gefordert.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.