Bezirksgericht Rheinfelden
Ein Polizist stiehlt anderen Polizisten 150'000 Franken – dann verkauft er sein Haus, um das Geld zurückzuzahlen

Der Polizist war ehrenamtlich Kassier eines Polizistenverbandes. Jahrelang bediente er sich aus dieser Kasse und fälschte die Buchhaltung, damit es nicht aufflog. Um die 150'000 Franken zurückzuzahlen, verkaufte er sein Haus.

Raphael Karpf
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Der Beschuldigte arbeitete bei der Transportpolizei.

Der Beschuldigte arbeitete bei der Transportpolizei.

Zvg

Das Gericht war in Vollbesetzung angereist. Fünf Richterinnen und Richter waren für den Fall anwesend. Zusammen mit dem Beschuldigten, der Verteidigung, der Staatsanwältin, der Gerichtsschreiberin und den Journalisten ergab das in der Summe zu viele Aerosole für den Gerichtssaal in Rheinfelden. Die Verhandlung fand deshalb im Feuerwehrmagazin ein paar Strassen weiter statt.

Angeklagt war ein ehemaliger Polizist wegen Veruntreuung und Urkundenfälschung. Jahrelang arbeitete er bei der Transportpolizei für die SBB. In dieser Zeit machte er gleichzeitig ehrenamtlich die Kasse für den Verband der Transportpolizisten.

Und aus dieser Kasse bediente er sich jahrelang. Und jedes Jahr fälschte er die Buchhaltung, damit das Ganze nicht aufflog. Insgesamt 150'000 Franken hatte der Mann schliesslich gestohlen.

Staatsanwaltschaft und Beschuldigter sind sich einig

Vor Gericht wirkte der etwa 50-Jährige nicht wie ein Verbrecher. Er erschien in Jeans und rot kariertem Hemd. Er sprach klar und deutlich und stritt nichts ab. Er hintersinne sich heute noch, wieso er das damals getan habe, sagte er.

Und seine Reue schien echt. Denn der Mann hatte inzwischen sein Haus verkauft und auf die Pensionskassengelder verzichtet, um das gestohlene Geld bis auf den letzten Rappen zurückzuzahlen.

Und so hatten sich der Beschuldigte und die Staatsanwältin vor dem Verfahren bereits auf eine Strafe geeinigt: Er sei wegen mehrfacher Veruntreuung und Urkundenfälschung schuldig zu sprechen und mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 16 Monaten sowie einer Busse von 3000 Franken zu bestrafen. Vom Gericht musste das Ganze nur noch abgesegnet werden.

Und das machten die fünf Richterinnen und Richter. Und zwar im Eiltempo. Gerade einmal 24 Minuten dauerte die Verhandlung, inklusive fünf Minuten Unterbrechung für die Urteilsberatung.

«Ich bin froh, wenn ich jetzt einen Schlussstrich unter das Ganze ziehen kann»,

sagte der Beschuldigte zum Schluss.