Bezirksgericht Brugg
Tötungsdelikt von Hausen: Am ersten Prozesstag gerät ein Zeuge ins Kreuzfeuer

Diese Woche wird dem mutmasslichen Doppelmörder von Hausen der Prozess gemacht. Am ersten Prozesstag kam dieser aber noch nicht zu Wort. Stattdessen redete sich ein Zeuge vor Gericht um Kopf und Kragen.

Raphael Karpf
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Am 8. Januar 2018 wurden in Hausen zwei Frauen erstochen.

Am 8. Januar 2018 wurden in Hausen zwei Frauen erstochen.

Ennio Leanza

Vier Tage lang muss sich der mutmassliche Doppelmörder von Hausen vor Gericht verantworten. Der Vorwurf: Er soll am 8. Januar 2018 seine Frau und deren Schwester erstochen haben. Laut Staatsanwaltschaft war es kaltblütiger Mord. Er habe sich an seiner Frau, die ihn betrogen habe, gerächt und gleichzeitig den Gesichtsverlust verhindern wollen. Und mit deren Schwester habe er noch eine unliebsame Zeugin aus dem Weg geschafft.

Der Mann tötete am 8. Januar 2018 in Hausen seine Frau und Schwägerin. Vom 7-10 Juni 2021 wird ihm der Prozess gemacht. Die Verhandlung findet in der Turnhalle in Hausen statt.
14 Bilder
Tötungsdelikt in Hausen
Das Mehrfamilienhaus befindet sich an der Stückstrasse 15 in Hausen
In diesem Mehrfamilienhaus wurden die zwei Leichen aufgefunden.
Ein Polizeifahrzeug vor dem Mehrfamilienhaus vor.
Neben der Polizei...
...ist auch die Spurensicherung vor Ort.
Die Polizei geht wenige Stunden nach dem Fund der Leichen von einem Beziehungsdelikt aus.
Die beiden Toten waren Familienmitglieder des Tatverdächtigen...
...die genauen Identitäten sind allerdings noch nicht geklärt.
Die Polizei wurde von einer Drittperson alarmiert.
Journalisten und Anwohner warten vor dem Mehrfamilienhaus, dem wahrscheinlichen Tathaus.

Der Mann tötete am 8. Januar 2018 in Hausen seine Frau und Schwägerin. Vom 7-10 Juni 2021 wird ihm der Prozess gemacht. Die Verhandlung findet in der Turnhalle in Hausen statt.

Tele M1

Laut Verteidigung hat der Beschuldigte aus Notwehr gehandelt, die beiden Frauen hätten ihn angegriffen.

Am Montag, am ersten Prozesstag, musste der Beschuldigte selbst aber noch nichts sagen. In der Mehrzweckhalle in Hausen, wo der Prozess aus Platzgründen durchgeführt wird, wurden zuerst Personen aus dem Umfeld der Familie befragt.

Es gab immer wieder Streit in der Familie

Die befragten Personen zeichneten das Bild einer zerrütteten Familie. Immer wieder habe es Streit gegeben, immer wieder Gewalt. Die getötete Frau des Beschuldigten habe ihre Freiheit ausleben wollen. Leute treffen, feiern. Nur sei das mit kleinen Kindern nicht unbegrenzt möglich, soll der Beschuldigte ihr einzubläuen versucht haben. Ohne Erfolg. Insbesondere dann, wenn die Schwestern der Frau anwesend waren, sei der Streit ausgeartet.

Ein solcher Streit soll vor den Vorfällen vom 8. Januar 2018 eskaliert sein. Der Beschuldigte habe seine Frau an die Wand gedrückt, worauf eine Schwester der Frau ihn mit einem Messer bedroht haben soll.

Von den Befragten konnte sich niemand vorstellen, dass der Beschuldigte eine solche Tat geplant und kaltblütig ausgeführt haben könnte. Er sei eine warmherziger Mensch, der seine Frau geliebt habe.

Der Zeuge wollte gar nicht auftauchen

Am Nachmittag musste dann ein Zeuge antraben, den die Verteidigung aufgeboten hatte. Offenbar wollte er kurzfristig gar nicht erscheinen, per Mail meldete er sich von der Verhandlung ab. Mit etwas Verspätung erschien er dann doch noch. Es war der Mann, mit dem die getötete Ehefrau des Beschuldigten eine Affäre hatte.

Etwa ein halbes Jahr vor der Tat habe das Ganze angefangen, sagte er. Alle paar Monate hätten sie sich getroffen. Im Laufe der Untersuchung hatte er schon einmal ausgesagt. Und dort etwas anderes erzählt, nämlich dass er mit der Frau nie Sex gehabt habe. Wegen Falschaussagen wurde er dafür rechtskräftig verurteilt, zu einer bedingten Geldstrafe von rund 40'000 Franken.

Würde er erneut falsch aussagen, würde diese Strafe vollzogen, warnte Gerichtspräsident Sandro Rossi den Zeugen. Das sei alles ein Missverständnis gewesen, sagte dieser. Worauf der Richter wissen wollte, wie man die Frage, ob man mit jemandem geschlafen habe oder nicht, missverstehen könne. Er sei gestresst gewesen und habe die Frage nicht richtig verstanden, antwortet der Zeuge.

Traf der Liebhaber die Frau zwei Tage vor der Tat?

Schliesslich wollte der Richter wissen, ob der Zeuge die Frau am 6. Januar 2018, also zwei Tage vor der Bluttat, getroffen habe. Zufällig habe man sich getroffen und gegrüsst, antwortete dieser. Und beide seien ihrer Wege gegangen.

Noch einige weitere Fragen musste er beantworten, bis ihn der Richter unterbrach:

«Ich habe Sie bewusst bis jetzt reden lassen. Ich habe Ihnen gesagt, was passieren würde, wenn Sie heute erneut falsch aussagen.»

Es geht um das «zufällige» Treffen zwischen den beiden vom 6. Januar 2018. Wie ein Treffen zufällig sein könne, wollte der Richter wissen, wenn man Ort und Datum zusammen abgemacht habe. Und er ergänzte: «Fairerweise muss ich hier ergänzen, dass Sie das nicht beantworten müssen, weil Sie hier in ein neues Strafverfahren hineinschlittern.»

Der Zeuge wollte die Frage aber beantworten. Das Ganze sei schon lange her, so ganz genau erinnere er sich auch nicht mehr.

Verteidiger liest SMS des späteren Opfers vor

Daraufhin nahm der Verteidiger den Zeugen in die Mangel. Ob er am 6. Januar mit der Frau Sex gehabt habe, wollte er wissen. Der Zeuge verneinte. Dann begann der Verteidiger eine ganze Reihe von Nachrichten zwischen dem Zeugen und der Frau vorzulesen. Nachrichten, die ein immer deutlicheres Bild der Beziehung zwischen den beiden zeichneten und nahelegten, dass sie an diesem 6. Januar eben doch Sex gehabt hatten.

Der Zeuge antwortete ausweichend und widersprüchlich. Nur auf ganz konkrete Frage der Verteidigung sagte er überhaupt etwas. Ansonsten meinte er: Diese Chatnachrichten seien nicht so wichtig, er habe sie zum Teil nicht verstanden. Worauf der Verteidiger meinte: «Sie schreiben also SMS, die Sie selbst nicht verstehen?» Der Zeuge blieb bei seiner Version.

Tele M 1 über den Prozess.

Der Prozess geht heute Dienstag weiter. Dann wird der beschuldigte Kosovare befragt. Die Staatsanwaltschaft beantragt für ihn eine lebenslängliche Freiheitsstrafe.

Den ersten Prozesstag zum Nachlesen im Live-Ticker finden Sie hier.